WhatsApp widersprechen: So geht es nach dem Verbot weiter (Update)

Selim Baykara 8

Nutzer von WhatsApp konnten der angekündigten Verbindung mit Facebook bis Sonntag den 25. 09. 2016 widersprechen: Damit wurde verhindert, dass Account-Informationen und Telefonnummer von WhatsApp für Werbezwecke an Facebook weitergegeben wurde. Inzwischen ist diese Frist zwar abgelaufen - allerdings darf WhatsApp nach einem Verbot des Hamburger Datenschutzbeauftragten die Nutzerdaten nicht weitergeben. Dagegen hat Facebook wiederum Widerspruch eingelegt. Wir klären auf, was das für euch bedeutet und wie es weitergeht.

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Drei WhatsApp-Tricks, die ihr unbedingt kennen solltet.

WhatsApp teilt seit August 2016 noch stärker Informationen mit Facebook. Mit den kürzlich verabschiedeten Nutzerbedingungen will der beliebte Messenger-Dienst WhatsApp ab sofort die Telefonnummer an Facebook weitergeben. Damit setzt sich die Verzahnung der beiden Dienste fort, die bereits Anfang des Jahres startete. In einem FAQ erklärt WhatsApp die neuen Nutzerbedingungen, allerdings ist auch damit nicht vollständig geklärt, welche Daten jetzt genau weitergegeben werden. Man werde einige deiner Account-Informationen weitergeben, heißt es in dem entsprechenden Beitrag relativ vage. Ziel der Maßnahme ist offenbar, Werbung auf Facebook noch stärker zu personalisieren und auf die jeweiligen Benutzer abzustimmen.

Allerdings haben WhatsApp und Facebook die Rechnung ohne die deutsche Politik gemacht. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar untersagte Facebook am Dienstag dem 27.09. 2016 Daten von WhatsApp-Nutzern zu erheben und diese Daten weiterzuverwenden. Bereits weitergegebene Daten müssten zudem gelöscht werden. Wir erklären, was das für euch bedeutet und wie es weitergeht.

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WhatsApp: Widerspruch von Facebook gegen die Datenschützer

Wie bereits erwartet hat Facebook Einspruch gegen die Entscheidung des Datenschutzbeauftragten eingelegt. Bislang hält sich das Unternehmen aber an das Verbot der Datenschützer: Wie Facebook am 9.11. 2016 mitteilte, werde man die Weitergabe der Daten vorläufig aussetzen. Damit gebe man den Behördenvertretern Zeit ihre Bedenken vorzubringen, außerdem wolle Facebook seine Position abwägen. Letztlich will man aber auch weiterhin erreichen, dass die Daten weitergegeben werden - und genau das will Datenschützer Caspar verhindern. Sein Standpunkt: Nutzer müssten selbst entscheiden dürfen ,was weitergegeben wird und was nicht.

In dem kommenden Streit wird es vor allem um die Frage gehen, ob der Hamburger Datenschutzbeauftragte überhaupt zuständig ist. Caspar bejaht dies, immerhin verarbeite Facebook Daten in der Hamburger Niederlassung, weil dort das deutschsprachige Werbegeschäft des Unternehmens betrieben wird. Daher sei auch das nationale Datenschutzrecht anwendbar. Facebook widerspricht und argumentiert, dass das europäisches Geschäft von Irland aus betrieben werde. Deshalb seien auch die dortigen Datenschützer und nicht deutsche Behörden zuständig.

WhatsApp Artikelbild

EU will Datenaustausch von WhatsApp und Facebook verhindern

Inzwischen hat sich auch die Europäische Union in den Rechtsstreit eingeschaltet: Auch die Datenschützer der EU wollen verhindern, dass WhatsApp und Facebook ungehindert Nutzerdaten teilen. In ihrer jetzigen Form müsse diese Praxis eingestellt werden, so die Experten. Bemängelt wird vor allem - ähnlich wie beim Hamburger Datenschützr Caspar - dass WhatsApp Daten weitergebe, obwohl dies nicht in den ursprünglichen Nutzerbedingungen vereinbart gewesen sei.

Die Experten zeigten sich „tief besorgt“ über das Verhalten von WhatsApp, berichtete Bloomberg. WhatsApp selbst gab sich zuversichtlich: „Wir hatten bereits vor unserem Update konstruktive Gespräche und respektieren weiterhin die bestehenden Gesetze“, so ein Sprecher des Unternehmens. Falls es tatsächlich zu einem Verfahren kommt, könnte dies für Facebook und WhatsApp im Falle einer Verurteilung teuer werden: 2018 treten EU-weit neue Regeln in Kraft nach denen Unternehmen Strafen in Höhe von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes bezahlen müssen.

Facebook Banner

Wie die Entscheidung ausgeht, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Immerhin können deutsche Nutzer aber beruhigt sein: Während das Verfahren läuft werden keine Daten von WhatsApp an Facebook weitergegeben. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden. Lest im Folgenden, was das Verbot eigentlich konkret bedeutet.

WhatsApp: Facebook darf Daten nicht sammeln: Was bedeutet das?

In Brasilien wurde WhatsApp bereits mehrere Male gesperrt, um den Dienst zur Herausgabe von Chat-Protokollen zu zwingen. Das wird in Deutschland nach der Entscheidung des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar wohl nicht geschehen - dennoch könnte die Entscheidung weitreichende Folgen haben. Caspar untersagte dem amerikanischen Unternehmen WhatsApp und dessen Mutterkonzern Facebook mit sofortiger Wirkung Nutzerdaten zu sammeln und diese weiterzuverwenden.

Der Datenschutzbeauftragte sieht in der umstrittenen Praxis einen Verstoß gegen das nationale Datenschutzrecht . Nutzer von WhatsApp müssten selbst entscheiden können, ob sie eine Verbindung ihres Kontos mit Facebook wünschen. Dazu muss Facebook sie vorab um Erlaubnis fragen , so Caspar. Dies sei aber nicht geschehen, weswegen jetzt das Verbot des Gesetzgebers erfolgt sei. Für viele Nutzer natürlich am interessantesten: Wie geht es jetzt weiter? Müssen sich Facebook und WhatsApp an die Anordnung halten? Was passiert, wenn sie das nicht tun? Und wie geht es weiter? Bei uns findet ihr die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Verbot.

Muss sich Facebook an die Anordnung halten?

Ja. Facebook muss sich als Unternehmen rechtskonform verhalten. Zudem darf man auch davon ausgehen, dass die Firma ein eigenes Interesse daran die Gesetze zu achten hat und das Verbot daher ernst nimmt.

Wie kann Facebook gegen das Verbot vorgehen?

Facebook kann einen Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen - dieser hat allerdings keine aufschiebende Wirkung. Das Verbot gilt also fürs Erste. Zudem könnte Facebook beim Verwaltungsgericht einen „Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruches“ stellen. Auf Deutsch: Facebook kann beantragen, dass das Verbot zunächst ausgesetzt wird. Darüber muss dann das Gericht entscheiden.

Wen betrifft die Entscheidung?

Die Anordnung des Datenschutzbeauftragten betrifft alle deutschen Nutzer von WhatsApp.

Was passiert, wenn WhatsApp und Facebook gegen die Anordnung verstoßen?

Im Fall einer Zuwiederhandlung kann der Datenschutzbeauftragt sogenannte Zwangsmittel anwenden. Diese richten sich nach dem Verwaltungsvollstreckungsrecht, denkbar sind z.B. Zwangsgelder.

Kann Facebook jetzt noch schnell nachträglich eine Einwilligung der WhatsApp-Nutzer einholen?

Nein. Die Übermittlung der Daten gilt nach derzeitigem Stand als rechtswidrig. Eine nachträgliche Einwilligung kann einen Verstoß gegen das Gesetz nicht rückgängig machen. Die Einwilligung hätte vor der Verarbeitung der Daten vorliegen müssen.

Wenn Facebook sich bereit erklärt, die Daten zu löschen: Wie lässt sich das nachweisen?

Der Datenschutzbeauftragte hat Facebook eigenen Angaben zufolge dazu aufgefordert, eine gegebenenfalls erforderliche Löschung der Daten umfassend zu dokumentieren. Die Behörde hat in der Vergangenheit bereits Erfahrungen in vergleichbaren Fällen gesammelt.

Warum ist eigentlich der Datenschutzbeauftrage aus Hamburg so häufig für digitale Themen zuständig?

Der Grund dafür liegt einfach darin, dass Unternehmen wie Google und Facebook ihren Deutschlandsitz in Hamburg haben. Daher besteht eine Nähe zur Politik, die an anderen Orten in Deutschland so nicht existiert.

Was meint ihr, wie es jetzt weitergeht? Sind die Vorfälle der letzten Zeit ein Grund für euch, WhatsApp und Facebook den Rücken zu kehren? Wir sind auf eure Meinung in den Kommentaren gespannt.

Im Folgenden der ursprünglicher Artikel und die alte Anleitung, wie man der Weitergabe der WhatsApp-Daten an Facebook widersprechen kann.

WhatsApp Logo

WhatsApp: Facebook Einstellungen widersprechen - Frist endet

Update vom 23.09. 2016

Wenn ihr der Weitergabe eurer persönlichen Daten von WhatsApp zu Werbezwecken an Facebook widersprechen wollt, solltet ihr euch beeilen: Die Frist, in der ihr Einspruch einlegen könnt, endet am Sonntag, den 25.09. 2016. Weiter unten im Artikel beschreiben wir, wie ihr dazu vorgehen müsst - nach dem Sonntag ist die Weitergabe allerdings endgültig und kann danach nicht mehr rückgängig gemacht werden.

An dieser Stelle nochmal der Hinweis: Mit dem Widerspruch verhindert ihr nicht, dass WhatsApp die Telefonnummer und euer persönliches Nutzungsverhalten des Messengers an Facebook weiterleitet. Ihr verhindert damit nur, dass diese Daten anschließend zu Werbezwecken verwendet werden, z.B. um personalisierte Werbung zu bestimmten Uhrzeiten auf Facebook zu schalten. So weit zumindest die Theorie - inwieweit Facebook die erhobenen Daten anschließend verwendet oder nicht, lässt sich als Nutzer natürlich sehr schlecht nachvollziehen. Die Beteuerungen von WhatsApp und Facebook haben daher auch einen etwas faden Beigeschmack.

Wenn ihr der engen Verzahnung der beiden Dienste endgültig ein Ende machen wollt, müsst ihr WhatsApp von Facebook trennen. Alternativ könnt ihr natürlich auch WhatsApp löschen und euch nach Alternativen auf die Suche machen.

WhatsApp: Weitergabe der Telefonnummer in Facebook widersprechen - so geht’s

Klar ist aber, dass sowohl die Telefonnummer und die Zeit, zu der man sich zuletzt in WhatsApp eingeloggt hat, mit Facebook geteilt werden. Was dabei ein wenig untergeht: Ihr könnt der Verbindung von WhatsApp mit Facebook für Werbezwecke widersprechen. Die Daten von WhatsApp sind zwar nicht öffentlich auf Facebook sichtbar, falls ihr aber trotzdem nicht wollt, dass Daten weitergegeben werden, könnt ihr den neuen Nutzerbedingungen widersprechen. Die entsprechende Option ist allerdings gut versteckt und nicht auf den ersten Blick zu finden:

So funktioniert das Ganze:

  1. Nutzer von WhatsApp erhalten in den nächsten Tagen die neuen Nutzerbedingungen in einem Fenster, in dem kurz erläutert wird, was sich ändert.
  2. Scrollt bis ganz nach unten bis ihr den großen Zustimmen-Button seht, tippt aber nicht darauf.
  3. Unter dem Button findet ihr ein Feld mit kleingedrucktem Text: Lies mehr über die wesentlichen Updates unserer Nutzerbedingungen - tippt einmal darauf.
  4. Jetzt seht ihr ein Auswahlkästchen auf dem Bildschirm - entfernt das grüne Häkchen auf der rechten Seite des Kästchens.
  5. Anschließend tippt ihr auf Zustimmen.

Damit habt ihr den neuen Nutzerbedingungen widersprochen und die Account-Informationen von WhatsApp werden nach Unternehmensangaben nicht für Werbezwecke auf Facebook benutzt. Falls ihr bereits auf Zustimmen getippt habt, könnt ihr das aber ebenfalls rückgängig machen. Im nächsten Abschnitt lest ihr, was man dabei beachten muss.

Hinweis: Auch wenn ihr der Verbindung von WhatsApp und Facebook widersprecht, wird die Telefonnummer weiterhin ermittelt und auch an Facebook weitergegeben. Ihr könnt also nur Einspruch einlegen, dass die so ermittelten Daten benutzt werden, um euch mit maßgeschneiderter Facebook-Werbung zu versorgen. Eine grundsätzlichen Verbindung von WhatsApp und Facebook lässt sich auf diese Weise also nicht verhindern.

WhatsApp: Nutzerbedingungen bereits zugestimmt - Rückgängig machen und trotzdem widersprechen

WhatsApp bietet euch die Option den Nutzerbedingungen zu widersprechen, auch wenn ihr bereits auf Zustimmen getippt habt. Allerdings habt ihr dafür nur 30 Tage Zeit - danach verfällt die entsprechende Option. So geht’s:

  1. Öffnet WhatsApp und geht in die Einstellungen der App.
  2. Navigiert hier zum Bereich Account.
  3. Hier findet ihr den Unterpunkt Meine Account-Info teilen - entfernt das grüne Häkchen, um den neuen Nutzerbedingungen zu widersprechen.

Um diese Möglichkeit zu nutzen, habt ihr wie gesagt nur 30 Tage Zeit. Falls euch die neue Regelung nicht zusagt, solltet ihr also am besten so schnell wie möglich die entsprechenden Einstellungen vornehmen.

 

Weitere Informationen zu dem Vorgang findet ihr im offiziellen FAQ von WhatsApp. Lest bei uns außerdem auch, welche weiteren Risiken bei der Nutzung von WhatsApp entstehen können.

Bildquellen: WhatsApp, Andrey_Popov

Wie WhatsApp-süchtig bist du? (Quiz)

An WhatsApp kommt kaum noch jemand vorbei. Zeige uns, ob WhatsApp bei dir zum "täglich Brot" gehört und du ohne den Messenger nicht mehr leben kannst, oder ob WhatsApp dir eigentlich völlig wumpe ist.

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