eSport muss Sport sein – was soll der Schwachsinn, DOSB?

Olaf Fries 7

Ein in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten des Deutsche Olympische Sportbunds (DOSB) entscheidet, dass eSport weiterhin nicht als „echter“ Sport angesehen werden kann. Die Sachlage und die Begründungen sind jedoch mehr als fraglich. Es scheint so, als handelt der DOSB mehr aus Eigeninteresse.

eSport muss Sport sein – was soll der Schwachsinn, DOSB?

Der Düsseldorfer Jurist Peter Fischer argumentiert in seinem Gutachten, dass der Sportbegriff „durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert“ sei. Da das Spielen an Computern und Konsolen nicht darunter fallen würden, sei es daher „kein Sport im Sinne des geltenden Rechts“ (via FAZ).

Alleine die Tatsache, dass der DOSB sich der Sache nicht selbst annimmt, sondern ein Rechtsgutachten anfertigen lässt, spricht Bände. DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass „das Gutachten bestätigt unsere konsequente Ablehnung zur Aufnahme von eSport in den organisierten Sport“. Der DOSB würdigt den eSport als Unterhaltung herab und macht sich nicht einmal die Mühe, sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen. Zum Glück wird hier jedoch nicht schon wieder die Gewalt in Spielen als Grund genannt.

Der DOSB widerspricht sich selbst

Diese Ansicht vom DOSB offenbart sich vor allem dann als lächerlich, wenn man sich die Aufnahmeordnung und Voraussetzungen vor Augen hält, die der DOSB selber stellt:

  • „Die Ausübung der Sportart muss eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben, der sie betreibt. Diese eigenmotorische Aktivität liegt insbesondere nicht vor bei Denkspielen, Bastel- und Modellbautätigkeit, Zucht von Tieren, Dressur von Tieren ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen und Bewältigung technischen Gerätes ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen.
  • Die Ausübung der eigenmotorischen Aktivitäten muss Selbstzweck der Betätigung sein. Dieser Selbstzweck liegt insbesondere nicht vor bei Arbeits- und Alltagsverrichtungen und rein physiologischen Zustandsveränderungen des Menschen.
  • Die Sportart muss die Einhaltung ethischer Werte wie z.B. Fairplay, Chancengleichheit, Unverletzlichkeit der Person und Partnerschaft durch Regeln und/oder ein System von Wettkampf- und Klasseneinteilungen gewährleisten. Dies ist nicht gegeben insbesondere bei Konkurrenzhandlungen, die ausschließlich auf materiellen Gewinn abzielen oder die eine tatsächliche oder simulierte Körperverletzung bei Einhaltung der gesetzten Regeln beinhalten.“

Alle aufgestellten Voraussetzungen des DOSB finden sich im eSport wieder. Hinzu kommen noch die sportlichen Merkmale. Manche eSportler weisen einen so hohen Puls auf, dass dieser mit dem von Dauerläufern verglichen werden kann (laut Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln via Deutsche Welle). Wenn zudem noch die Reaktionszeiten und die Hand-Augen-Koordination der eSportler herangezogen werden, reicht es an die kognitiven Leistungen von Spitzensportlern heran.

eSports weist kognitive und koordinative Leistungen auf

Die Deutsche Sporthochschule in Köln, meine Alma Mater, beschäftigt sich bereits seit längerer Zeit mit dem Thema und beschreibt den eSport als „eine Mischung aus strategischem Verständnis, schnellen Reaktionen, präzisen Bewegungsabläufen, exzellenter Kommunikation und vielen weiteren Fähigkeiten“. Hört sich irgendwie nach Sport an oder etwa nicht? Schach, Dart und Schießsport, die sich ebenfalls auf kognitive und koordinative Leistungsfähigkeit und das Training derselben konzentrieren, sind übrigens vom DOSB anerkannte Sportarten.

Der DOSB beschreibt ebenfalls, dass „der Turnierschachspieler hohe kognitive, psychische und körperliche Anforderungen erfüllen“ muss und „entstehende Stresssituationen vor allem durch eine gute körperliche Leistungsfähigkeit (Kondition) gemeistert werden. Also muss ein Schachspieler auch körperlich fit sein, will er in den Wettkämpfen bestehen. Daraus kann gefolgert werden, dass Schach in seiner Turnierform als Sportart gilt.“ Aber der eSport wird weiterhin als kein „echter Sport“ degradiert. Das ergibt schlichtweg keinen Sinn!

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Was ist das Motiv vom DOSB?

Das Interesse vom DOSB in Bezug auf eSport scheint für mich klar zu sein: Geld ist das Motiv. Denn wer bestimmt, was Sport ist und was nicht, der bestimmt auch, wer gefördert wird und wer nicht. Eine Anerkennung von eSport als Sport würde die Pforten für eine öffentliche Förderung von unabhängigen Verbänden und Ligen öffnen. Öffentliche Fördermittel und steuerliche Förderung durch die Anerkennung der Gemeinnützigkeit von eSport-Organisationen würden die Formung eines öffentlichen Bereichs ankurbeln. Es wirkt so, als würde der DOSB nicht möchten, dass eSport ein Teil des Kuchens der Fördergelder abbekommt.

Spieleforscher der Berliner SRH Hochschule für Kommunikation und Design bewerten alle vom DOSB aufgeführten Argumente gegenüber des eSports als „obsolet und inhaltlich nicht haltbar“ (via Zeit). Dem kann ich nur zustimmen und sagen, dass der DOSB aufwachen und aus seiner alten Denkweise ausbrechen muss und endlich im 21. Jahrhundert ankommen sollte!

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