Warum Siri der Konkurrenz immer noch hinterherhinkt

Florian Matthey 9

Siri wird im iOS 11 dazulernen und Teil des HomePod werden. Dennoch erreicht Apples Assistent weiterhin nicht den Funktionsumfang der Konkurrenz. Frühere Apple-Mitarbeiter und Entwickler sehen Apples Datenschutzansprüche als Hindernis.

Siri hinkt der Konkurrenz weiterhin hinterher

Das Wall Street Journal widmet sich in einem ausführlichen Artikel den aktuellen Fähigkeiten von Siri, dem HomePod und vor allem Apples Strategie für den Spracherkennungsassistenten und künstliche Intelligenz im Allgemeinen. Für den Artikel hat die Zeitung mit mehreren früheren Apple-Mitarbeitern und Entwicklern gesprochen. Vor allem im Vergleich zur Konkurrenz schneidet Apple nicht sonderlich gut ab.

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Ex-Mitarbeiter: Siri hat für Apple keine hohe Priorität

Die Ex-Apple-Mitarbeiter, die am Siri-Projekt arbeiteten, sind der Meinung, dass Apple Siri im Allgemeinen keine hohe Priorität einräume. So erklärt der frühere Siri-Spracherkennungs-Experte Larry Gillick, der jetzt als Chief Technology Officer für das Startup Semantic Machines arbeitet, dass Apple und andere große Unternehmen sich immer nur auf kleinere Verbesserungen am Rande beschränkten.

Als Siri selbst noch ein Startup-Projekt war, planten die Erfinder eine Integration mit möglichst vielen anderen Apps. Dass Apple dann im Jahr 2012 mit Bill Stasior einen früheren Amazon-Experten für Suchanfragen statt eines Experten für Spracherkennung oder künstliche Intelligenz zum Siri-Chef machte, erzeugte beim Siri-Team den Eindruck, dass Apple die große Vision eines universellen Spracherkennungsassistenten nicht teile.

Siri-Erfinder wollten mehr Integration mit Apps

Aus eben diesem Grund verließen auch die Siri-Erfinder Dag Kittlaus und Adam Cheyer das Unternehmen, um die Siri-Version mit dem neuen Unternehmen Viv weiterzuverfolgen. Samsung übernahm Viv bekanntlich im letzten Jahr und hat auf Basis dessen den eigenen Spracherkennungsassistenten Bixby erschaffen.

Mit dem iOS 10 öffnete Apple Siri für Entwickler von Apps, die sich bestimmten Kategorien zuordnen lassen, das iOS 11 macht weitere Schritte in diese Richtung. Allgemein seien die Beschränkungen aber immer noch zu groß: Der Entwickler Brian Roemmele meint, dass seine Kollegen und er mit Siri experimentiert hätten, dann aber gemerkt hätten, dass es sich nicht vernünftig einsetzen lasse. Viele hätten mittlerweile resigniert und erkannt, dass „Siri immer dumm sein wird“.

Datenschutz als großes Hindernis

Ein Grund, warum Konkurrenten wie Amazon Alexa und Google Assistant so viel leistungsfähiger sind, ist, dass diese Unternehmen mit deutlich weniger Einschränkungen als Apple Kundendaten verwenden, um die Assistenten lernen zu lassen und besser an die Bedürfnisse und Interessen der eigenen Kunden anzupassen.

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Auch Siri soll im iOS 11 mehr über die Interessen des Benutzers lernen können. Insgesamt stehe sich Apple aber mit seinen selbst auferlegten strengen Datenschutzbestimmungen selbst im Wege – wobei sich dies natürlich auch als positiv einschätzen lässt. Jedenfalls hätten sich Apple-Mitarbeiter, die sich seinerzeit die erste Präsentation von Amazons Alexa ansahen, große Sorgen gemacht, was ein Grund sein könnte, warum Apple jetzt mit iOS 11 und dem HomePod versucht, wenigstens ein bisschen aufzuholen.

Quelle: Wall Street Journal via Mac Rumors, 9to5Mac

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