Als Dual Universe mich auf eine neue Mission eingeladen hat, durfte ich einen Sternenkrieg beobachten: Schiffe, so groß wie Hochhäuser und mit einer Mannschaft von 20-30 Spielern, feuerten Laser und Raketen aufeinander ab: „Es braucht Wochen, diese Schiffe zu haben“, sagt ein Entwickler zu mir. Warte, die sind auch selbstgebaut?

 

Dual Universe

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Dual Universe

Ihr werdet zuallererst lernen müssen, ein Pilot zu sein, wenn ihr ein Schiff in Dual Universe steuern wollt.

Das Sandbox-Science-Fiction-MMO funktioniert nicht wie die meisten MMOs, ihr werdet in keine Welt voller Geschichten, Quests und Möglichkeiten zum Aufleveln geworfen (wenngleich ihr aufleveln könnt). In Dual Universe schreiben die Spieler Geschichte und erleben keine vorgefertigte. In Dual Universe gibt es keine Welt abgesehen von jener, die Spieler selbst gebaut haben. So gesehen ist Dual Universe nichts weiter als ein leeres Blatt, das beschrieben werden möchte – ein nahezu realistisch großes Sternensystem, in dem zum Release des Spiels 1 Millionen Spieler gleichzeitig online sein können sollen.

Die Erde wurde zerstört und ihr seid auf dem Weg in ein fremdes Sonnensystem, um eine neue Zivilisation zu gründen. Das ist Dual Universe:

Das ist Dual Universe: Offizieller Trailer

Es gibt ein Wort dafür, nämlich Single-Shared-MMO; ich habe in einem anderen Artikel zu Dual Universe bereits darüber gesprochen: Ein Spiel, das alle Spieler auf einem Server vereint; dass also genug Rechenkraft aufbringt, um jeden einzelnen gleichzeitig in einer Welt leben, agieren, bauen und kämpfen zu lassen. Das berühmteste Single-Shared-MMO ist Eve Online, und die Grafik ist entsprechend minimalistisch gehalten, um ein derartig großes Spiel zu stemmen.

Dual Universe besitzt eine Third- und First-Person-Perspektive, lässt euch mit eurem Avatar frei herumlaufen und will eine realistische Welt erschaffen; kein Spreadsheet in Space – wie Spieler Eve Online gern nennen. Wird das Experiment klappen? Lasst uns einen Blick darauf werfen.

Leben in Dual Universe: Ein bisschen wie in der Realität

Wollt ihr in Dual Universe ein Raumschiff steuern, so werdet ihr es nicht unbedingt bauen müssen. Wie im echten Leben baut ihr selten eure eigene Straßenbahn, falls ihr Straßenbahnfahrer seid, nein: Im besten Falle lasst ihr euch in der Profession des Raumschiffssteuerns ausbilden, übernehmt ein paar kleine Jobs und tretet dann einer Organisation bei, in der ihr euren Beruf als Pilot ausführen könnt.

Natürlich gibt es noch andere Berufe und Möglichkeiten, sich in Dual Universe die Zeit zu vertreiben: Raumschiffbauer, Kämpfer, Politiker. Ich rede keinen Unsinn, denn da Dual Universe von Spielern beherrscht wird und damit auch gesellschaftliche Formen annimmt, könnt ihr nahezu alles in Dual Universe sein, was euer Herz begehrt:

„Es ist eine sehr offene Welt, ich vergleiche sie oft mit der realen Welt: Ihr werdet in sie hineingeboren und ihr könnt entscheiden, was ihr werden wollt: Ein Kämpfer? Ein Ingenieur? Ein Händler? Ein Industrieller? Ein Politiker? Ein Forscher? Jeder Beruf wird mit unterschiedlichen Anforderungen kommen, die euch unterschiedlich viel Zeit zum Meistern kosten werden. Aber in ein paar Stunden könnt ihr schon auf einem Mond sein und euer Zuhause bauen.“

Das ist es, was mir Entwickler Novaquark erzählt hat, nachdem ich eine Stunde dabei zusehen durfte, wie sich zwei gigantische Raumkreuzer bekriegt haben. In Dual Universe könnt ihr auch bauen, was euer Herz begehrt – und dabei ist das Spiel durchaus komplexer als Minecraft: Es gibt neben einigen wichtigen Geräten keine vorgefertigten Blöcke, alles ist formbar; rund, eckig, Farbe auswählbar. Ihr baut euer Haus, Raumschiffe, Städte. Ihr könnt Planeten umformen, wenngleich das eine Weile dauern dürfte – immerhin seid ihr auch nicht in der Lage, die Erde mit einem Löffel umzugraben.

Alles, was Dual Universe braucht, ist eine Community, die sich hier ausleben will. Und die ist bereits in der Alpha fleißig dabei gewesen, eine Zivilisation zu formen:

Dual Universe - Community Outposts

Sternenkriege in Dual Universe sind langsam, massiv und verheerend

Zuerst zeigte mir Novaquark einige beispielhafte Raumschiffe, die von Spielern gebastelt wurden: Kleine Raumkreuzer in unterschiedlichsten Design, mittelgroße Forschungsschiffe und Raumkreuzer, die derart groß sind, dass Spieler-Avatare daneben wie Stecknadelköpfe im Raum verschwinden. Um sie zu steuern sind bis zu 30 Spieler notwendig, die alle mir ihren Figuren das Schiff betreten und ihre Plätze einnehmen: Captain, Pilot, Scanner, Waffenoffizier. Ein bisschen wie Star Trek: Bridge Crew, das euch jeweils eine Rolle auf der Enterprise zuweist, um euch das Gefühl zu geben, wirklich ein Offizier auf einem Raumschiff zu sein.

PvP ist der nächste Schritt, den Dual Universe gehen möchte. Neben einer Hand voll Planeten bietet das Spiel, natürlich, viel Raum dazwischen: Zonen im Weltall, die entweder friedlich oder für den Kampf zwischen Spielern ausgelegt sind. Ziel ist es, Spieler-beherrschte Organisationen um Planeten und Territorien wetteifern zu lassen, wobei sich der Wert der Schiffe nach jener Zeit errechnet, die es gebraucht hat, sie zu bauen: Wochen und Monate in Echtzeit, wenn wir die riesigen Raumkreuzer betrachten, von denen ich eben gesprochen habe.

Wie aber funktioniert PvP? Die beste Antwort darauf ist: realistisch. Ihr entscheidet, welche Waffentypen ins Schiff gebaut werden; Munition erhalten sie über einen Zugang zu Munitionskisten. Jede Kanone besitzt so viel Munition, wie ihr angeschlossen habt. Neben den Raumkreuzern etwa gibt es noch Ammo-Transporter; kleinere Schiffe, deren einzige Aufgabe es ist, während eines Kampfes die Kanonen aufzufüllen.

Raumschiffe haben keine Lebensanzeigen. Trefft ihr einen gegnerischen Kreuzer frontal, so bricht etwas von der Schiffshülle weg – trefft ihr generische Waffensystem, könnten sie vom Schiff weg-explodieren und sind damit unbrauchbar. Beschießt ihr ein Schiffe lang genug, so ist es exakt dort durchlöchert und kaputt, wo es getroffen wurde. Wo ihr trefft ist nicht egal, weswegen es unerlässlich ist, einen guten Waffenoffizier an Bord zu haben. Das ganze nennt sich Real-Time-Damage, und es gibt nur wenige Spiele, welche dieses Konzept umsetzen können.

Eine Weltraumschlacht in Dual Universe ist langsam, massiv und verheerend. Es ist das Nächste an einem realistischen Kampf zwischen Raumschiffen, was ich bis jetzt sehen durfte. Und das heißt auch, dass es kompliziert ist – dass Spieler, wie gesagt, ihre Jobs lernen müssen, bevor sie auf einem Kreuzer Pilot oder Captain sein können. Einsteigerfreundlich ist das nicht, aber Dual Universe wäre nicht derart realistisch, könnten Spieler innerhalb von einer Stunde alles in diesem Spiel verstehen.

Ay, Captain – feindlicher Kreuzer voraus:

Dual Universe: PvP-Trailer „Wie Shall Fight“

Grafisch ist Dual Universe noch kein AAA-Titel, obwohl es von Mal zu Mal hübscher wird, wenn ich alle paar Monate in das Spiel linse. Es gibt außerdem notwendige Limitierungen am  Realismus: Kamikaze-Raumschiffe können zwar in gegnerische Kreuzer fliegen, doch die nehmen dabei keinen Schaden. Novaquark erklärt, dass sie ein Raumschiff-Scooter verhindern wollen, in dem Spieler nur noch ihre Schiffe crashen:

„Das machen wir, um zu verhindern, dass das Schlachtfeld zu einem Raumschiff-Scooter-Match wird, in dem sich Spieler nur noch mit massive Stahlschiffen bewerfen. Es ist wichtig, dass wir kontrollieren, wie genau Schaden zugefügt werden kann, damit wir diesen Aspekt aus einer Gameplay-Perspektive heraus in Balance bringen können.“

Vieles an Dual Universe ist mutig: Der Versuch, das technisch herausragendste Single-Shared-MMO zu schaffen, mit dem Ziel, 1 Millionen Spieler gleichzeitig in einem Sonnensystem zu vereinen. Eine Welt, die kaum Regeln unterliegt; abgesehen von jenen, die von Spielern gemacht werden. Ein Experiment, was genau die Spieler daraus machen werden – nehmen sie Dual Universe ernst und versuchen in dieser Sci-Fi-Welt zu leben? Oder zerstören sie sie? Da Planeten abbaubar sind, wäre das durchaus möglich.

Wer weiß, vielleicht zerstören sie alles und bauen aus den Einzelteilen etwas ganz und gar Neues, denn letztendlich ist Zerstörung immer auch eine Form von Kreation. Was auch immer aus Dual Universe wird, noch hat es Zeit zum Verschnaufen: Bis jetzt existierte das Spiel nur in der Alpha, die am 27. August 2020 in die Beta schwappt. Novaquark indessen arbeiten hart daran, nach und nach mehr Gameplay-Variationen ins Spiel zu bringen: PvP, der Bau von Raumstationen, mehr Möglichkeiten im Crafting-System, das ohnehin schon an Minecraft herankommt.

Auch versuchen sie fortwährend, den Einstieg ins Spiel so einfach wie möglich zu halten. Ich nehme an, das ist bis zu einem gewissen Grad möglich, wird sich aber einem Schneeball gleich verselbstständigen, sollte Dual Universe irgendwann in den Release schlittern. Derweil konnten im Spiel bis jetzt nur 30.000 Avatare bestehend aus Bots und Spielern gleichzeitig agieren, die Millionen ist demnach noch weit entfernt. Man stelle sich auch die Rechenleistung vor, die es benötigen würde, gleichzeitig Aktionen von 1.000.000 Spielern auszuwerten. 30.000 wirkt in Anbetracht dessen bereits unmöglich.

Falls ihr selbst einen Blick in Dual Universe werfen wollt, es ist natürlich schon spielbar: Kaufen könnt ihr euch diverse Pakete auf der offiziellen Seite, mit denen ihr Zugang zur Alpha wie auch der Beta erhaltet.

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Die Idee von Dual Universe klingt noch immer wie ein Traum, und doch bin ich gespannt, wie sich eben dieser anfühlen wird, sobald er ausgeträumt ist. Wir werden Dual Universe im Auge behalten – und falls ihr ebenso gern träumt, wie wir, solltet ihr das vielleicht auch.