E-Scooter mal näher betrachtet: Warum ist der Kauf nicht sonderlich klug?

Sven Kaulfuss 30

Dieser Tage werden die tollkühnen Kisten losgelassen – E-Scooter schicken sich an, Angst und Schrecken auf deutschen Fahrradwegen und Straßen zu verbreiten. Nun denn, so schlimm wird’s schon nicht werden. Warum der Kauf eines solchen Gefährts dennoch keine gute Idee ist, möchte ich in der heutigen Ausgabe meiner Wochenendkolumne darlegen.

E-Scooter mal näher betrachtet: Warum ist der Kauf nicht sonderlich klug?
Bildquelle: GIGA (Sven Kaulfuss).

Ach lieber Andi, erst nimmt man dir diese Woche die Maut weg, dann lacht die Welt noch über deine Pläne den kleinen Motoradführerschein speziell für Autofahrer abzuschaffen und nun will auch niemand die von dir propagierten E-Scooter kaufen – so ein Bundesverkehrsminister hat’s schon „schwör“. Aber warum will eigentlich niemand so einen E-Scooter haben und warum ist dessen Anschaffung auch nicht sonderlich klug?

Erhellendes Umfrageergebnis: Fast niemand will einen E-Scooter kaufen

Erst mal ein schneller Blick auf die aufschlussreichen, aktuellen Umfragewerte des Meinungsforschungsinstitutes YouGov. Demzufolge wollen 77 Prozent sich ganz bestimmt keinen E-Scooter anschaffen. Lediglich 2 Prozent wollen sich einen solchen Roller „bestimmt“ holen, 4 Prozent sehen dies noch als „wahrscheinlich“ an – ähnliche Werte gelten übrigens auch für die Nutzung der Leihroller, die sich in unseren Großstädten auf den Weg machen. Klingt für mich jetzt nicht unbedingt nach Trend und „Must-have“.

Schon GIGA-Redakteure haben sich auf diese „wilden Fahrstühle“ getraut:

Ninebot by Segway KickScooter ES1.

Alternative E-Bike: Die aktuellen Bestseller bei Amazon *

Vielleicht hängt es ja damit zusammen, dass die Elektroroller nur eine ganz kleine Lücke füllen, von der niemand oder nur die wenigsten wissen, dass sie überhaupt existiert. Man spricht in dem Zusammenhang ja immer gern von der „Überwindung der letzten Meile“ – gemeint ist die kurze Strecke zwischen ÖPNV und Arbeitsstätte, beziehungsweise dem eigenen Zuhause. Klingt ja ganz gut, allerdings gibt’s da schon was in der gelebten Praxis. Nennt sich „Beine“ und im Normalfall sollten stets immer zwei davon unten am Rumpf des Nutzers angebracht sein. Hat sich im Laufe der Evolution durchgesetzt. Tipp: Unbedingt mal ausprobieren!

E-Scooter: Das Netbook unter den Fortbewegungsmitteln

Für mich sind die E-Scooter die Netbooks unter den Fortbewegungsmitteln. Was, kennt ihr nicht mehr? Was meine These an und für sich untermauert. Die Idee hörte sich anfangs ganz gut an, später aber in der Praxis konnten sich Netbooks auf lange Sicht nicht durchsetzen. Spätestens mit dem Erfolg des iPads war es für die leistungsschwachen Mini-Notebooks vorbei. Ähnlich schaut es bei E-Scootern aus: Auf den ersten Blick spannend, am Ende fährt man aber dann doch entweder wieder Auto, beziehungsweise ÖPNV oder aber steigt gleich konsequent aufs Rad / E-Bike um.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Exakt dieses Nischendilemma scheinen tatsächlich auch nicht wenige Bürger schon erkannt zu haben. Zu kritisch und subjektiv? Moment, es gibt noch mehr Gründe, warum der Kauf eines E-Scooters nicht sonderlich sinnvoll ist – mal abgesehen vom nicht wirklich attraktiven Preis für die Modelle, die dann auch tatsächlich den Vorschriften entsprechen:

  • Du willst mit den Kindern mal gemeinsam fahren? Vergiss es, erst mit 14 darf man E-Roller pilotieren. Deine Tochter lacht darüber und überholt dich derweil schon mal mit ihrem Fahrrad, denn …
  • … die Geschwindigkeit endet bei mageren 20 km/h. Eigentlich aber gut so, denn …
  • … bei der Beschaffenheit unserer Fahrwege und Straßen, muss man schon ein ganz harter und lebensmüder Geselle sein, um sich auf einen E-Scooter mit kleinen Räderchen zu schwingen. Und hart wird man nur …
  • … durch Sport! Dem erteilt man mit der Nutzung eines E-Scooters aber eine deutliche Abfuhr. Wer kleine Strecken lieber mit einem „zweirädrigen Krankenstuhl“ fährt, statt zu laufen, der zelebriert die aufkommende Bewegungsarmut und feiert feist auf ihrem Altar.

Tja, ich hab es euch ja gesagt:

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22 E-Scooter-Fails, bei denen euch Hören und Sehen vergeht.

Ich meine, ich verstehe es ja. Früher, als ich noch fetter war, vermied auch ich jeden zusätzlichen Schritt. Heute weiß ich: Möchte ich mein Gewicht langfristig halten und vielleicht sogar noch etwas mehr abspecken, dann gelingt mir dies nur mit Sport und Bewegung. Mittlerweile suche ich diese, ob bei meinen täglichen Ausritten mit dem Fahrrad oder auch im Urlaub. Da stehe ich schon gerne mal früher auf, nur um einige Kilometer für die Frühstücksbrötchen der Familie zu laufen – das Angenehme wird mit dem sportlich Nützlichem verbunden.

Es mutet bizarr an, einerseits zelebrieren wir die Bewegung mit Fitnesstrackern und Smartwatch, anderseits sollen wir hunderte Euro für einen E-Roller ausgeben, nur um dann diese einst sinnvolle Bewegung am Tag zu verhindern. Wahrscheinlich finden sich sogar Zeitgenossen, die ernsthaft mit dem E-Scooter ins Fitnessstudio rollen – wie paradox.

Ach ja, mir kann und soll es ja egal sein. Ich schwing mich dann heute lieber noch mal aufs Rad und genieße den ehrlich verdienten Schweiß. In dem Sinne: Gute Fahrt voraus!

PS: Liebe Grüße an unseren GIGA-Leser Oliver „Horst“ Kieffer an dieser Stelle. Ich heiße zwar Sven, aber du – nur du – darfst mich auch gerne weiterhin „Heinz“ nennen ;-)

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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