China: Kein Android Market im Reich der Mitte

Frank Ritter 7

Android mag auch in China, nicht zuletzt dank Geräten wie Meizu MX und Xiaomi M1, ein Erfolgsmodell sein. Dennoch wird der größten Volksgemeinschaft der Welt ein wichtiger Teil der Android Experience verwehrt: Zugang zum Android Market.

China: Kein Android Market im Reich der Mitte

Eine der größten Überraschungen der CES 2012 war aus unserer Sicht die massive Präsenz des chinesischen Konzerns Lenovo, der eine Vielzahl von interessanten AndroidGeräten vorstellte. Im Hands-On Video zum mit Android 4.0 betriebenen Fernseher Lenovo IdeaTV K91 erwähnte Daniel, dass das Gerät ohne Anschluss an den Android Market daherkommt, sprich: Zwar mit Android daherkommt, nicht jedoch den offiziellen und lizenzierten Google Apps.

Ein Grund dafür mag sein, dass Google den K91 nicht lizenzieren will, da man Konkurrenz für Google TV wittert. Weitaus gewichtiger ist ein Faktum, das mich persönlich erstaunt hat: In China gibt es – zumindest offiziell – keinen Zugang zum Android Market.

Wie Inside Mobile Apps berichtet ist ein Teil des Problems Googles Politik, Apps nicht im Vorfeld zu testen, die im Android Market eingestellt werden, sondern stattdessen nachgelagert zu überprüfen, wenn Beschwerden zu Apps eingehen. Chinesische Mobilfunkanbieter wie Tencent wären hingegen dafür verantwortlich, dass keine Apps veröffentlicht werden, die den strengen Regulatorien der Regierung widersprächen. Zwar habe die Regierung mobile Apps noch nicht auf dem Schirm, es sei aber anzunehmen, dass sich das bald ändert. Im Bereich der Videospiele wird besipielsweise bereits munter moniert, modifiziert und aussortiert, wenn Games den Empfindlichkeiten von Chinas Kulturministerium nicht entspricht. Teils gleitet dies ins Groteske ab: Werbung für Plants vs. Zombies musste so geändert werden, dass der Schriftzug „Zombies“ kleiner ist. Auch dürfen keine TV-Sendungen mehr gezeigt werden, die das Konzept der Zeitreise enthielten. Zumindest Zeitreisen, denen es an „positiven Gedanken und Bedeutungen“ mangele.

Den Android Market in diesem Klima des voraueilenden Gehorsams zu überwachen, wäre unwirtschaftlich für die Mobilfunkanbieter, für Google sowieso. Deshalb hat etwa Tencent einen eigenen Android-Appstore an den Start gebracht, in ganz China gibt aber dutzende weiterer Android-Appstores – acht davon werden etwa in einem Artikel auf penn-olson.com vorgestellt. Dass dies der Fragmentierung von Android weiter Vorschub leistet und ein international einheitliches Bild von dem, was Android ausmacht, erschwert.

Google versucht derzeit trotzdem, mit dem Launch neuer Dienste und neuen Angestellten wieder verstärkt in China Fuß zu fassen, berichtet das Wall Street Journal. Die offizielle Haltung von Google, Chinas Staatszensur betreffend, bleibt jedoch wie seit März 2011 ablehnend. Suchanfragen aus China werden immer noch an Google Hongkong weitergeleitet.

Sofern sich an dieser Misere nichts ändert, also entweder Google einknickt und den Apps im Market vor Veröffentlichungen überprüft (unwahrscheinlich) oder China seine strengen Erwartungen an Konsumgüter hinsichtlich moralischer Kompatibilität lockert (sehr unwahrscheinlich), wird das chinesische Volk weiterhin ohne Android Market leben müssen. Damit bleibt auch App-Entwicklern hierzulande ein riesiger Markt verschlossen.

Inside Mobile Apps

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