WhatsApp-Urteil: Kontakte-Funktion ist in Deutschland illegal

Selim Baykara 22

Macht man sich mit der Nutzung von WhatsApp automatisch strafbar? Im Netz wird derzeit in zahlreichen Artikeln behauptet, dass eine Abmahnung droht, da WhatsApp die Kontaktliste ausliest und Informationen sammelt. Dies verstoße gegen das Recht auf Selbstbestimmung der betreffenden Kontakte. Muss man sich deswegen jetzt wirklich Sorgen machen, dass eine Abmahnwelle droht? Wir klären auf.

WhatsApp Datenschutzeinstellungen.

Wer WhatsApp auf seinem Telefon installiert, gibt dem beliebten Messenger automatisch Zugriff auf sein Telefon – WhatsApp zieht sich die Informationen einfach aus der Kontaktliste und gleicht die Telefonnummer und anderen Daten der Kontakte automatisch ab. Darüber hinaus sehen die WhatsApp-AGB vor, dass die Kontaktdaten an das Unternehmen weitergegeben werden dürfen. Wie ein deutsches Gericht jetzt entschieden hat, verstößt das gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.

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WhatsApp: Abmahnung wegen Weitergabe der Daten?

Konkret befasste sich das Amtsgericht Bad Hersfeld mit der Frage, ob die Weitergabe der Kontaktdaten rechtmäßig sei. Ergebnis: Die Praxis von WhatsApp verstoße gegen geltendes Recht. Mit der automatischen Übermittlung der Daten an das Unternehmen begehe jeder Nutzer von WhatsApp einen Rechtsbruch, da man sich zunächst eine schriftliche Einwilligung der jeweiligen Kontakte einholen müsse. Ohne diese Erlaubnis sei die bisherige „Zwangsvernetzung“ ein klarer Verstoß gegen die informationelle Selbstbestimmung.

Fraglich ist nun, welche Konsequenzen sich aus der Entscheidung des Gerichts ergeben. In dem Fall ging es um eine Mutter und die Kontakte auf dem Smartphone ihres jugendlichen Sohns. Die Frau muss in Zukunft von allen gespeicherten Kontakten eine schriftliche Einverständniserklärung über deren Verwendung im Zusammenhang mit WhatsApp einholen. Viele Nutzer haben sich bislang vermutlich keine großen Gedanken darüber gemacht, dass alle Kontaktdaten im Telefonbuch nach der Installation von WhatsApp automatisch nach Kalifornien übermittelt werden – auch wenn der jeweilige Nutzer das vielleicht gar nicht will. Könnte demnächst also eine Abmahnwelle im großen Stil drohen?

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Mahnungen von WhatsApp-Nutzern theoretisch möglich

Wie der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmeke ausführt, besteht die Möglichkeit zur Abmahnung durchaus. Da jeder Nutzer von WhatsApp die Telefonnummer seines Kontakts an das Unternehmen sendet, verletzte er das Persönlichkeitsrecht, das auch die Geheimhaltung von sensiblen Daten regele. Daher könne man durchaus zur Unterlassung aufgefordert werden. Theoretisch sei sogar denkbar, dass hohe Abmahnkosten oder Schadensersatzansprüche auf die Benutzer zukommen könnten.

In der Praxis seien solche Abmahnungen aber eher unwahrscheinlich, so der Anwalt. Niemand verklage schließlich gerne seine eigenen Freunde oder Bekannten, außerdem riskiere man als WhatsApp-Nutzer dann, selbst auch abgemahnt zu werden. Wer WhatsApp nicht selbst nutze, müsse außerdem gegen jede einzelne Person vorgehen, der man jemals seine Nummer gegeben habe, ohne dass man wisse, ob diese wirklich WhatsApp nutzt oder nicht.

Um sich als WhatsApp-Nutzer vollständig abzusichern, sollte man allerdings die folgenden Schritte befolgen:

  • Von jedem Kontakt eine schriftliche Einverständnis einholen, dass man die Daten weitergeben darf.
  • Auf eine WhatsApp-Alternative wie Threema umsteigen, die keine so umfassende Weitergabe der Daten vorsehen.
  • In diesem Fall müsse man allerdings den gesamten WhatsApp-Account löschen und nicht nur die App deinstallieren.
  • Zudem könne man den Nutzer aus der Adressliste löschen, wenn dieser seine Zustimmung zur Weitergabe der Daten an WhatsApp nicht erteile.

Diese Schritte erscheinen extrem, aber laut der aktuellen Rechtslage könnten sie notwendig sein – zumindest wenn man befürchtet, jemand aus dem eigenen Umfeld könnte Gebrauch von seinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung machen.

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