Besser zocken durch die richtige Musik: Wir haben es ausprobiert

Alexander Gehlsdorf 1

Musik ist aus Spielen nicht wegzudenken, allerdings lässt sich durch die Auswahl der richtigen Musik auch die eigene Performance in Spielen optimieren. Wir haben zwei genau dafür optimierte Playlisten ausprobiert.

Mach bitte das Radio leiser, ich muss mich konzentrieren!“ Dass sich Musik auf unsere Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit auswirken kann, kennen die meisten aus dem eigenen Alltag. Genauso, wie wir Musik als störend empfinden können, kann sie sich jedoch auch positiv auf unsere Leistungsfähigkeit auswirken. Nicht umsonst erfreuen sich Playlists wie lofi hip hop radio - beats to relax/study to auf YouTube seit Jahre großer Beliebtheit.

In Zusammenarbeit mit Amazon Music entstehen daher seit einiger Zeit Playlisten, die derartige Effekte gezielt hervorrufen wollen. Ob Musik die Konzentration steigern oder verringen kann, lässt sich dabei wissenschaftlich herleiten.

„Der entscheidende Faktor ist der Mental Workload, also wieviele Ressourcen unser Gehirn benötigt, um eine Situation zu verarbeiten¹². Den Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsressourcen und Aktivierungslevel kann man sich umgekehrt U-förmig vorstellen³. Mit anderen Worten: Ist unser Aktivierungslevel zu gering haben wir wenig Aufmerksamkeitsressourcen. Diese nehmen mit steigendem Aktivierungslevel zu. Überschreitet unserer Aktivierungslevel jedoch einen Schwellenwert, so dreht sich der Effekt um und unsere Ressourcen nehmen wieder ab. Musik gibt uns die Möglichkeit, unser Aktivierungslevel zu regulieren, so dass sie uns aktiviert ohne uns übermäßig aufzuregen. Gleichzeitig kann Musik jedoch auch einen Teil unserer Aufmerksamkeitsressourcen in Anspruch nehmen und uns ’schlimmstenfalls‘ ablenken.“

Auf dieser Basis wurden zwei Playlisten erzeugt, die euch dabei helfen können, eure Leistungen beim Spielen zu optimieren. Dabei konzentriert sich die Playlist auf ein moderates Aktivierungslevel, um auf diesem Weg möglichst wenig Aufmerksamkeitsressourcen zu beanspruchen. Die Playlist hingegen konzentriert sich auf den unteren Bereich des Aktivierungslevels und somit einen höheren Mental Workload.

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Wir haben beide Playlisten getestet um zu überprüfen, ob wir tatsächlich einen Unterschied beim Spielen feststellen konnten.

Playlist: Game Booster

„Musik, die dich besser und konzentrierter zocken lässt. Im Vordergrund aktivierender Musik stehen starke rhythmische Elemente wie bei dem groove-getriebenen Antisocial von Ed Sheeran und Travis Scott. Aktivierende Musik weist tendenziell eher schnelle Tempi auf und die Artikulation ist oft abgehackt, was in der Musiktheorie mit ’staccato‘ beschrieben ist. Ein Musterbeispiel für diese abgehackte ’staccato‘ Betonung ist der Track Poison Lips von Vitalic. Um die Komplexität zu senken spielt sich die Playlist in einem bekannten harmonischen und melodischen Umfeld ab: Die Harmonieführung ist von großen Teilen der westlichen Bevölkerung ‚gelernt‘ und fordert keine zusätzliche Aufmerksamkeit wie in dem harmonisch und melodisch konventionellen Track Post Malone von Sam Feldt.“

Unser Eindruck: Musik ist wie immer Geschmackssache. Ich muss ehrlich zugeben, dass ein Großteil der Game Booster-Playlist meinen persönlichem Geschmack nicht trifft – auf den Effekt der Playlist wirkt sich dies jedoch nicht negativ aus. Tatsächlich hat es mir sogar dabei geholfen, mich primär auf das Spiel zu konzentrieren und die Playlist lediglich als Hintergrundmusik wahrzunehmen, dabei den steten, treibenden Rhythmus dennoch mit meinem Körper zu verinnerlichen. Zum Test habe ich mit Begleitung der Playlist für einige Stunden die Leitlande in Monster Hunter World: Iceborne gelevelt und merkte bereits nach kurzer Zeit, wie sich ein angenehmer Flow-Zustand ergab. Meine Kombos und Ausweichmanöver fühlten sich immer natürlicher an, sodass sich die Kämpfe nach einiger Zeit beinahe wie von einem Autopiloten gesteuert anfühlten. Für Spiele, in denen schnelle Reaktionszeiten und eingeübte Bewegungsabläufe eine Rolle spielen, hat die Game Booster-Playlist durchaus potential.

Playlist: Game Gravitation

„Musik, die dich ablenkt, anzieht und aus der Bahn wirft. Ein Hauptmerkmal ruhiger Musik sind langsame Tempi. Die Artikulation ist wie in dem Track Needed von Rhye meist fließend, was als ‚legato‘ beschrieben wird. Anders als bei der Game-Booster Playlist enthält diese Playlist auch ungewohnte harmonische und melodische Wendungen. Ein Beispiel ist Portisheads ungewöhnliche Akkord-Kadenz in dem Song The Rip. Auch die Instrumentierung ist experimenteller - wie bei dem Track If The Car Besides You Moves Ahead von James Blake. Dies erzeugt ein zusätzliches Schwierigkeitslevel, da durch ungewohnte Elemente der Mental Workload erhöht wird und uns weniger Aufmerksamkeitsressourcen für das Gaming zur Verfügung stehen.“

Unser Eindruck: Als ablenkend oder gar aus der Bahn werfend habe ich die Playlist nicht empfunden, was abermals an meinen persönlichen Musikgeschmack liegen mag. Unterm Strich habe die Musik als entspannend wahrgenommen, was mir konkret bei Spielen weiterhalf, die Planung und Überlegung erfordern. In diesem Fall habe ich den Ranked Modus von MTG Arena gespielt, also ein Spiel, bei dem es nicht auf sekundenschnelle Eingaben ankommt, sondern ich in Ruhe abwägen und notfalls zwei- drei Züge vorausdenken muss. Durch die Musik wurde die Hektik aus mitunter stressigen Situationen genommen und war eher dazu bereits, fünf Sekunden länger über einen kritischen Zug nachzudenken, als es ohne die richtige Musik der Fall gewesen wäre.

Wenn auch ihr die beiden Playlisten und  ausprobieren wollt, dann findet ihr sie bei Amazon Music. Wir sind gespannt, ob auch ihr unsere Erfahrungen teilen könnt, oder ob die Musik sich auf völlig andere Art und Weise auf eurer Spielverhalten auswirkt. Lasst uns eure Eindrücke gern in den Kommentaren da!

¹Ünal, A. B., de Waard, D., Epstude, K., & Steg, L. (2013). Driving with music: Effects on arousal and performance. Transportation research part F: traffic psychology and behaviour, 21, 52-65.

²Wang, D. Y. D., Jimison, Z., Richard, D., & Chuan, C. H. (2015). Effect of Listening to Music as a Function of Driving Complexity: A Simulator Study on the Differing Effects of Music on Different Driving Tasks. Proceedings of the Eighth International Driving Symposium on Human Factors in Driver Assessment, 254-260.

³Yerkes, R. M., & Dodson, J. D. (1908). The relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formation. Journal of comparative neurology and psychology, 18(5), 459-482.

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