Apple einsichtig: Siris „Lauschangriff“ auf iPhone und Co. vorerst ausgesetzt

Sven Kaulfuss 2

Was auf deinem Telefon passiert, bleibt auf deinem Telefon? Die Versprechungen Apples klangen einst vollmundig, doch nun kämpft der iPhone-Hersteller mit den ersten Flecken auf der weißen Weste. Apple muss jetzt nachbessern, wenn man Zusicherungen an den Datenschutz tatsächlich ernst nimmt – ein Kommentar.

Update vom 02. August 2019: Der Bericht des Guardians und die nachfolgende, weltweite mediale Beachtung haben Apple dazu veranlasst, das besagte Qualitätsprogramm, bei der Siri-Sprachnachrichten von menschlichen Mitarbeitern „abgehört“ werden, vorerst zu stoppen. Apple möchte den bisherigen Prozess zunächst einer entsprechenden Prüfung unterziehen (via TechCrunch). Auch sollen Nutzer zukünftig entscheiden können, ob ihre Siri-Interaktionen entsprechend ausgewertet werden dürfen. Hierfür möchte der iPhone-Hersteller in einem kommenden Software-Update eine Widerspruchslösung integrieren.

Ich finde: Das ist die einzig richtige Entscheidung – Apple „hört“ also nicht nur auf Siri, sondern auch auf das mediale Echo im Interesse der eigenen Kunden. Sehr gut.

Ursprünglicher Kommentar vom 30. Juli 2019:

Apple hört auf iPhone und Co. mit: Sex, Drugs and Rock’n’Roll

Was war passiert? Ende letzter Woche schlug ein Bericht des Guardian mächtig Wellen im Netz. Von Apple engagierte Auftragsarbeiter sollen demnach Ohrenzeuge von höchst privaten Gesprächen sein, die der iOS-Sprachassistentin Siri aufzeichnet und zur Analyse weitergibt. Darunter finden sich den Quellen des Guardians zufolge sogar Gespräche von Drogengeschäften und Geräusche des menschlichen Beischlafs – auch als „Sex“ bekannt. Darauf abgesehen hat man es bei Apple aber nicht, denn alle diese höchst brisanten Aufzeichnungen bekommen die Mitarbeiter nur aus Versehen zu hören. Am ehesten werden derartig Gespräche nämlich noch eher zufällig von der Apple Watch und vom Apples HomePod-Lautsprecher aufgenommen. Allerdings bedenklich: Mitunter lassen sich aufgrund des Gesprächsinhaltes auch Personen und Adressen zuordnen.

Siri versteht auch Spaß … neben deinen privaten Gesprächen:

Lustige Siri-Sprüche.

Und was sagt Apple dazu? Der iPhone-Hersteller schweigt ausnahmsweise mal nicht, beschwichtigt allerdings. Laut Apple würden nur ein Prozent der Siri-Aufzeichnungen von Menschen zwecks Verbesserungen des Sprachassistenten ausgewertet. Auch gäbe es keine Verknüpfung mit entsprechenden Apple IDs oder Kundenkonten. Der lobenswerte Ansatz der Anonymisierung wird in der Praxis allerdings dann zunichte gemacht, wenn der Gesprächsinhalt zu viel verrät.

Erwartungshaltung an Apple: Handelt jetzt!

Apple ist mit diesem Problem übrigens nicht allein, auch von Google und Amazon sind derartige „Mithöraktionen“ schon bekannt. Kleiner aber feiner Unterschied: Von denen erwartet man auch förmlich einen eher laschen Umgang beim Datenschutz, aber von Apple? Da gilt eine andere, strengere Erwartungshaltung. Wie sonst könnten die Kalifornier ihren Beteuerungen sonst gerecht werden?

Vor zwei Jahren standen die GIGA-Leser dem Thema Sprachassistenten noch eher kritisch gegenüber:

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F**k you Siri, Alexa und Co! GIGA-Leser erteilen Sprachassistenten eine Abfuhr

Kritikwürdig ist daher meiner Meinung nach auch weniger der grundlegende Umstand der Datenanalyse von Siri-Gesprächen, sondern der für den Nutzer in Kauf genommene Zwang. Der Kunde kann der Analyse seiner Gespräche nämlich bis jetzt nur dann entkommen, wenn er auf den Einsatz von Siri verzichtet oder aber muss neuerlich umständlich ein spezielles iOS-Profil installieren (siehe hierzu die Anleitung bei 9to5Mac) – beide Ansätze sind am Ende nur ein schlechter Kompromiss.

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Wenn wir Apple beim Wort nehmen, dann muss jetzt nachgebessert werden. Sprich: Möchte Apple meine Siri-Gespräche analysieren, dann möchte ich bitte vorher gefragt werden. Dies kann beispielsweise nach der Installation des nächsten iOS-Updates per Opt-in-Verfahren geschehen. Nur wenn ich der Analyse ausdrücklich zustimme, darf Apple auch mal mithören. Was auf meinem Telefon passiert, bleibt sonst bitte auch auf meinem Telefon – Danke, Apple.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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