5 Jahre Siri: unverzichtbar und unzuverlässig zugleich

Sebastian Trepesch 4

Gratuliert eurem Sprachassistenten zum Geburtstag: Siri wird heute 5 Jahre alt! Der Sprachassistent von Apple ist für viele iPhone-Nutzer eine unverzichtbare Funktion – aber fühlt sich manchmal noch nach einem Beta-Stadium an.

5 Jahre Siri: unverzichtbar und unzuverlässig zugleich

Erst vor wenigen Tagen wechselte eine Bekannte von mir von einem Android-Smartphone zum iPhone. Wo stellt man in iOS den Wecker? Da sie die Funktion nicht gleich fand (der Wecker ist keine eigene Anwendung, sondern in der Uhr-App versteckt), gab sie einfach Siri die Anweisung: „Stelle einen Wecker auf 7.30 Uhr.“

Fertig. Siri hat den Auftrag probt erledigt.

Siri: Erleichterung für viele Situationen

Meine Kommunikation mit Siri konnte die Bekannte schon öfters mitverfolgen. Besonders für so etwas wie Wecker, Erinnerungen oder HomeKit-Funktionen verwende ich den Sprachassistenten täglich. Nicht nur auf dem iPhone: Seit diesem Herbst ist – dank macOS Sierra – Siri auch auf dem Mac und damit auf allen wichtigen Apple-Geräten verfügbar. Speziell die Apple Watch wäre ohne den Assistenten um eine wichtige Funktion ärmer.

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Den Start erlebte Siri 2011 auf dem iPhone 4S – damals noch ganz offiziell in der Beta-Phase. Die Basis der Software stammte von Siri Inc., einem Unternehmen, das Apple im Jahr zuvor kaufte. Der iPhone-Hersteller verbesserte den Sprachassistenten mit fast jedem größeren Betriebssystem-Update und fügte neue Funktionen hinzu. Eine Auswahl, was aktuell möglich ist:

  • Websuche, Wetterbericht, Sportergebnisse, Blödsinn;
  • Termine erstellen, Nachrichten schreiben, Timer starten;
  • Musik eines bestimmten Interpreten starten, nach Podcasts suchen;
  • Display heller machen, Flugmodus einschalten;
  • Apps öffnen, für einzelne Drittanbieter-Apps verwenden;
  • HomeKit-Geräte steuern und Informationen abrufen;
  • Auf Apple TV nach Filmen suchen und Apps starten;
  • Auf dem Mac nach Dateien suchen und Auswahl filtern.

Als große Besonderheit hebt Apple die Lern- und Interpretationsfähigkeit hervor: Siri lernt nicht nur den Besitzer (besser) zu verstehen, sondern interpretiert die Anfragen, anstatt nur auf einzelne Sprachbefehle zu reagieren. Klassisches Beispiel: „Benötige ich heute einen Regenschirm?“ weiß Siri als Frage nach der Wettervorhersage zu verstehen.

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Siri in der Praxis: Manchmal zum Verzweifeln

Soweit die Theorie. Nach fünf Jahren und stetigen Verbesserungen sollte der Sprachassistent ein wahres Talent der Dialektik und Hilfe sein, will man meinen. In der Praxis, weiß der eifrige Nutzer, ist Siri tatsächlich manchmal sehr auf Zack. Und manchmal sind Hopfen und Malz verloren.

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In den letzten Wochen kämpfte ich vor allem mit diesen drei Themen:

  • „Erinnere mich heute um 20 Uhr an Tarifkündigung.“ – Siri: „Ok, sag mir einfach, an was du erinnert werden willst.“
  • „Schalte die Steckdose ein“ – Siri: „Das ist das Resultat meiner Websuche:“
  • „Mach das Küchenlicht heller“ – Siri: „Ich verstehe ‚heller‘ leider nicht. Kannst du es umformulieren?“

Was mich besonders irritiert: Die oben genannten Befehle funktionier(t)en alle schon problemlos. Dann, zwischendrin, wieder gar nicht: ich muss unter das Regal kriechen, um nach fünf vergeblichen Anläufen die HomeKit-Steckdose manuell einzuschalten. Ja, besonders im Bereich der Heimautomatisierung scheint der Sprachassistent noch einigen Nachholbedarf zu haben.

Die Sprache an sich, abgesehen von manch Fremdwort oder Name, versteht Siri mittlerweile sehr gut. An der Interpretation hapert es.

Die Herausforderung, die richtigen Wünsche zu erkennen

Je größer der Funktionsumfang, desto schwieriger wird es für Siri, die Wünsche des Nutzers zu identifizieren und den richtigen Aktionen zuzuordnen. Den richtigen Kontext finden, das wird zudem durch die Möglichkeit verkompliziert, dass der Nutzer Nachfragen stellen kann. Sie sind für sich unvollständig und beziehen sich auf das vorher Gesagte. Beispiel: Der Nutzerwunsch „Nur die mit Daniel Craig“ bezieht sich auf die vorher gestartete Suche „Zeige mir James-Bond-Filme.“ Was passiert, wenn dies nicht optimal konfiguriert ist und Anfragen in einen falschen Zusammenhang gestellt werden? Zum Beispiel sucht der Sprachassistent Personen im Adressbuch, obwohl der Nutzer von Apps redet.

Apple Watch, Apple TV, Mac – Siri spielt seit ein, zwei Jahren auf vielen neuen Geräten eine große Rolle, zudem kam das Kapitel Heimautomatisierung neu dazu. Das dürfte die Zuverlässigkeit des Sprachassistenten beeinflusst haben. Und daran muss Apple nun arbeiten. Denn Siri will man nur dann nutzen, wenn 98 Prozent der Anfragen auf Anhieb funktionieren.

Siri ist sehr praktisch. Verlässlich ist der Sprachassistent – auch nach fünf Jahren – nicht. Trotzdem: Happy Birthday!

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