Apples Mac Pro begeht Fahnenflucht: Geld vor Ehre? (Kommentar)

Sven Kaulfuss 2

Apples neuer, sauteurer Mac Pro wird nicht mehr wie sein Vorgänger in den USA produziert. Stattdessen erhält „Wirtschaftsfeind“ China den Zuschlag. Das wirft die Frage auf: Ist Apple wirklich so raffgierig und schert sich einen Dreck ums frühere Geschwätz?

Was war man bei Apple stolz, als man vor sechs Jahren verkünden durfte: Ja, der Mac Pro wird bei uns Zuhause in den USA produziert. Nach langer Abstinenz gab es mal wieder ein Apple-Produkt direkt aus dem Heimatland. Schon wurde spekuliert, Apple könnte auch iPhone und Co. demnächst im Land der unendlichen Möglichkeiten zusammenbauen. Nicht zuletzt US-Präsident Donald Trump würde dies gerne sehen. Mit der jüngsten Entscheidung allerdings zeigt Apple diesem Wunschdenken unübersehbar den Stinkefinger.

Damit ist es nun vorbei, die Produktion des Mac Pro wandert aus den USA ab:

Mac Pro: Apples Produktion in den USA.

Mac Pro: Apple zieht Produktion aus Texas nach China ab

Wie das Wall Street Journal berichtet, wird der neue Mac Pro des Jahrgangs 2019 nämlich nicht mehr in Texas, sondern demnächst in der Nähe von Shanghai zusammengeschraubt. Apple kann und möchte wohl so Geld sparen, immerhin ist der neue Supercomputer ja „knapp kalkuliert“ und geradezu ein „Schnäppchen“. Ich hoffe, die Leser haben den ironischen Unterton in der Formulierung bemerkt. Tatsächlich wird Apples neuer Mac Pro wohl der teuerste Rechner in der Geschichte des Unternehmens – ein einziges Superlativ. Dann könnte man doch annehmen, eine Produktion in den USA wäre finanziell noch drin. Stattdessen drehen die Erbsenzähler bei Apple den Dollar noch mal um und wollen mehr sparen. Skandalös, oder?

Gründe abseits der Wut

Auf den ersten Blick mag dies so erscheinen. In Wahrheit aber steckt noch mehr dahinter, als die endlose Raffgier eines Milliardenkonzerns. Die Produktion des Mac Pro in den USA war nie ein leichtes Unterfangen. Nicht Geld war das Problem, sondern die Fachkompetenz bei der Assemblierung des Gerätes. Derartiges Know-how existierte schon lange nicht mehr in den USA. Da fehlten doch tatsächlich auch schon mal die richtigen Schrauben und die Produktion geriet so in die Bredouille – peinlich, peinlich. Die damalige Produktionsverlagerung in die USA kann also getrost als PR-Coup bezeichnet werden. Nachhaltige Effekte gab es wohl nicht, auch deshalb zieht Apple jetzt die Reißleine. Mit „Ehre“ hat all das nichts zu tun, aber sehr viel mit Business und Praktikabilität.

Die spannende Geschichte von Apples teuersten Macs:

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Was man auch nicht vergessen darf: Der eigentliche Zusammenbau ist nur ein Bestandteil von vielen in der Wertschöpfungskette bei Apple. Einige der Komponenten des Rechners werden ja auch tatsächlich in den USA produziert. Müssen die aber unbedingt auf Biegen und Brechen auch in den Staaten zusammengeschraubt werden? Ich denke nicht, am Ende würde es dann ja doch wieder nur so ein kurzfristiger PR-Coup ohne Nachhall.

Was mich aber noch beschäftigt: Enthält der exorbitante Preis des Mac Pro eigentlich schon eine etwaige Strafsteuer aus dem weißen Haus für fahnenflüchtige US-Produkte in Form von Apples Risikokalkulation? Zum Verständnis: Die letzte Frage war schon wieder ironischer Natur und erwartet keine ernsthafte Beantwortung.

Hinweis: Die in diesem Kommentar geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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