Telegram: WhatsApp-Alternative erfährt regen Zulauf – Kritik an Sicherheit [Update]

Andreas Floemer 50

Seitdem Facebook den Kauf von WhatsApp angekündigt hat, steht die Messengerwelt Kopf. Viele sind auf der Suche nach WhatsApp-Alternativen, bei denen unter anderem Threema und Telegram eine relevante Rolle spielen. Während Threema bezüglich der Verkündung von Neuzugängen die Füße still hält, verbreitet Telegram über Twitter stolz einen starken Zuwachs. Abgesehen davon wird trotz der laut Entwickler hohen Sicherheitsmaßnahmen aus verschiedenen Quellen Kritik über die Art der Verschlüsselung laut.

Telegram: WhatsApp-Alternative erfährt regen Zulauf – Kritik an Sicherheit [Update]

Update: Durch den gestrigen vierstündigen globalen Ausfall von WhatsApp sind viele Nutzer in Strömen zu Telegram gewechselt. Nach Angaben der Entwickler sind allein gestern über 1,8 Millionen Neuzugänge zu verzeichnen gewesen. Zeitweise gab es ein Anmeldungsaufkommen von 100 Nutzern pro Sekunde (!). Aufgrund dessen gab es Verzögerungen bei der Versendung der Registrierungs-SMS und teils Ausfälle des Dienstes. Man sei allerdings dabei, weitere Server aufzusetzen, um dem Ansturm gerecht zu werden.

 

Der Kauf von WhatsApp durch Facebook hat die vermeintlich stabile Messengerwelt ins Wanken gebracht. Scharenweise – zumindest den Kommentaren und den Reaktionen im Web zufolge – verlassen Nutzer den Messengerplatzhirsch und wechseln zu diversen Alternativen. Einer der sehr beliebten Messenger ist offenbar die gestern von uns vorgestellte Lösung Telegram. Diese ist von seinen Funktionen her in der Tat großartig und verfügt neben mobilen Apps sogar über Desktop-Clients. Nach eigenen Aussagen haben sich innerhalb von zwei Tagen nicht weniger als 800.000 neue Nutzer angemeldet, was nach einem satten Erfolg klingt. Laut Play Store sollen zwischen 5 und 10 Millionen User den Telegram-Messenger seit seiner Vorstellung im Oktober letzten Jahres heruntergeladen haben – wie viele die App letztlich nutzen, ist unbekannt.

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Die Erfolgszahlen der neuen Messenger drücken sich auch in den App Stores der verschiedenen Plattformen aus: Im Play Store ist Telegram neben Threema daher in der Rubrik „Trends“ weit oben vertreten, unter den kostenpflichtigen Apps belegt Threema gar den Spitzenplatz. Nichtsdestotrotz ist das Wachstum bei der Schweizer Messenger-App nicht so groß wie bei Telegram: Threema konnte seine Nutzerzahl zwar verdoppeln, mehr als insgesamt 400.000 Nutzer hat das Schweizer Unternehmen aber nicht zur Installation bringen können. Dies dürfte allerdings vor allem daran liegen, dass die Anwendung im Unterschied zu Telegram kostenpflichtig ist. Aus beruflichen Gründen und Neugier habe ich beide Anwendungen installiert und kann kurioserweise beobachten, dass die Kontaktliste in Threema länger ist als in Telegram.

 

Abgesehen vom zahlenmäßig sensationellen Erfolg Telegrams, den wir den Entwicklern sehr gönnen, bleibt ob des tollen Messengers ein kleines „Geschmäckle“. Denn in Fachkreisen besitzt der eigens entwickelte Sicherheitsmechanismus keinen allzu guten Ruf. Software-Sicherheitsexperte Geoffroy Couprie hat den Open Source-Teil der Sicherheitslösung von Telegram auf seinem Blog seziert und diese für veraltet und angreifbar dargestellt. Ein weiterer Kritiker ist der renommierte Kryptografie-Experte Moxie Marlinspike, der sich auf Hackernews auf eine Diskussion mit Telegram- Entwicklern über das Sicherheitsverfahren des Dienstes einließ, welche kaum ein Normalsterblicher nachvollziehen kann. Die Entwickler des Messengers scheinen ihre Sache aber sehr ernst zu nehmen und geben sich redliche Mühe, ihren Ansatz nachvollziehbar darzustellen und Unklarheiten zu erläutern. Ob der Dienst nun konkret sicher ist oder nicht, bleibt trotz der Kritik bislang unbeantwortet. Wie bereits im Vorstellungsartikel erwähnt, erhält die Person ein Preisgeld von 200.000 US-Dollar, die den Sicherheitsmechanismus von Telegram aushebelt.

Außer der Kritik seitens der Krypto-Experten schien es gestern einen Bug gegeben zu haben, durch den Dritte Nachrichten an unbekannte Kontakte schreiben konnten. Dieser Bug wurde mittlerweile behoben – man betonte zudem, dass das Gegenüber zwar Nachrichten senden konnte, die Telefonnummer der Nutzer aber weiterhin verborgen blieb, sofern man dem unbekannten Kontakt nicht antwortete. Ganz perfekt ist die Anwendung also nicht, doch es hat den Eindruck, dass die Betreiber alles dran setzen, um Telegram zu einer erfolgreichen Alternative zu machen. Als Anlaufstelle für Probleme dient übrigens der Twitterkanal @telegram, über den fleissig mit Nutzern kommuniziert wird – teilweise auch auf Deutsch.

 

Wir werden die Entwicklung auf dem Sektor der WhatsApp-Alternativen und auch der Sicherheit von Telegram im Auge behalten und über Neuigkeiten wie interessante Produkte berichten.

Seid ihr umgestiegen? Falls ja, zu welchem Messenger hat es euch verschlagen? Falls ihr noch auf der Suche sein solltet, werft doch einen Blick in unsere Übersicht an WhatsApp-Alternativen.

Quellen: Telegram @Twitter, Zeit [via Süddeutsche]

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