WhatsApp & Snapchat: Bei Teenagern immer beliebter, Facebook seltener verwendet

Frank Ritter 27

Facebook tut sich immer schwerer bei Menschen unter 20 Jahren, die Teenager von heute wenden sich stattdessen vermehrt Messaging-Diensten wie WhatsApp und Snapchat zu und chatten lieber wieder im Privaten mit Freunden. Grund: Jeder ist mittlerweile bei Facebook – auch die eigenen Eltern.

Jugendliche werden als Gradmesser für das Potenzial neuer Technologien und Webdienste gesehen. Schaut man sich deren Internet-Verhalten in den letzten Monaten an, sollte Facebook sich Sorgen machen. Denn auch wenn die meisten Unter-20-jährigen ihre Facebook-Konten behalten, so nutzen sie diese doch immer weniger. Kern des Problems ist dabei ironischerweise eines der erklärten Ziele von Facebook: Nämlich ein Netzwerk für jedermann zu sein. So hat der Dienst mittlerweile 1,2 Milliarden Nutzer – unter ihnen selbstverständlich auch jede Menge Eltern von Teenagern, die ebenso selbstverständlich die Facebook-Nutzung ihrer Schützlinge beäugen. Soll heißen: Wer sicher sein will, dass seine Party- oder Nacktfotos sicher vor Mutti sind, durchblickt entweder die Privatsphäre-Einstellungen von Facebook (was bekanntermaßen nahezu unmöglich ist) oder kommuniziert künftig eben auf einer anderen Plattform.

Und so berichtet der Guardian unter Berufung auf Facebooks eigenen Earnings Call in diesem Monat, dass sich Jugendliche tatsächlich immer mehr aus dem öffentlicheren Netzwerk Facebook zurückziehen, um sich privateren Messenger-Apps zuzuwenden und darüber mit ihrer Peergroup zu kommunizieren. WhatsApp ist dabei der wichtigste Protagonist weltweit und akkumuliert mittlerweile rund 350 Millionen Nutzer. Wiewohl es bei der Beliebtheit von Messengern Ländergrenzen gibt: So sind in Japan Line, in Korea KakaoTalk die vorherrschenden Messenger-App, während in Deutschland, Spanien, Brasilien und Italien WhatsApp auf je über 90 Prozent der Smartphones installiert ist.

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Ein weiterer Trend geht hin zu Snapchat – einer App, mit der man Fotos versenden kann, die sich nach vom Sender einstellbarer Zeit von selbst löschen. Unter Teenagern sei diese unter anderem für das so genannte Sexting beliebt. Hierbei versendet der oder die Jugendliche pikante Selbstporträts und muss sich aufgrund der technischen Eigenschaften von Snapchat weniger Sorgen machen, dass die Bilder in falsche Hände gelangen könnten. Aber auch für „normale“ Kommunikation wird Snapchat immer beliebter, etwa die sogenannten „Selfies“, also Selbstporträts mit dem Smartphone in der Hand. Mögen Selfies für ältere Generationen ein Kuriosum sein, hat eine Studie ergeben, dass rund die Hälfte der mit Smartphones geschossenen Bilder in der Gruppe der 14- bis 21-jährigen in Großbritannien ebenjene Selbstporträts sind.

Schließlich übernehmen WhatsApp und Co. auch zunehmend die Funktionen von sozialen Netzwerken. Manche Messenger wie WeChat haben bereits Nutzer-Profilseiten. Zudem gibt es vermehrt Zusatzprogramme, die über Schnittstellen in Messenger wie Tango, KakaoTalk und Kik integriert werden und um zusätzliche Funktionalität erweitern. Neben kostenpflichtigen Smilie-Paketen (Sticker) sind das auch Spiele oder gar die Möglichkeit, Musikstücke per Anbindung an Spotify zu verschicken. WhatsApp hält sich hingegen ein wenig zurück. Zwar gibt es seit neuestem die Möglichkeit, Medien komfortabler und besser eingebunden zu verschicken, WhatsApp hat jedoch keine Pläne, Spiele zu integrieren und will das bleiben, wofür es geschätzt wird: ein Kommunikationstool.

Bei all den jungen und wilden Messenger-Konkurrenten hat freilich auch Facebook noch ein Wörtchen mitzureden: Der eigene Messenger, der sowohl in der Standard-App enthalten ist als auch als eigenständige App im Play Store vorliegt, wird Schritt für Schritt erweitert, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. So ist der Facebook Messenger mittlerweile auch ohne FB-Benutzeraccount verwendbar, man kann damit komfortabel Nachrichten, Smilies und Sticker verschicken und schließlich hat Facebook neben der enormen Nutzerbasis auch noch die Plattformunabhängigkeit, an der es beispielsweise WhatsApp mangelt. So kann man während eines Facebook-Chats problemlos zwischen iOS- und Android-Geräten, PCs oder Macs wechseln – ein WhatsApp-Account läuft nummerngebunden stets nur auf einem Gerät.

Nutzt ihr Facebook seltener und greift dafür zum Messenger? Falls ja, worin liegen die Gründe dafür? Erzählt uns davon, wie ihr mobil kommuniziert – in den Kommentaren.

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Quelle: Guardian

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