Der PC ist als Spieleplattform allen anderen haushoch überlegen – davon war ich schon immer fest überzeugt. Doch so langsam ändert sich meine Meinung dazu. Die aktuellen Entwicklungen sorgen nicht gerade für unbeschwerten Spielspaß, sondern stattdessen für blanken Frust. 

PC-Gaming: Von der Fragmentierung einer Plattform

Was genau hat sich also während der letzten Jahre im Hinblick auf PC-Gaming verändert? Neben zahlreichen technischen Innovationen hat sich ebenso die Distribution verändert. Kaum jemand besorgt sich Spiele heutzutage noch in Form eines physischen Datenträgers – falls doch: OK, Boomer. Stattdessen greifen die meisten zum Online-Shop ihres Vertrauens und kaufen die Spiele in digitaler Form. So weit, so gut. Leider sieht die Realität dann doch etwas komplizierter aus.

Das fängt schon damit an, dass es mittlerweile ein signifikantes Überangebot an unterschiedlichen PC-Plattformen gibt: Steam, Epic Games, EA, Ubisoft, Blizzard, Bethesda, Rockstar, Microsoft, GOG und noch etliche mehr. Grundsätzlich ist Konkurrenz nicht zwingend etwas Negatives, belebt sie ja bekanntlich das Geschäft. Das Problem sind vielmehr die zahlreichen Launcher, welche unmittelbar an die jeweiligen Shops geknüpft sind. Aus Sicht der Unternehmen ist diese Form der Distribution und der damit einhergehenden Plattformbindung absolut nachvollziehbar. Dreht sich heutzutage doch alles um steigende Nutzerzahlen und Daten, die über sie gesammelt werden können. Der digitale Kapitalismus hat längst Einzug in die Videospielwelt gehalten, ob ihr es wahrhaben wollt oder nicht.

One launcher to rule them all? GOG Galaxy macht Hoffnung auf weniger Chaos beim Zocken. (Screenshot: GIGA)

Blickt man allerdings auf die Seite der Verbraucher, zeigen sich schnell die Schattenseiten. Viele der besagten Launcher beschränken sich in ihrem Funktionsumfang nach wie vor auf ein absolutes Minimum. Gerade dann, wenn man sie mit dem Branchenprimus Steam vergleicht. Dennoch wetteifern Publisher stets um Exklusiv-Deals mit Spielestudios, damit sie Nutzern so ihre Plattform aufzwingen können. Für Spielerinnen und Spieler bedeutet das also zusätzliche Accounts erstellen und unnötige Launcher installieren. Wer soll da noch den Überblick behalten?

Ein wenig Hoffnung schürt in dieser Hinsicht GOG Galaxy: Die Grundidee besteht darin, einen übergeordneten Launcher anzubieten, mit dem sich alle eurer anderer Konten verknüpfen lassen. Das Projekt kann allerdings nur dann wirklich gelingen, wenn sich genügend Unternehmen bereiterklären, ihre Launcher offiziell in die Anwendung zu integrieren. Bislang hält sich die Zahl kooperierender Publisher aber noch in Grenzen. Meistens müsst ihr die anderen Launcher außerdem trotzdem installieren – ganz ohne geht es also doch nicht.

PC-Hardware: Wenn Chips zur Mangelware werden

Nein, die Rede ist hier gewiss nicht von der knusprigen Köstlichkeit, die man sich üblicherweise in den Mund stopft als gäbe es kein Morgen mehr. In der Tat ist das ein gutes Stichwort, denn so ungefähr lässt sich die aktuelle Marktlage in Sachen Gaming-Hardware beschreiben. Wer derzeit plant, sich einen Gaming-PC samt neuer RTX-3000-Grafikkarte oder etwas Vergleichbarem von AMD zu bauen, wird unmittelbar enttäuscht. Entweder ist der Markt komplett leergefegt oder die Preise sind so unverschämt hoch, dass sich ein Kauf schlichtweg nicht lohnt. Real Talk: Das ist mitunter der Grund, warum die entsprechenden Artikel zu ProzessorenGrafikkarten oder Gaming-PCs bislang noch nicht von mir aktualisiert wurden. Wer also für einen kurzen Moment in der Vergangenheit schwelgen oder sich vorab auf den Zusammenbau seines zukünftigen Rechners vorbereiten möchte, dem kann ich die folgende Lektüre nach wie vor wärmstens empfehlen:

Dieses Problem trifft Konsolen-Fans, oder besser gesagt jene, die es noch werden wollen, aber mindestens genauso hart. Seit der Veröffentlichung der neuen Konsolengeneration in Form der PS5 und Xbox Series X/S, waren diese jedes Mal binnen weniger Sekunden restlos ausverkauft. Die Hauptursache für den momentanen Mangel ist dabei verhältnismäßig simpel: Der gesamten Industrie mangelt es derzeit an wichtigen Kleinbauteilen, die letztlich auf eine fatale Fehleinschätzung seitens der Hersteller zurückzuführen ist. Die gegenwärtige Pandemie sowie der Aufschwung von Kryptowährungen tragen beide ebenso ihren Teil dazu bei. Dabei hat sich unser Redakteur Robert als eingefleischter PC-Spieler doch so sehr auf die neuen Konsolen gefreut.

Erfahrt im folgenden Video was es mit der Hardware-Knappheit auf sich hat:

PS5-Bauteile und Marks Messenger – GIGA Headlines

Cloud-Gaming und Spiele-Abos als die Lösung?

Werde ich jetzt also mit dem Zocken aufhören? Sicherlich nicht, zumal es glücklicherweise auch positive Entwicklungen zu verzeichnen gibt. Ja, die Hardware-Knappheit nervt und ebenso das unnötige Launcher-Chaos oder dreiste Exklusiv-Deals. Gleichzeitig gibt es aber ein immer größeres Angebot an Spiele-Abos, allen voran den Xbox Gamepass, der sich immer mehr zum Liebling vieler Gamer mausert. So viele hochkarätige Spiele für verhältnismäßig wenig Geld gab es noch nie! Kaum verwunderlich also, dass andere sich das nun zum Vorbild nehmen und vermehrt die Produkte der Konkurrenz in ihre eigenen Plattformen integrieren – Steam und EA Play sind hier ein gutes Beispiel. Im Zeitalter von Netflix, Spotify und Co. war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis die Gaming-Branche eine derartige Vermarktungsstrategie adaptiert.

Der nächste Hoffnungsschimmer inmitten dieser fast schon tragischen Lage: Cloud Gaming. Also vorausgesetzt, ihr verfügt über eine entsprechend potente Internetverbindung verfügt. In Deutschland ist der Breitbandausbau ja bekanntermaßen noch Neuland. Wer allerdings mit einer überdurchschnittlichen Downloadgeschwindigkeit gesegnet wurde, der kann das Problem der großen Hardware-Not theoretisch komplett umgehen.

Einfach nochmal Kind müsste man sein:

In meinem Fall muss ich aber dennoch gestehen, dass mich Konsolen wie die PS5 immer mehr reizen. Nicht zuletzt aufgrund der einfachen Handhabung sowie der Tatsache, dass ich lediglich ein Gerät und nicht jede Komponente einzeln kaufen muss. Außerdem hat mich die Vergangenheit gelehrt, dass ein Blick über den Tellerrand durchaus lohnenswert sein kann. Letztlich sehnen wir uns alle – sei es am PC, der Konsole oder dem Smartphone  – doch nur nach der jugendlichen Unbeschwertheit von damals zurück. Sorgenfrei zocken und dabei alles um uns herum vergessen,  wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Macht ihr aktuell ähnliche Erfahrungen oder seid ihr womöglich ganz anderer Meinung? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.