Carrion: Lass uns Menschen fressen, wie wär's?

Marina Hänsel

Ich fühle mich zwar ein wenig schlecht deswegen, aber ich habe zwei Jahre auf dieses Spiel gewartet. Also auf Carrion, einen pixeligen Fleischsack, der sich mit schleimigen Tentakeln durch die Gegend walzt und schreiende Pixelmenschen zermatscht. Es ist toll.

Lass mich böse in einem Spiel sein, und meinen Ansprüchen wurde Genüge getan!“ – das hat nie jemand Bekanntes gesagt, aber irgendwie stimmt es doch. Uhm, für manche Menschen wenigstens. Für jene Menschen vielleicht, wegen denen es das Reversed-Horror-Genre gibt: Eine Sparte an Spielen, die dich auf kreativste Arten böse sein lassen. Deine Freunde nennen dich gern einmal Hannibal und spielen dabei nicht auf den Feldherren an? Du schaust die Saw-Filme, um dich zu entspannen? Oder du bist einfach nur von Grund heraus böse und möchtest deine Neigung an Pixelmännlein ausleben? Dann lass mich dir die neueste Ausgeburt des Reversed-Horror-Genres präsentieren, Carrion. Das Spiel mit dem Fleischsack.

Niedlich, wie die Schreien

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Carrion ist ein 2D-Metroidvania, das dich in die rutschige Gedärm-Haut eines Fleischsacks steckt, der sich durch ein klaustrophobisches Untergrundlabor frisst. Auf der gamescom 2019 durfte ich zum ersten Mal Hand an das Spiel legen, und was soll ich sagen? Es ist nicht nur eine grafische Delikatesse, sondern befriedigt auch jene tief-menschlichen Instinkte, die wir sonst hinter verschlossenen Türen verborgen halten: Fressen, quälen, vernichten. Du bist der Jäger, und deine Beute kann zuweilen nichts weiter tun, als einen niedlichen Schrei von sich zu geben.

So leicht ist das Leben als Fleischsack dann aber auch nicht. Du hast etwa keine Beine, dafür aber Tentakel. Mit ihnen krabbelst du durch die engen Gänge, reißt Türen aus den Angeln und bahnst dir deinen Weg. Einige Objekte kannst du dir ebenso grabbeln, um damit Menschen zu zermatschen. Findest du ein Pixelmännlein, geht das Ganze recht schnell: Du schnappst es dir, zerreißt es in der Mitte oder wirfst es gegen die Wand, bevor du es fressen kannst. Mhmmm. Einen Vorteil hat das Mahl, denn mit jedem weiteren menschlichen Körper wächst dein Fleischsack. Fressen, wachsen, mehr fressen, mehr wachsen. Simpel. Wirf selbst ein blutiges Auge auf Carrion:

Carrion – Blutiger Reveal-Trailer.

Tatsächlich ist Carrion aber mehr als nur eine gorige Fressmaschine. Im Metroidvania-Stil kannst du nach und nach neue Wege freischalten, die dir anfangs noch unzugänglich waren. Du lernst, Schalter umzulegen, durch Dimensions-Löcher in den Wänden zu flutschen und schließlich auch, neue Fähigkeiten einzusetzen. Dabei ist es beeindruckend, wie flüssig und schnell du deinen Fleischsack durch die Map katapultieren kannst. Deine Tentakel sind stets gespannt und bereit, entweder zu fressen oder zu zerstören. Es mag an mir liegen, aber Carrion hatte eine beinahe hypnotische Wirkung auf mich – wie diese schleimige Gedärmkugel über den Bildschirm jagt, Hindernisse zerfetzt, Menschen zerfetzt, Schreie im Hintergrund, OH: Da liegt noch ein halber Oberkörper, den sollten wir noch fressen, oder? Es ist seltsam befriedigend diese Welt, über die ich als Spieler so gut wie nichts weiß, dem Erdboden gleichzumachen.

Langweilig wird es auch nicht so schnell, denn ebenso wie du nach und nach neue Dinge und Fähigkeiten lernst, werden die Gegner stärker – und schießen auf dich, anstatt nur zu schreien – und die Rätsel kniffliger. Warum du alles und jeden auf deinem Weg tötest und woher du überhaupt kommst, hat Carrion mir in dieser ersten halben Stunde übrigens nicht verraten. Ob das aber tatsächlich so wichtig ist oder doch deine Fantasie überlassen werden kann, sei dahingestellt. Die Fleischparty mit Carrion beginnt irgendwann im Jahre 2020 auf dem PC und womöglich auch auf Konsolen.

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