Der Name Amazon Liquidation bezeichnet eine Form von Auktion, bei der Rückläufer, Überproduktionen oder beschädigte Artikel palettenweise versteigert werden. Unter dem Licht eines drohenden Verbots der Rückläufervernichtung sicher eine gute Idee, aber wie funktioniert das eigentlich und wer darf dort kaufen und verkaufen? Die GIGA-Redaktion klärt auf.

 

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Amazon bietet seine „Amazon Liquidation Auctions“ auf der weltweit bekannten Spezial-Plattform B-Stock an. Das englischsprachige Angebot richtet sich ausschließlich an „qualifizierte Geschäftskunden“ innerhalb der EU  – es darf also nicht jeder mitbieten. Wie es funktioniert und was es zu beachten gilt, erklären wir euch hier.

Zu Amazon Liquidation bei B-Stock

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Was wird bei Amazon Liquidation Auctions versteigert?

Bei den Auktionen im Rahmen von Amazon Liquidation werden alle Arten von Waren verkauft, die auch bei Amazon verschickt werden. Es handelt sich dabei nicht nur um Auktionen, die von Amazon selbst veranstaltet werden, sondern auch um Versteigerungen im Auftrag von Amazon-Kunden. Wenn also ein Händler etwa darauf gesetzt hat, im Sommer 5.000 Marken-Sonnenbrillen zu verkaufen, dann können schon einmal 800 davon übrig bleiben. Die werden dann im Rahmen von Überbeständen (Overstock) auf den Markt gebracht.

Eine andere Art von Auktionen widmet sich den Rückläufen. Es werden also nicht, wie gern behauptet, alle zu Amazon zurückgesendeten Waren vernichtet, sondern teilweise in großen Mengen versteigert. Diese Rückläufe (Customer Returns) werden in der Regel gemischt angeboten, sind meist neuwertig, aber geöffnet und teilweise auch defekt.

In beiden Fällen kann man ein Schnäppchen machen oder reinfallen. Die Beschreibungen versuchen, dem Interessenten möglichst viele Informationen zu geben und Fotos können auch bei der Entscheidung helfen. Aber am Schluss ist so eine Auktion immer ein Risiko.

Artikel aus folgenden Kategorien werden bei Amazon Liquidation angeboten: Bücher, Filme, Musik und Spiele, Elektronik und Computer, Garten, Heimwerkerbedarf, Spielzeug, Kleidung und Schuhe, Schmuck sowie Sportgeräte, Gesundheitspflegeartikel und einiges mehr.

In der Regel sind die Angebote thematisch zusammengestellt, also zum Beispiel Bier, Wein und Spirituosen, lauter Sachen für den Garten oder Haushalt, Bücher, Bodenpflege- und Küchenartikel.

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So funktioniert Amazon Liquidation

Nur zugelassene Geschäftskunden dürfen an den Versteigerungen teilnehmen. Das hat unter anderem damit zu tun, dass es für solche Käufe unterschiedliche Rechtslagen bei Privatleuten und Geschäftskunden gibt, was z.B. die Garantien und Reklamationen angeht. Ein Geschäftskunde muss eine Floskel wie „Gekauft, wie gesehen“ viel eher akzeptieren, als ein privater Käufer.

Anmeldung: Um sich als Geschäftskunde zu qualifizieren und bei den Auktionen zu Amazon Liquidation mitbieten zu dürfen, reicht die Nennung einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (VAT). Ist die nicht vorhanden, muss man einen anders gearteten Beweis für seine Geschäftstätigkeit liefern – etwa ausgestellte Rechnungen. Die können per E-Mail an die Adresse cs@bstocksolutions.com gesendet werden.
Sprache: Wichtig zur Teilnahme ist, dass alles auf Englisch abläuft. Wer an diesen Auktionen teilnehmen will, muss die Beschreibungen richtig verstehen können und auch jede weitere Kommunikation in dieser Sprache führen.
Währung: Die Auktionen laufen entweder in Britischen Pfund oder in Euros. Das steht jeweils dabei.
Steuern: Die Auktionspreise werden ohne Umsatzsteuer berechnet. Am Ende einer Auktion bekommt der erfolgreiche Käufer dann eine Rechnung, die zusätzlich noch die Steuern enthält. Das sollte man beim Bieten unbedingt im Hinterkopf behalten.
Zahlungsweise: Als einzige Form der Bezahlung wird die Überweisung akzeptiert. Der Käufer hat zwei Tage Zeit, die Bezahlung einzuleiten. Bei verspäteter Bezahlung kann es passieren, dass der Kauf gecancelt und der Bieter gesperrt wird.
Versand: Der Verkäufer kümmert sich um den Versand – der Käufer muss ihn bezahlen! Bei Rückläufen erfolgt der Versand innerhalb von 7 Tagen auf Paletten (die nicht retourniert werden müssen). Beim Verkauf von Überbeständen kann der Versand auch in mehreren Tranchen erfolgen und 4-6 Wochen dauern.

 

Eine Übersicht der Aktionen ist auf der Startseite der Amazon Liquidation Auctions zu finden. Im uneingeloggten Zustand kann man noch auf das einzelne Angebot klicken und sich ein Bild ansehen, aber das war's in der Regel auch schon.

Der Auktionstitel enthält eine kurze Beschreibung der Ware, die Art der Auktion (Overstock, Customer Returns), die Anzahl der Artikel und den Verkaufswert der Ware. Außerdem steht am Ende des Titels, wo sich die Ware befindet. Also etwa „FR Stock“ für Frankreich, „UK Stock“ für England oder „DE Stock“ für Deutschland. Das hilft dabei, die auf euch zusätzlich zukommenden Transportkosten abzuschätzen.

Wichtig zum Verständnis ist auch, die verwendeten Mengenbeschreibungen zu kennen. Beschreibungen enthalten häufig den Begriff „Truckload“. Damit ist eine volle LKW-Ladung gemeint, die – in Paletten gerechnet – üblicherweise 32 Paletten zählt, in England hingegen nur 23 Paletten.

Darunter findet der Interessent das aktuelle Gebot und sieht dabei auch gleich, in welcher Währung diese Auktion läuft. Immer daran denken: Zu dem Gebotspreis kommt noch die Mehrwertsteuer hinzu.

Nur eingeloggte Mitglieder erhalten die Möglichkeit, eine genaue Beschreibung des Angebots sowie weitere Bilder zu sehen.

Die Käufer sollten am besten Artikel ersteigern, mit denen sie sich auch auskennen. Bei einer Augen-Creme aus Neuseeland nützen die besten Inhaltsstoffe nichts, wenn man sie nicht los wird. Und die angegebenen originalen Verkaufspreise dürften in der Regel so wenig realistisch sein, wie die Angabe eines „OVP“. Vor dem Hintergrund, dass zum Auktionspreis noch Steuern und Transportgebühren hinzukommen, ist äußerste Vorsicht geboten.

Kann Amazon Liquidation die Warenzerstörung verhindern?

Eher nicht! Bei der aktuellen Diskussion um die Vernichtung zurückgesendeter Ware werden Marktmechanismen und Regelungen außer Acht gelassen, die vielen Händlern die Hände binden.

Tatsächlich ist Amazon ja nicht der Verkäufer aller dort angebotenen Waren, sondern eher ein Warenlager und Versanddienstleister für unzählige Privatunternehmer. Die wiederum kaufen bei Herstellern oder Distributoren Waren unter bestimmten Bedingungen und die legen teilweise unter anderem fest, dass reklamierte oder retournierte Ware nicht unter dem Normalpreis verkauft werden darf, um den Markt stabil zu halten.

Dann sitzt der Marketplace-Händler Meier da plötzlich mit einer zurückgeschickten Grafikkarte, für die er bislang schon Lagerkosten und Versand bezahlt hat, die er nun aber weder als neu verkaufen noch billiger abgeben darf. Wenn er sie nicht an Freunde verschenkt (was ihn nochmal Versandgebühren für die Rücksendung aus dem Amazon-Lager kostet), kann er sie am besten schreddern lassen. Schuld an diesem Dilemma hat weder der Händler noch Amazon, sondern der Hersteller und seine Preispolitik.

Trotzdem ist es natürlich gut, wenn solche Waren auf diesem Weg doch noch zu Kunden kommen. Anstatt also nur die Zerstörung von Waren zu verbieten, sollte man erst mal ein Auge auf solch restriktive Preisvorschriften werfen. Denn das Verbot würde nichts daran ändern, dass der Händler auf der Ware sitzen bleibt und sie nicht weiter verkaufen kann. Am Ende würde sie vermutlich doch zerstört – nur eben nicht gleich im Lager.

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