Telegram: Vielversprechender WhatsApp-Konkurrent mit höherer Sicherheit & „Snapchat-Funktion“

Andreas Floemer 50

Telegram ist eine WhatsApp-Alternative, die sich auf die Fahne geschrieben hat, sicherer zu sein als der Messenger-Platzhirsch. Doch nicht nur das, à la Snapchat lassen sich auch Nachrichten mit Selbstzerstörungsfunktion senden und – ein großer Vorteil gegenüber WhatsApp — außer mobilen Clients gibt es auch Anwendungen für Desktoprechner und eine Chrome-Erweiterung. 

Auf den ersten Blick sieht die Nutzeroberfläche von Telegram beinahe aus wie ein WhatsApp-Klon in anderen Farben und mit schickem Logo. Auch der Funktionsumfang ist oberflächlich nicht anders: Es lassen sich Textnachrichten mit einzelnen Kontakten oder Gruppen von bis zu 200 Personen teilen (WhatsApp unterstützt nur 50 Personen), darüber hinaus auch Fotos und Videos. Zusätzlich unterstützt die App den Versand von MP3- und Zip-Dateien, Doc-Dokumenten und weiteren Formaten.

Im Unterschied zum Platzhirsch WhatsApp, der Konversationen (außer Gruppenchats) lokal auf dem jeweiligen Gerät speichert, landen die Standard-Konversationen allerdings in der Cloud, die laut Entwickler durch ein eigens entwickeltes Protokoll hochgradig verschlüsselt ist. Aus Sicherheitsgründen stehen die Cloud-Server für die App überall auf der Welt verteilt – unter anderem in London, San Francisco, Singapur und Helsinki. Dass man von der Sicherheit überzeugt ist, zeigt sich am kürzlich ausgelobten Preisgeld von 200.000 US-Dollar in Bitcoins für die Person, die es schafft, das eigens entwickelte Sicherheitsprotokoll MTProto zu knacken.

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Dank der Cloudbasiertheit des Messengers ist es wie bei Googles Hangouts möglich, mehrere Clients zu nutzen und die Daten über verschiedene Plattformen hinweg synchron zu halten. Zwar bietet Telegram offiziell nur Apps für iOS und Android an, aufgrund dessen, dass Teile des Codes Open Source sind und eine API zur Verfügung gestellt wird, haben sich aber schon Entwickler die Arbeit gemacht, diverse Anwendungen zu programmieren, die auf der Telegram-Website zum Download angeboten werden. Beispielsweise gibt es Clients für OS X, Windows und Linux, aber auch für Windows Phone wurden bereits mehrere Lösungen entwickelt. Zur Anmeldung wird wie bei WhatsApp die eigene mobile Telefonnummer benötigt – diese ist auch für die verschiedenen Anwendungen erforderlich. Nach Eingabe der Nummer erhält man eine SMS zur Authentifizierung zugeschickt.

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Außer dem klassischen Messenger-Modus bietet Telegram eine Art sicheren Snapchat-Modus. Ist dieser aktiviert, sind die Nachrichten mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung versehen, hinterlassen keine Spuren auf den Telegram-Servern, lassen sich nicht an Dritte weiterleiten und können sogar mit einem „Selbstzerstörungs-Timer“ versehen werden. Diese Art der Nachrichten umgehen entsprechend die Speicherung in der Cloud und können nur auf den Sende- und Empfangs-Geräten gelesen werden.

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Telegram bietet somit ein größeres Featureset als WhatsApp, trotzdem ist die Anwendung dank ihrer Übersichtlichkeit sehr leicht zu benutzen. Ferner ist sie kostenlos, frei von Werbung und soll es auch bleiben – die Entwickler verstehen Telegram als „Nonprofit Messenger“ – das bedeutet, dass es sich um ein nicht-kommerzielles Produkt handelt, mit dem keine Erträge erwirtschaftet werden müssen. Falls man es irgendwann einmal Geld für die weitere Entwicklung benötigen sollte, würde man es über eine Spendenaktion einsammeln wollen. Hinter Telegram stehen allerdings zahlungskräftige Investoren, sodass so eine Aktion möglicherweise nie zustande kommt: Einer von ihnen ist der Unternehmer Pavel Durov, der in seinem Heimatland als russischer Mark Zuckerberg bekannt ist. Denn er hat Europas zweitgrößtes soziales Netzwerk VKontakte, kurz VK, gegründet, das hierzulande kaum bekannt ist, allerdings knapp über 240 Millionen Mitglieder verzeichnen kann. Durchaus beachtlich.

Fazit

Telegram hinterlässt einen sehr positiven Eindruck – sowohl optisch als auch von seinem Funktionsumfang sowie den Sicherheitsmechanismen und dem Open Source. wie auch Non-Profit-Gedanken her. Die Entwickler machen vieles richtig und sogar besser als das Team um Jan Koum von WhatsApp. Ob dies allerdings ausreicht, um erfolgreich zu sein, ist trotzdem fraglich, denn WhatsApp – so unsicher die App immer noch ist – hat sich etabliert und „is here to stay“ – zumindest vorerst. Wer auf der Suche nach einer viel versprechenden Alternative zu WhatsApp ist – vor allem im Lichte der Elefantenhochzeit mit Facebook – sollte sich Telegram näher ansehen.

Telegram
Entwickler:
Odnoklassniki Ltd
Preis: Kostenlos

Weitere interessante Alternativen zu WhatsApp:

Quelle: Telegram [Danke für den Hinweis, Frank;  TechCrunch]

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