Miitomo im Test: Warum Nintendos erste App ein modernes Poesiealbum ist

Martin Eiser 2

Mit Miitomo macht Spiele-Riese Nintendo heute erste Schritte im Smartphone-Bereich. Wir erklären euch, warum die App für iOS und Android weniger Spiel und mehr Soziales Netzwerk oder sogar ein Poesiealbum ist.

Miitomo - Launch Trailer.

Nintendo entwickelt nun auch Smartphone-Apps für iOS und Android, in Zusammenarbeit mit dem App-Entwickler DeNA. Für manchen Fan des Unternehmens wird damit ein Traum wahr: Endlich gibt es die Chance, dass all die geliebten Nintendo-Helden auch auf fremden Plattformen auftauchen – zumindest in der Theorie. Offiziell angekündigt ist dazu nämlich bisher nichts. Nur eine einzige App wurde im vergangenen Jahr enthüllt, und die basiert auf keiner großen Serie. Treue Besitzer von 3DS und Wii U scheinen also die neue Konkurrenz nicht fürchten zu müssen.

Die erste, soeben auch in Deutschland erschienene, Anwendung nämlich zeigt, dass Nintendo sehr wohl zwischen den unterschiedlichen Zielgruppen differenzieren möchte. Miitomo ist speziell auf Smartphones zugeschnitten, Miitomo ist eine soziale Erfahrung und kein Spiel im klassischen Sinne. Im Grunde handelt es sich um ein soziales Netzwerk, das mehr wie ein Poesie-Album funktioniert. Wir beantworten vorgegebene Fragen und ziehen unserem Mii-Avatar ein paar niedliche Sachen an.

Miitomo erinnert an vielen Stellen an Tomodachi Life, das vor zwei Jahren für den Nintendo 3DS erschienen ist. In dem Spiel hatte Nintendo allerdings ein soziales Netzwerk nur vorgegaukelt. Je besser wir unsere Charaktere realen Figuren nachempfunden haben, desto mehr Spaß machte der Titel. Diesmal sind alle Charaktere echt – also zumindest so echt, wie das jeder Einzelne möchte. Die Figuren in Miitomo führen kein Eigenleben – wir müssen selbst einstellen, wie unser Charakter ausschaut, wie er gestrickt ist, welche Kleidung er trägt und was er denken soll.

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Das Spiel stellt uns Fragen, die mal mehr oder mal weniger spannend sind. Da geht es zum Beispiel darum, welche Serie uns gerade gefällt, wo wir gerne einkaufen oder aber auch, was uns an einem Partner besonders wichtig ist. Einige der Informationen wollen wir vielleicht lieber für uns behalten, diese Fragen müssen wir nicht beantworten. Für manche Fragen finden wir vielleicht kreative Antworten. Oder wir antworten nur einem Freund direkt, sodass nur er die Info sehen kann. Und genauso wie Freunde unsere Antworten sehen können, haben wir Einblick in ihre.

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Tatsächlich erfahren wir dabei nicht nur Belangloses, sondern manchmal auch wirklich spannende Informationen – was Freunde bewegt und beschäftigt. Außerdem hat jede Antwort immer auch einen ganz eigenen Wert für einen selbst. Das Lieblingsessen von Freunden ist sicherlich nicht für jeden interessant. Bei einigen würde ich mich aber wirklich freuen, etwas für sie zu kochen und bin daher an der Antwort interessiert. Außerdem lassen sich die Antworten kommentieren oder mit einem Herz versehen. An dieser Stelle kommt dann wieder das soziale Netzwerk durch.

Die Antworten und geteilten Informationen in Miitomo können ziemlich intim sein. Je mehr wir von uns preisgeben, desto interessanter wird die Erfahrung auch für andere. Deswegen ist es wichtig, dass wir zu den Menschen, die wir zu Miitomo hinzufügen, einen Bezug haben und ihnen vertrauen. Sonst werden wir nur wenig Spaß mit der Anwendung haben. Freunde finden wir in Miitomo übrigens über verknüpfte Accounts von Facebook und Twitter, sowie über den Direktkontakt, wenn ein Freund in unmittelbarer Nähe steht.

Die Bekleidung gibt es im Shop gegen Miitomo-Münzen, die wir unter anderem für das Beantworten von Fragen und Kommentieren von Antworten bekommen. Außerdem können wir echtes Geld eintauschen, um Münzen zu bekommen. Im Shop warten darüber hinaus ein paar Automatenspiele auf uns, bei dem wir mit sehr viel Glück Bekleidung erspielen können, die es sonst nicht zu kaufen gibt. Hier ist aber ziemlich viel Glück nötig, und für jede Runde ein Spielschein. Den können wir gewinnen, im Tausch für Nintendo-Münzen bekommen oder aber für 500 Goldmünzen erwerben.

Mit dem Spielautomaten hatte ich nicht so viel Freunde. Ein Mii fällt von oben an der gewünschten Stelle herunter und wird je nach Intensität der blockenden Elemente wieder nach oben geschleudert, bis er irgendwo zum Liegen kommt. Hier spielt vor allem der Zufall eine Rolle und das erinnert mich an das unsäglich Nintendo Badge Arcade für den Nintendo 3DS, das uns ebenfalls versucht, möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Im schlimmsten Fall gewinnen wir nämlich gar keine Kleidung, sondern lediglich ein paar Süßigkeiten. Und die sind nur nützlich, um bestimmte Antworten von Freunden sofort freizuschalten.

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Nintendo wird das Angebot an solchen kleinen Beschäftigungen mit der Zeit sicherlich noch ausbauen. Für den Start aber ist es gut, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir erstellen unseren Avatar, füttern ihn mit Informationen und individualisieren ihn weiter mit Kleidung. Ich kann mir gut vorstellen, dass Nintendo die Lebensmittel sowie die nationalen und internationalen Gerichte aus Tomodachi Life ebenfalls in Miitomo integrieren wird. Mit dem aktuellen Angebot sind wir aber auch erst einmal eine Weile beschäftigt. Und je mehr Freunde sich daran beteiligen, desto größer wird der Spaß.

Und genau das macht aus Miitomo ein modernes Poesiealbum. Früher haben wir unsere Lieblingsband und den Traumberuf in diese Bücher eingeschrieben. Wir haben zum Teil auch sehr persönliche Informationen darin geteilt, die jeder lesen konnte, der das Album in die Hände bekommen hat. Ja, und wir haben unnütze Stickeralben und glitzernde Stifte gekauft, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Heute investieren wir Nintendo-Münzen oder echtes Geld in das ausgefallene und individuelle Outfit unseres Avatars in Miitomo.

Ich habe mir zum Beispiel so schnell wie möglich das Geld für einen lustigen Bären-Anzug zusammengespart. So ein Teil habe ich auch im echten Leben und ich finde es fabelhaft. Das bei den Minispielen so viel Glück und Zufall eine Rolle spielt, finde ich etwas ärgerlich. Aber zum Glück ist das täglich wechselnde Angebot im Shop ebenfalls ausreichend, um einen hübschen Avatar zusammenzubasteln.

Nintendo beweist mit Miitomo zumindest, dass sie auf iOS und Android nicht einfach alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen, sondern speziell darauf zugeschnittene Angebote. Und Miitomo ist ein wirklich interessanter Start.

Miitomo für iOS und Android herunterladen

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.
Die App konnte im App Store nicht gefunden werden.

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