Apple Pay und Google Pay immer beliebter: Ist digital wirklich (immer) besser?

Sven Kaulfuss 9

Kontaktlose Zahlarten gewinnen immer mehr an Bedeutung, nicht zuletzt Bezahldienste wie Apple Pay und Google Pay werden auf iPhone und Co. immer beliebter. Die Unterstützung der Banken nimmt zu. Doch ist digital um jeden Preis besser? Ein kleines Gedankenspiel in meiner Wochenend-Kolumne.

Apple Pay und Google Pay immer beliebter: Ist digital wirklich (immer) besser?
Bildquelle: GIGA (Sven Kaulfuss).

Die jüngste Studie aus dem Hause Oliver Wyman zeigt auf, dass die Bedeutung des Bargeldes in Deutschland abnimmt. Noch vor zwei Jahren zahlten erst 15 Prozent der Befragten schon mal kontaktlos, Anfang 2019 waren es dagegen schon 47 Prozent. Allem voran Girocards mit der Funktion setzen sich durch. Befinden sich jetzt davon 55 Millionen hierzulande im Umlauf, so sollen es Ende des Jahres schon 70 Millionen sein, die das kontaktlose Bezahlen unterstützen – beeindruckend. Die Zahlen von Google Play und Apple Pay klingen da zunächst etwas bescheidener. Mit dem Google-Dienst zahlten immerhin schon 5 Prozent der Befragten, bei der Alternative für Apple-Nutzer sind es vier Prozent. Betrachtet man aber die kurze Zeit des Marktauftrittes beider Lösungen, so kann man schon von einer vorangeschrittenen Marktdurchdringung sprechen.

Google Pay, Apple Pay – gezahlt wird stets kontaktlos mit dem Smartphone:

Wie bezahle ich mit Google Pay in Geschäften?

Zwar werden noch immer drei Viertel aller Geschäfte im Handel mit Bargeld beglichen, allerdings droht früher oder später der „Cash-Exitus“. Hatten die Hamburger Jungs von Tocotronic also schon vor über 20 Jahren recht, als sie titelten: Digital ist besser?

Im Zuge von Apple Pay und Google Pay: Recht auf anonyme Zahlungen

Nicht unbedingt und wirklich immer, wenn man mich fragt. Sicherlich, Apple Pay und Co. sind bequem, nerven nicht (Wechselgeld adé) und sind sogar sicherer als klassische Kreditkarten, weil die Daten der selbigen besser geschützt sind. Allerdings hat Bargeld auch seine Vorteile, mal davon abgesehen, dass es noch immer das einzige, offizielle Zahlungsmittel in Deutschland ist.

Bezahlen darf man mit Apple Pay natürlich auch im schönsten Apple Store der Welt:

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Schönster Apple Store der Welt: Der neue Tempel des iPhones.

Jeder hat meiner Meinung nach das Recht darauf, Zahlungen auch ohne digitale Aufzeichnung leisten zu können. Eine umfassende, mögliche Kontrolle gilt es abzulehnen. Und man höre mir auf mit Schwarzgeld. Na klar gibt es das, aber das ist halt der Preis für unsere Zahlungsfreiheit – Punkt. Wenn ich eine aufblasbare Sexpuppe im Erotikshop – weit weg von zu Hause – kaufen möchte, dann möchte ich dies vielleicht gänzlich anonym machen, ohne jedweden digitalen Fußabdruck, möge er auch verschlüsselt sein. Mag verklemmt klingen, jedoch das Recht darauf sollte jeder besitzen dürfen.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Denkt denn niemand an die Kinder?

Und was ist mit den Kindern? Erinnert euch doch mal, wie habt ihr eure Einstellung, den Umgang und die Wertschätzung des Geldes erlernt? Mit Papis Kreditkarte oder doch handfest mit Taschengeld und Sparschwein? Mit Apple Pay und Co. ist diese wertvolle Lernerfahrung unserer Kinder und Kindeskinder nicht mehr möglich. Am Ende hat das Geld zwar auch nur den Wert, den wir ihm beimessen, aber erst die haptische Komponente sorgt auch in Zukunft für ein besseres Verständnis der Materie.

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Was ich eigentlich sagen will: Eine Koexistenz beider Systeme sollte möglich und – viel wichtiger – auch in Zukunft staatlich garantiert sein. Bargeld oder digitale Brieftasche? Beides bitte zusammen, eng umschlungen in meiner Hosentasche.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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