Blasphemous: Niemand kennt das schönste Spiel der gamescom 2019

Marina Hänsel 1

Sie haben gesagt, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Sie haben gesagt, Videospiele seien keine Kunst. Blasphemie! Ich bin unwürdig, werter Leser, unwürdig dir dieses Schönste unter den Spielen vor die Füße zu legen. Und dennoch muss ich es tun, also höre und sprich mir nach, merke dir, was ich sage: Das schönste Spiel der gamescom 2019 heißt Blasphemous.

Blasphemous: Niemand kennt das schönste Spiel der gamescom 2019

Wenn du mich fragst, was Schönheit ist, dann überlege ich einen Moment und fange schließlich doch an, die alte Geschichte zu erzählen: Die Geschichte von einem blauen Gemälde in einer Ausstellung über Moderne Kunst, die ich vor Jahren einmal besuchte. Das Bild war einfach nur blau. Und ich mag Blau nicht einmal, nebenbei gesagt. Es war allerdings ein besonderes Blau. Ich stand also dort, sah es mir an und wollte weitergehen, aber – es ging nicht. Ich konnte nicht weitergehen, denn ich konnte nicht aufhören, es anzusehen. Es war schön. Ich weiß nicht, was Schönheit ist, aber ich weiß, dass ich in meinem Leben vielleicht ein, zwei, drei Dinge gesehen habe, deren Schönheit mich gebannt haben. Das blaue Bild. Irgendetwas, an das ich mich jetzt nicht erinnere. Und Blasphemous.

Ich denke, Blasphemous besitzt eine seltene, inhärente Schönheit und die hat nichts mit den Spielmechaniken, also dem Gameplay, dem Soundtrack, der Story und so weiter, zu tun. Gut aber, dass auch diese weniger interessanten Dinge an Blasphemous womöglich ziemlich fantastisch sind.

Lass es uns ansehen

Es ist völlig irrelevant, was ich dir jetzt sage, aber Blasphemous ist ein 2D Pixel-Art-Action-Metroidvania; es ist blutig und gore-ig; nicht so schwer, wie du womöglich gerade denkst und es bedient sich Dark Fantasy-Themen sowie alter Folklore-Märchen aus dem spanischen Volksmund. Puh. Das hätten wir jetzt also erstmal hinter uns. Dann lasst uns nun staunen (und falls du es nicht schon am Cover bemerkt hast, dich erwartet einiges an Pixel-Blut):

Blasphemous: Release-Trailer.

Und? Noch nicht genug? Wie wäre es damit:

Oder damit:

Prinzipiell ist Blasphemous ein blutig-melancholisches Pixelgemälde, das sich bewegt und dir dazu noch die Möglichkeit gibt, durch es hindurch zu kriechen und zu kämpfen. Und da ich weder nostalgische Gefühle gegenüber Pixeln empfinde, noch ein Fan von Metroidvania-Spielen bin, kann ich ganz gewissenhaft sagen: Blasphemous interessiert mich einzig, weil es zu schön ist, um wegsehen zu können.

Was nicht heißt, dass es ausschließlich deswegen interessant ist. Tatsächlich habe ich mich während der kleinen Demo, die ich spielen durfte, ein wenig in die kunstvolle Gewalt im Spiel verliebt, in die tonnenschweren, poetischen Dialoge, in die seltsame, teuflisch-religiöse Geschichte um ein Wesen mit Dreieckshut und Schwert, das durch ein dunkles Fantasie-Reich wandert und alles abschlachtet, was es auf dem Weg entdeckt. Sein Schwert heißt Mea Culpa, lateinisch für „Meine Schuld“, sein Name ist „Der Reumütige“ und das Böse, welches das Reich Cvastodia heimsucht nennt sich „Das Wunder“. Welch inbrünstiger Pathos! Die Level zwingen dir keine Linearität auf und wenngleich es mit  Dark Soul-igen Mechaniken wie den Bonfires daherkommt, erschien es mir doch nicht gar so schwer zu sein. Was die Pixel-Gemälde angeht, so wurden sie in minutiöser Kleinarbeit gemalt und ich garantiere dir, das wirst du sehen können.

Was noch? Blasphemous verspricht von der ersten Sekunde an, dich in eine gänzlich andere Welt zu verschleppen. Eine Welt, die so vollgestopft ist mit religiösen Anspielungen, pixelgenau gemalten Cut-Scenes und Theatralik, das du beinahe glaubst, Ölfarbe aus deinem Monitor tropfen zu sehen. Als ich die Figur selbst durch das erste Level steuern durfte, musste ich stets anhalten, ausatmen und mich an Joe Bognar vom Publisher team17 wenden, um zu sagen „Hey, ich weiß, ich wiederhole mich, aber das Spiel ist so schön.

Tatsächlich ist es das schönste Spiel, das ich auf der gamescom 2019 sehen durfte. Es ist womöglich nicht das beste – wer weiß, ich habe es nicht länger als 30 Minuten betrachten dürfen – aber doch ohne Frage das schönste.

Psst, das ist geheim:

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Unsere Geheimtipps von der gamescom 2019.

Ich brauche eine Orgel und das Können, sie zu spielen, um dir zeigen zu können, wie schön Blasphemous ist. Ich brauche einen Pinsel und das Talent zum Malen, um dir begreiflich zu machen, was ich gesehen habe. Da ich das alles aber nicht kann, lass mich dir wenigstens sagen, dass The Game Kitchens Blasphemous am 10. September für PC, PS4, Xbox One und die Switch erscheint. Falls du das schon wusstest, sehr gut. Falls nicht, vielleicht siehst du es dir selbst an, um dich zu überzeugen.

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