Anordnung gegen Whatsapp: FBI geht auch gegen Messaging-Verschlüsselung vor

Florian Matthey 3

Das FBI meint, dass es sich im Streit mit Apple nur um Einzelfall handelt, der keine Signalwirkung hat. Dahinter steckt aber ein Vorgehen gegen Verschlüsselung im Allgemeinen – auch gegen Messaging-Dienste wie Whatsapp, wie ein neues Beispiel zeigt.

Anordnung gegen Whatsapp: FBI geht auch gegen Messaging-Verschlüsselung vor
Bildquelle: Security concept: Red Shield With Keyhole on digital background, 3d render | shutterstock.

Das FBI verlangt von Apple, das iOS des beschlagnahmten iPhone des San-Bernardino-Terroristen Syed Rizwan Farook zu modifizieren, um den Behörden einen Zugriff auf die Daten zu erlauben. Apple warnt wiederum davor, dass dies einen gefährlichen Präzedenzfall setzen könnte – einerseits müsste Apple dann auch iPhones zahlreicher anderer Beschuldigter entsprechend modifizieren, andererseits könnten die Behörden dann versuchen, auch an andere Daten zu kommen. Apples Senior Vice President Eddy Cue warnt beispielsweise davor, dass die Behörden eines Tages Zugriff auf die Kameras und das Mikrofon eines iPhone bekommen wollen könnten, um Personen zu überwachen.

So weit geht ein weiteres aktuelles Beispiel (noch?) nicht. Es zeigt aber, dass das FBI mit Verschlüsselung im Allgemeinen ein Problem hat: Das FBI hat eine gerichtliche Anordnung gegen Whatsapp erzielt, die dem Unternehmen auferlegt, in einem Fall den Behörden Zugriff auf verschlüsselte Kommunikation zu geben. Das Kuriose ist: Dem FBI dürfte klar sein, dass Whatsapp selbst gar nicht die Möglichkeit dazu hat, da es über keinen digitalen „Generalschlüssel“ verfügt.

Der Anwalt Nate Cardozo der Electronic Frontier Foundation erklärte gegenüber Wired, dass es sich hier um den ersten, aber mit Sicherheit nicht letzten Fall einer solchen Anordnung handelt. Er habe in den letzten 18 Monaten mit mehreren Unternehmen wie Whatsapp unterhalten und erfahren, dass sie alle vom FBI kontaktiert worden seien – die Behörden hätten davor gewarnt, dass eine Verschlüsselung ohne „Generalschlüssel“ dazu führen könnte, dass ihre Apps letztendlich Pädophilen, Kriminellen und Terroristen helfen könnten.

In der Regel hätten die Behörden das Ganze mit einer Drohung verbunden: Wenn die Entwickler nicht kooperierten und das System modifizierten, müssten sie damit leben, dass das FBI in konkreten Fällen öffentlich erklärt, dass ein bestimmtes Unternehmen die Ermittlungen behindert hätte. Dass das FBI jetzt dazu übergeht, Anordnungen vor Gericht zu erwirken – von denen das Unternehmen weiß, dass die App-Entwickler ihnen gar nicht nachkommen können – sei ein weiterer Schritt, um den Druck zu erhöhen.

Messaging-Verschlüsselung ist Behörden auf der ganzen Welt schon länger ein Dorn im Auge. Der britische Premierminister David Cameron erklärte vor einem Jahr, dass seine Regierung Unternehmen verschlüsselte Kommunikation ohne Zugriffsmöglichkeit für Ermittlungsbehörden verbieten wolle. Noch gibt es in Großbritannien aber kein entsprechendes Gesetz.

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