Einfallslose Smartphone-Branche: Wann geht ihr die wahren Probleme an?

Sven Kaulfuss 11

Gehen der Smartphone-Branche die Ideen aus? Zumindest verdichten sich die Hinweise. Denn spätestens wenn uns Kunden praxisfremde Designspielerein wie jüngst von Xiaomi als das nächste große Ding verkauft werden, ja dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Zeit mal drüber zu sprechen – in meiner aktuellen Wochenend-Kolumne.

Langweilt euch das aktuelle Smartphone-Design? Viel Neues gibt’s da ja eigentlich nicht. Am Ende sind sie doch alle – egal ob von Apple (iPhone 11 Pro), Samsung (Galaxy Note 10 Plus) oder Huawei (Mate 30 Pro) –  nur „kleine“ Touchscreen-Computer. Da spielt es dann auch keine Rolle, wie viele Kameras heute en vogue sind oder welche Farben gerade im Trend liegen. Irgendwie hat man alles schon gesehen, alles wurde gezeigt – die Branche dreht sich im Kreis.

Sind Show-Smartphones wie das Mi Mix Alpha die Antwort? Hier im bewegten Bild:

Xiaomi Mi Mix Alpha: Handy mit Doppel-Display.

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Smartphones mit Showeffekt aber ohne Praxisnutzen

Aber sind dann extreme Designsonderlinge wie das faltbare Samsung Galaxy Fold oder erst jüngst das Xiaomi Mi Mix Alpha mit einer Art „Rundum-Dispay“ die Antwort auf die derzeitige Langeweile? Ich möchte dies ernsthaft bezweifeln. Sicherlich, der Showeffekt ist ihnen sicher, aber wirklich praxisnah sind diese Smartphones leider nicht, so kämpft Samsung noch immer mit Qualitätsproblemen beim Fold. Und Xiaomi muss erst mal beweisen, was man mit so einem Show-Display wie beim Mi Mix Alpha überhaupt anfangen soll. Ernsthafte Anwendungen? Fehlanzeige!

Da fühlt man sich an vergangene Tage erinnert. Damals, Mitte der 00er Jahre befanden sich „normale“ Handys auf ihrem Höhepunkt. Zuvor wurden sie immer kleiner und bekamen noch Farbdisplays verpasst. Doch eine Revolution in der Anwendung gab es erst mit den Smartphones. Zuvor aber versuchte die Branche noch mit aberwitzigen Designs die Kunden bei der Stange zu halten. Man erinnere sich beispielsweise an das Nokia 7600 aus dem Jahre 2003. Eines der ersten UMTS-Handys mit einer Form, die noch heute erstaunt, bei genauerem Hinsehen aber nur ein Kopfschütteln zulässt. Der Showeffekt steht halt über dem Nutzen. So richtig interessant wurde UMTS übrigens erst dann, also man mit den Smartphones viele Jahre später durch die Gegend surfte.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Optimierungsbedarf: Die wahren Probleme der Kunden

Vielleicht sollten sich die Hersteller dieser Tage lieber auf die wahren Probleme der Kunden konzentrieren. Beispiele gefällig?

  • Warum muss ich mein Smartphone noch immer täglich aufladen, warum hält der Akku nicht viel länger? Die Fortschritte bei der Akkutechnik werden nämlich wieder durch die gestiegene Leistung „weggefressen“.
  • Warum werden viele Android-Smartphones noch immer bei Systemupdates so stiefmütterlich behandelt?
  • Warum muss ein neues iPhone immer noch so dermaßen überzogen teuer sein?

Vielleicht sind Smartphones auch einfach „am Ende“ und das nächste Ding tragen wir dann auf der Nase:

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iPhone für die Augen: Konzept „Apple Lens“ schickt dich in die erweiterte Realität

Da gibt’s noch jede Menge Möglichkeiten zu optimieren, bevor man die Kunden mit Zirkustricks bespaßen muss. Lieber optimieren, statt Einfallslosigkeit zelebrieren – meine Meinung. Schönen Sonntag noch.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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