Doom Eternal ist Tetris mit Schrotflinten

Alexander Gehlsdorf

Wer Doom schon immer für stumpfe Ballerei gehalten hat, wird spätestens in Doom Eternal eines Besseren belehrt. Im neusten Teil der Kultreihe werden nicht nur Gewehrläufe, sondern auch Köpfe rauchen.

Doom Eternal ist Tetris mit Schrotflinten

Obwohl ein gewisses Talent am Fadenkreuz natürlich immer wichtig war und auch wichtig bleiben wird, hat Doom seit jeher seine Spieler schon immer vor allem vor strategische Herausforderungen gestellt.

Jeder Gegner hat ein bestimmtes Angriffsmuster, eine Geschwindigkeit und es gibt stets eine ideale Strategie, um eben jenen Gegner zu bekämpfen. Die langsamen Imps etwa werfen Feuerbälle, denen du jedoch ausweichen kannst, während die Standard-Zombies Hitscan-Waffen benutzen und die beste Taktik darin besteht, aus der Deckung heraus zu feuern.

Doom Eternal: Story-Trailer (E3 2019).

Diese Orthogonal Unit Differentation wurde 2016 in einem fantastischen Video von Mark Brown zusammengefasst, das ich an dieser Stelle jedem ans Herz legen kann. Was genau hat das jetzt mit Doom Eternal zu tun? Weil das Spiel diesen Grundlagen natürlich treu bleibt, erweitert diese strategische Herangehensweise jetzt mehr als je zuvor auch das Ressourcen-Management.

Mit Faust, Flammenwerfer und Kettensäge

Dabei bleibt es den aus dem Jahr 2016 bekannten Glory Kills treu: Hat ein Gegner genügend Schaden eingesteckt, beginnt er zu leuchten und kann mit einem speziellen Nahkampfangriff, dem Glory Kill, getötet werden. Daraufhin lässt der Gegner allerhand bunte Power-Ups fallen, die deine Lebensenergie regenerieren. Ein cleverer Design-Trick, der dazu führt, dass der Spieler in Doom stets in Bewegung bleibt und sich nicht unnötig hinter Deckungen versteckt.

Doom Eternal baut auf diesem Konzept auf, erweitert es jedoch konsequent, sodass auch die Kettensäge und der Flammenwerfer ein fester Bestandteil dieser Rotation werden. Glory Kills spendieren wir gesagt Lebensenergie, die Kettensäge spuckt Munition aus und der Flammenwerfer versorgt dich mit Rüstung.

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass du deine Ressourcen stets im Auge behalten und im Sekundentakt Entscheidungen treffen musst, um deine Lebensenergie und Munition zu verwalten. Wie früher sind die ein oder anderen Items natürlich auch im Level verteilt, im Rahmen meiner knapp einstündigen Anspiel-Session wurde jedoch klar, dass diese eher eine Notlösung darstellen. Wer die unterschiedlichen Glory Kills nicht benutzt, wird in Doom Eternal nicht weit kommen.

Klein ist (manchmal) besser als groß

Und was hat das alles jetzt mit Tetris zu tun? Das will ich gern erklären: Tetris ist in meinen Augen ein vollkommenes Spiel. Jeder der sieben Tetris-Steine hat einen Sinn, nichts fehlt, nichts ist überflüssig. Sollte ein Stein fehlen oder ein achter Stein hinzugefügt werden, würde Tetris nicht mehr funktionieren.

Beim Anspielen von Doom Eternal kam mir ebenfalls genau dieser Gedanke, als ich mich wiederholt dabei ertappte, die schwächere der beiden Schrotflinten auszuwählen. Warum sollte ich das jemals tun, wenn es eine viel mächtigere Alternative gibt? Weil die „kleine“ Schrotflinte bei den Standard-Zombies genau die richtige Menge Schaden anrichtet, um einen Glory Kill durchzuführen.

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Doom früher und heute: So krass hat sich der Shooter entwickelt.

Bei anderen Gegner wiederum ist die große, doppelläufige Schrotflinte wieder genau die richtige Wahl – so wie überhaupt für jeden Gegner eine besonders gut geeignete Waffe und Strategie existiert. Dazu kommt, dass die Waffen auch über sekundäre Feuer-Modi verfügen, die dir ebenfalls einen taktischen Vorteil verleihen. So eignet sich der sekundäre Feuermodus der Heavy Cannon etwa ausgezeichnet dafür, gezielt Körperteile von Gegnern wie dem Arachnotron oder Mancubus abzutrennen.

Während du also ohne Frage über die gesamte Spielzeit hinweg aus vollen Rohren ballern wirst, bist du im Hinterkopf im Sekundentakt damit beschäftigt, die Situation zu analysieren, deine Ressourcen zu kontrollieren, die richtige Waffe auszuwählen und den passenden Glory Kill vorzubereiten. Dadurch wird das ohnehin extrem schnelle Spiel noch um einiges anspruchsvoller – aber auch besser?

In meiner knappen Stunde Doom Eternal hatte ich ohne Frage jede Menge Spaß, auch wenn gerade die ersten Spielminuten regelrecht überfordernd waren. Dennoch war ich nach dem Ablauf meiner Zeit einigermaßen dankbar, dass ich meinen Kopf erst einmal eine Pause gönnen durfte. Das ohnehin schnelle Gameplay, gekoppelt mit den ständigen taktischen Entscheidungen könnte gerade bei längeren Sessions also durchaus zu Kopfweh führen.

Könnte – muss aber nicht. Denn schließlich ist es genauso möglich, dass sich bereits nach wenigen Stunden genau so ein Flow-Gefühl wie bereits 2016 einstellt, und die Glory Kills vollkommen automatisch, wie in Trance, ausgeführt werden. Ganz wie Tetris eben. Doom Eternal erscheint am 22. November 2019 für PC, PlayStation 4 und Xbox One.

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