Apple Pay mit dem „EiPhone“: Hey Sparkasse, geht’s noch peinlicher?

Sven Kaulfuss

Seit letzter Woche darf auch ich als Sparkassen-Kunde nun endlich mit iPhone und Apple Pay bezahlen – ein Grund zur Freude. Peinlich wird’s dennoch für die Bank in Rot. Warum? Verrate ich euch in der letzten Wochenend-Kolumne des Jahres.

Apple Pay ist für mich persönlich ja „Neuland“, nicht weil ich der Technik des mobilen Bezahlens per se kritisch gegenüberstehe, vielmehr ist der iPhone-Bezahldienst erst vor wenigen Tagen für die Kunden der deutschen Sparkassen an den Start gegangen. Mittlerweile habe ich auch schon meine ersten Einkäufe damit erledigt – ist schnell, sicher und dazu noch komfortabler als die PIN-Eingabe.

Der etwas andere Werbespot der Sparkasse zu Apple Pay:

Apple Pay in der Sparkassen-Werbung.

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Ist es möglich mit Apple Pay zu zahlen, so tue ich dies aktuell auch. Leider wird der Zahlungsdienst im Einzelhandel noch nicht allumfassend unterstützt, so meine momentanen Erlebnisse hier in Belgien. Doch es gibt auch positive Überraschungen, so konnte ich beispielsweise bei der Drogeriekette Kruidvat mein iPhone erfolgreich zücken, obwohl der Shop auf der Apple-Seite noch gar nicht offiziell aufgeführt ist – sehr schön. Bedeutet aber auch: Ab sofort überall ausprobieren und gegebenenfalls nachfragen, ob es denn funktionieren könnte beziehungsweise die Kassierer darauf aufmerksam machen, falls kontaktloses Bezahlen an sich möglich ist – siehe hierzu auch unseren Artikel zum Bezahlen mit ApplePay. Doch zurück zur Sparkasse.

Bei Apple Pay schmückt sich die Sparkasse mit fremden Federn

Deren Attitüde strotzt im Zusammenhang nur so vor Chuzpe. Auf deren Webseiten nimmt Apple Pay nämlich einen entsprechenden Werbeplatz ein. Damit habe ich an sich noch kein Problem, sehen wir Apple-Nutzer unsere „Lieblingsfirma“ doch ganz gerne in der Öffentlichkeit vertreten. Was mir sauer aufstößt ist dagegen die Art der Formulierung, Zitat:

Apple Pay? Ganz normal.
Wir haben mobiles Bezahlen ganz normal gemacht.

Wie bitte? Wer ist den bitteschön „wir“? Die Sparkasse schmückt sich hier mit fremden Federn, denn wenn einer das mobile Zahlen „ganz normal gemacht hat“, dann war und ist dies doch Apple mit einem bankenübergreifenden System wie Apple Pay. Einem Bezahldienst, gegen den sich die Sparkasse zunächst wehrte und den man eigentlich nicht vorhatte zu unterstützen.

Die Wahrheit: Kapitulation, statt Innovation

Stattdessen wollte man zunächst, wie bei Android auch, die eigene, proprietäre Lösung den Kunden aufzwingen. Allerdings weigerte sich Apple, NFC zu diesem Zwecks auf dem iPhone freizugeben. Am Ende musste sich die Sparkasse dem Markterfolg von Apple Pay geschlagen geben und den Standard akzeptieren – mit einem Jahr Verspätung. Da gehört schon jede Menge Unverfrorenheit dazu, diese Borniertheit letztlich als Erfolg zu verkaufen. Glückwunsch, liebe Sparkasse.

Spannend wird jetzt aber die Zukunft, denn Apple wird zukünftig in Deutschland per Gesetzt gezwungen, NFC am iPhone für Entwickler freizugeben. Die Sparkasse bekommt also doch noch ihren Willen. Doch bedeutet dies im Umkehrschluss vielleicht auch, dass Apple Pay bei der Sparkasse wieder verschwindet und das mobile Bezahlen nicht mehr „ganz normal“ ist, sondern wieder kompliziert wird? Hoffen wir mal lieber nicht.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Aber ganz egal, ob man die Weihnachtsgeschenke mit Apple Pay bezahlt hat … ich wünsche allen Lesern schon mal friedvolle Feiertage und einen guten Rutsch. Die nächste Ausgabe der Wochenendkolumne lest ihr dann im Jahr 2020.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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