WhatsApp: IS-Anschläge auf Schulen in Europa geplant - Was ist dran?

Selim Baykara 1

Auf WhatsApp wird derzeit eine Warnung verbreitet, in der es heißt, dass die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS bzw. ISIS) demnächst Anschläge auf Europäische Schulen verüben werde - auch die Tagesschau habe angeblich schon darüber berichtet. Gefälschte Nachrichten und Hoaxes sind in den sozialen Medien bekanntlich an der Tagesordnung. Handelt es sich hierbei um einen solchen Fall - oder steckt mehr dahinter?

 

Das steckt hinter Hoaxes, Fakes und Betrug im Internet.

Im Internet kommt alles irgendwann wieder: Bereits Ende 2015 berichteten wir an dieser Stelle über eine WhatsApp-Warnung vor der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). In der Meldung hieß es, dass die Terroristen kurz davor stünden, etliche europäische Schulen ins Visier zu nehmen. Besonders verunsichert wurden die Nutzer von WhatsApp durch die Behauptung, dass auch etablierte Medien über den Vorfall berichtet hätten. Irgendwann legte sich die Aufregung und die Warnung geriet in Vergessenheit - jetzt wird aber wieder genau das Gleiche auf WhatsApp verbreitet.

WhatsApp: Tagesschau warnt vor IS-Anschlag auf Schulen - Stimmt das?

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Nachricht über die angeblichen Terroranschläge auf europäische Schulen ist ein Fake - letztlich handelt es sich einfach um eine aufgewärmte Variante der ursprünglichen Meldung, an der ebenfalls nichts dran war.

Die Nachricht macht im Moment erneut auf WhatsApp die Runde - wer sich noch zurückerinnert, erkennt den gleichen Wortlaut wie damals. Laut Tagesschau plane die Terrorgruppe Islamischer Staat angeblich massive Anschläge auf europäische Schulen. Konkret heißt es:

Tagesschau - IS droht mit massiven Terroranschlägen gegen Europäische Schulen. In den kommenden Tagen werden auch Großteile der Deutschen Schulen geschlossen bleiben. Hier eine Liste der der betroffenen Schulen:

Der eigentliche Trick an der Meldung ist der Link im Anhang, der angeblich zu einer Liste der betroffenen Schulen führte. Wer die Meldung bekommt, ist natürlich neugierig und klickt darauf, um zu sehen, welche Schulen betroffen sind. Natürlich handelt es sich hierbei um keine ernstzunehmende Terror-Warnung, sondern um Clickbait und einen relativ geschmacklosen Scherz.

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Facebook-Hoaxes: Diese 10 Falschmeldungen sind so dumm, dass wir weinen müssen

Dieser Link, der angeblich zu der Liste der betroffenen Schulen führt, ist maskiert und verkürzt, d.h. man kann nicht genau daraus ersehen, wohin die Verlinkung eigentlich führt. Solche getarnten Links sind bei Mails und Botschaften, bei denen man den Urheber nicht kennt, generell immer verdächtig, da sie letztlich zu allen möglichen Seiten führen können, die z.B. auch Spyware, Viren oder Trojaner verbreiten. Bei der angeblichen Terrorwarnung auf WhatsApp ist das zwar nicht der Fall, das Ergebnis ist aber ebenfalls nicht das, was man eigentlich erwartet.

Der Link führt stattdessen zu folgendem Bild:

Fazit: Es handelt sich hierbei um keine ernstzunehmende Terrorwarnung, sondern um einen schlechten Scherz, der mit der derzeit grassierenden (und berechtigten) Angst vor weiteren Anschlägen spielt. In einem anderen Zusammenhang hätte man vielleicht darüber gelacht - in Zeiten in denen der Terror nur zu real ist und die Attentäter ihre Schreckensbotschaften gezielt per Internet verbreiten, bleibt einem das Lachen aber im Hals stecken. Deshalb unsere Empfehlung: Löscht die Nachricht, schickt sie nicht an eure Freunde und Bekannte weiter und verhindert, dass mit solchen Fake-Botschaften noch mehr Verunsicherung als schon vorhanden entsteht.

WhatsApp-Kettenbriefe, Falschmeldungen auf Facebook und Co.

Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp und soziale Netzwerke wie Facebook sind ein äußerst beliebtes (und leider auch geeignetes) Mittel, um solche Kettenbriefe und ähnliche Falschmeldungen zu verbreiten: Das Prinzip funktioniert so ähnlich wie das beliebte Spiel „Stille Post“. Irgendjemand setzt eine Falschmeldung in die Welt und schickt sie an seine Bekannten weiter, die die Nachricht ebenfalls verbreiten. Im Lauf der Zeit entstehen auf diese Weise die wildesten Gerüchte, frei nach dem Motto: „Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der gesagt hat, dass…“.

Facebook Thumbs Down Banner

Kürzlich machte beispielsweise eine Meldung auf Facebook die Runde, dass vergiftete CDs im Briefkasten landen. Beliebt sind auch Kettenbriefe wie die Warnung vor dem Kontakt Ute Lehr. Ebenfalls nicht totzukriegen ist die Behauptung, dass Facebook bald in Deutschland geschlossen wird. In vielen Fällen sind die Nachrichten recht einfach zu durchschauen, manchmal sind die Botschaften aber geschickt getarnt und mit dem Ziel konzipiert, Nutzerdaten auszuspionieren oder ahnungslose Verbraucher in Abofallen zu locken. Lest dazu diesen Artikel: Fake-News auf Facebook, Google und Co. erkennen – darauf müsst ihr achten. Wir zeigen euch außerdem die bekanntesten WhatsApp-Kettenbriefe.

IS-Anschläge mit Atombomben in Europa: Warnung auf Facebook

Manchmal werden auch tatsächlich vorhandene Nachrichten aus dem Zusammenhang gerissen, um gezielt Panikmache zu betreiben. Auf dem Aufmacherbild des folgenden Beitrags auf Facebook konnte man 2016 z.B. eine zugegebenermaßen gruselige Meldung lesen. Auf dem Screenshot war ein schwarz vermummter IS-Kämpfer vor einem Atompilz zu sehen, der im Hintergrund aufsteigt. Darunter befand sich die aufsehenserregende Überschrift: ISIS plant Atomanschlag auf Europa. Im Teaser wurde dann noch erwähnt, dass „britische Sicherheitschefs“ vor chemischen und nuklearen Angriffen warnen würden.

Auch eine Quelle wurde erwähnt, allerdings wurden Informationen unterschlagen. Dem Internet-Portal mimikama zufolge, nahmen die Verfasser vermutlich einen Bericht der englischen Zeitung Telegraph vom April 2016. Dort hieß es: „There is a justified concern“ that Islamist fanatics in Syria and Iraq  are trying to obtain substances of mass destruction such as biological, chemical and radiological weapons.“ Auf Deutsch: Es gibt eine berechtigte Besorgnis, dass Terroristen versuchen könnten, sich  biologische, chemische oder nukleare Massenvernichtungswaffen zu besorgen. Aus dieser theoretischen Möglichkeit machten die Verfasser dann einfach eine tatsächlich existierende Bedrohung.

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Bildquellen: WhatsApp, Facebook

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