„American Psycho“ beschreibt die Gratwanderung zwischen Wahnsinn und Realität in einer konsum-orientierten Welt. Doch gerade das Ende des blutigen Thrillers lässt einige Fragen offen. Ob die Morde wirklich geschehen oder nur Einbildung sind und wie die finalen Szenen des Film interpretiert werden können, erklären wir euch hier bei GIGA. 

Der im Jahr 2000 veröffentlichte Film basiert auf dem gleichnamigen Buch des Autors Bret Easton Ellis und zeigt seine Sicht der verzerrten Weltanschauung der Yuppies („young urban professionals“) an der Wall Street in den 1980er-Jahren. Der brutale Verlauf des Films hinterlässt den Zuschauer mit vielen Fragen und regt zum Nachdenken an. In diesem Artikel schauen wir uns das Ende des Thrillers noch einmal genauer an. 

Schaut euch hier nochmal den Trailer zu „American Psycho“ an:

Achtung: Spoiler!

„American Psycho“-Ende: Verzerrte Wahrnehmung 

Der Film verfolgt Yuppie-Hauptcharakter Patrick Bateman (Christian Bale) in seinem oberflächlichen und von materiellen Werten geprägten Leben an der Wall Street in den 1980er-Jahren. Er ist besessen von Symbolen der Konsumgesellschaft und seine Prioritäten liegen auf Designer-Anzügen, Nobelrestaurants und der idealen Visitenkarte. Auch wenn er nach außen hin alles zu besitzen scheint, um glücklich zu sein, herrscht eine totale Leere in seinem Inneren. Über den Verlauf des Films versucht Patrick, diese Leere durch eine Vielzahl blutiger Morde zu füllen. Am Ende seiner Mordserie ist aber sowohl er selbst als auch der Zuschauer nicht mehr sicher, ob er all diese Morde nun wirklich begangen oder er sich diese in seinem Wahnsinn nur eingebildet hat. 

Waren die Morde in „American Psycho“ nur Einbildung? 

Patrick Bateman verliert sich über den Film zunehmend in seiner Psychose und es lässt sich vermuten, dass er zusätzlich unter verschiedenen Persönlichkeitsstörungen leidet. Vor allem seine starken narzisstischen Neigungen und eine Borderline-Persönlichkeitsstörung lassen sich häufig erkennen. Seine abnormalen Prioritäten und seine Versessenheit auf Perfektion und kapitalistische Werte zeigen von Anfang an seine verzerrte Perspektive auf die Welt. Bateman braucht die Anerkennung für seine Morde, um die zuvor beschriebene Leere zu füllen, diese bleibt ihm aber fortlaufend verwehrt. Die Menschen um ihn herum sind genau so beschäftigt mit sich selbst und ihrer Jagd nach noch mehr Geld und wirtschaftlichen Erfolg, dass niemand Batemans Geständnisse ernst nimmt. Da zusätzlich auch noch die Beweise für seine Morde verschwinden, stellt sich zum Ende des Films die Frage, ob Patrick Bateman nun wirklich ein Serien-Mörder ist oder sich alles nur in seiner Fantasie abgespielt hat. Nachfolgend listen wir euch einige Aspekte auf, die dafür sprechen könnten, dass Bateman sich alles nur einbildet: 

  • Er beginnt seine Mordserie nachdem ihn ein Geldautomat dazu auffordert, eine Katze an ihn zu verfüttern. 
  • In einer folgenden Schießerei mit der Polizei besitzt er ausgezeichnete Fähigkeiten im Umgang mit seiner Waffe und bringt ein Polizeiauto mit wenigen Kugeln zum Explodieren. Nachdem der Wagen explodiert, schaut Bateman selbst ungläubig auf die Waffe. 
  • Patrick verfolgt sein Opfer mit einer Kettensäge durch den Hausflur, doch niemand scheint etwas gehört zu haben. 
  • Er verstaut die Leichen seiner Opfer in dem Wandschrank seines Kollegen Paul Allen, den er ebenfalls getötet hat. Als er jedoch zurück in die Wohnung kommt, um nach den Leichen zu schauen, sind diese verschwunden
  • Nachdem er seinem Anwalt gegenüber die Morde gesteht, nimmt ihn dieser nicht ernst und versichert Patrick, dass Paul Allen noch lebt. 

Das bedeutet das Finale von „American Psycho“ wirklich 

Regisseurin Mary Harron stellte sich in einem Interview mit Charlie Rose jedoch gegen die Vermutungen, dass die Morde alle eine Einbildung von Bateman seien. Sie habe die Ambiguität des Buches in den Film bringen wollen und stellte fest, dass die Morde ihrer Meinung nach nicht nur in Patrick Batemans Kopf stattfinden. Sowohl die Regisseurin als auch Buchautor Ellis verdeutlichten jedoch, dass die Frage um den mentalen Zustand von Bateman nicht der zentrale Punkt des Werkes sei. Es ginge vielmehr um die Yuppie-Kultur, das Verschmelzen von Identitäten und das Verlangen, aus der oberflächlichen Gesellschaft herauszustechen. Die Verzerrung zwischen Fantasie und Realität wird in den Mittelpunkt gestellt und es wird Kritik an der hedonistischen Lebensweise und Gier der vermeintlichen Eliten geübt. Unter diesen Gesichtspunkten sollten auch die im vorherigen Abschnitt genannten Argumente neu eingeordnet werden: 

  • Patrick Bateman ist durchaus ein Mörder. Er ist jedoch nicht der Mörder, der er zu sein glaubt und es kann nicht mehr ausgemacht werden, was real ist und was Teil seiner Fantasie. 
  • Die Menschen, denen er die Morde gesteht, sind so mit sich selbst beschäftigt, dass sie sich nicht um die Geschehnisse um sich herum kümmern. Es ist auch davon auszugehen, dass die Menschen in dem Wohnhaus die Geräusche der Kettensäge einfach nicht beachtet haben, da sie nur in ihrer eigenen Welt leben. 
  • Die Leichen die Bateman in dem Wandschrank versteckt hat, sind nicht einfach verschwunden. Sie wurden wohl von den Besitzern des Häuserkomplexes entfernt, damit die Wohnung nicht an Wert verliert. Dies lässt sich aus einem Gespräch zwischen Bateman und der Maklerin der Wohnung ableiten und soll auch hier die verkorksten Prioritäten der Gesellschaft aufzeigen. 
  • Da alle Yuppies im Film sich auf die selben Werte versteifen, die selben Designer-Anzüge tragen und zu den selben Friseuren gehen, scheinen sie alle gleich auszusehen. Dadurch kommt es auch im Film immer wieder zu Verwechslungen zwischen den einzelnen Figuren. Die Identitäten verschmelzen und die einzelnen Personen besitzen keine Unterscheidungsmerkmale mehr. Hierdurch wäre es auch möglich, dass Patrick Bateman entweder jemand anderen als Paul Allen ermordet hat oder der Anwalt in London gar nicht mit genau diesem essen war. Das kräftigste Argument für die Einbildungen wird hier also in Frage gestellt.

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„American Psycho“: Interpretation des Endes 

Sowohl der Film als auch das Buch enden mit Ambiguität. Auch wenn nicht sicher festzustellen ist, ob die Geschehnisse Einbildung oder Realität waren, regen sie den Zuschauer dazu an, sich selbst zu hinterfragen. Der Film verdeutlicht wie Menschen in einem Umfeld gefangen sind, in dem sie eigentlich nicht sein möchten, aber sich dennoch gleichermaßen nach Anerkennung durch genau dieses System sehnen. Der Zuschauer soll wie Patrick Bateman vor die Frage gestellt werden, ob er zwischen Fantasie und Realität unterscheiden kann und auf welche Werte er seine Prioritäten legt. 

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