Desperados 3 in der Vorschau: Frischer Wind im wiederbelebten Genre

Alexander Gehlsdorf

Drei Jahre nachdem Shadow Tactics das tot geglaubte Genre der Echtzeit-Taktik wiederbelebt hat, steht auch Desperados 3, das nächste Projekt von Mimimi Productions in den Startlöchern. Auf der gamescom 2019 hat sich unser Redakteur Alex das Spiel angesehen und schon jetzt eines seiner Highlights des Jahres gefunden.

Den Ohrwurm werde ich so schnell nicht wieder los. Den ganzen Tag laufe ich über die Messe und summe leise den Eagles-Song Desperado vor mir her, und das alles weil mein erster Termin auf der gamescom 2019 Desperados 3 war.

Das neue Spiel von Mimimi Productions ist wie schon Shadow Tactics zuvor eine Renaissance des Echtzeit-Taktik-Genres, das 1998 mit Commandos: Hinter feindlichen Linien seinen Anfang nahm. Wichtigstes Spielelement: Die gegnerischen Sichtkegel. Diese machen Spiele des Genres nicht nur auf jedem Screenshot leicht erkennbar, sondern stellen die wesentliche spielerische Herausforderung dar. Nicht gesehen werden. Im Verborgenen agieren und keinen Alarm auslösen.

Nach dem Erfolg der Commandos-Reihe zog im Jahr 2001 Desperados: Wanted Dead Or Alive nach und verfrachtete das Setting in den Wilden Westen. Nach einem eher zweischneidigen Commandos 3 im Jahr 2003 fiel das Genre jedoch spätestens 2006 nach der Veröffentlichung von Desperados 2 in einen Dornröschenschlaf, aus dem es erst 2016 von Mimimi Productions mit dem großartigen Shadow Tactics erweckt wurde.

Diese Liebe zum Genre wurde nicht nur von dankbaren Spielern wie mir gewürdigt, sondern auch von Vertretern innerhalb der Branche und so passte es wie Topf und Deckeln zusammen, dass Mimimi jetzt offiziell Desperados 3 entwickeln darf.

Eine würdige Fortsetzung

Wer Desperados beziehungsweise Desperados 2 nicht gespielt hat, kann dennoch guten Gewissens mit Desperados 3 einsteigen, denn das Spiel ist ein Prequel zu den Originalen. Veteranen der Serie können also die Vorgeschichte von Charakteren wie Cooper und McCoy kennen lernen.

Hinweis: Desperados 3 erscheint noch vor Jahresende für PC, PlayStation 4 und XBox One.

Allerdings hat Mimimi Productions auch neue Charaktere zum Leben erweckt. Der wohl spannendste Neuzugang ist dabei ohne Frage Isabelle, die übel gesinnten Cowboys mit Voodoo das Leben schwert macht. Dazu gehört unter anderem die Gedankenkontrolle, die sich grob mit dem Spion aus Commandos vergleichen lässt. Allerdings lassen sich Bösewichte dadurch nicht nur quer über die Karte schicken, stattdessen können sie auch dazu gezwungen werden, das Feuer auf ihre eigenen Kollegen zu eröffnen.

Die wohl interessanteste Fähigkeit von Isabelle ist jedoch das Verbinden von Charakteren. Ein praktisches Beispiel: Sind Gegner X und Gegner Y miteinander verbunden und Gegner X wird umgebracht, dann lässt auch Gegner Y sein Leben. Diese Fähigkeit funktioniert jedoch auch mit eigenen Charakteren. Wird etwa ein Charakter geheilt, der mit einer anderen Figur verbunden ist, so profitieren beide von dem Effekt.

Die Mechanik geht sogar so weit, dass ich gegnerischen Einheiten mit den eigenen Helden verbinden lassen. Sobald der Widersacher das Feuer eröffnen, treffen ihn folglich die eigenen Kugeln. Eine spannende Sandbox-Mechanik, die zu zahlreichen Experimenten einlädt und selbst Serien-Veteranen wie mich noch einmal in ganz neuen Dimensionen denken lässt.

Desperados 3: Character Reveal - Isabelle Moreau.

So schwer wie ich will

Damit das Spiel dadurch nicht zu leicht wird, haben einige von Isabelles Fähigkeiten jedoch einen hohen Preis: Jede Aktivierung kostet sie ungefähr ein Drittel ihrer maximalen Lebenspunkte. Auch unabhängig davon hat Mimimi Productions den Schwierigkeitsgrad gegenüber Shadow Tactics optimiert. Unter anderem lassen sich eine ganze Reihe Faktoren individuell einstellen: Die Positionierung der Gegner, die Geschwindigkeit der Sichtkegel, die maximale Lebensenergie, die Menge der Munition und sogar die Anzahl der Speicherstände.

Ein Spiel ganz nach meinem Geschmack also, denn für mich als Genre-Veteran war selbst Shadow Tactics auf dem höheren Schwierigkeitsgrad über weite Teil einfach nicht hart genug. Ich bin hoffnungsvoll, dass Mimimi es in diesem Jahr schafft, mich im positivsten Sinne zur Verzweiflung zu bringen.

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