Für reisefreudige Smartphones: Universelle TravelSim im Erfahrungsbericht

Sven Kaulfuss 2

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Berichten möchte ich deshalb von meinen Erfahrungen mit der sogenannten „TravelSim“ – einer universellen SIM-Karte fürs Handy, mit der man nahezu weltweit unterwegs sein kann und teuren Roaming-Kosten entgeht. Lohnt die Anschaffung? Ich verrate es euch.

„Roaming-Kosten im Ausland? Gibt’s doch gar nicht mehr.“ Nicht so schnell, wer nämlich ins nicht EU-regulierte Ausland reist, der sieht sich noch immer mit entsprechenden Kosten für Telefonate und mobile Internetnutzung konfrontiert. Ein möglicher Ausweg: Vor Ort holt man sich eine lokale Prepaid-SIM und nutzt idealerweise mit dieser ein Zweit-Smartphone oder aber gleich eines mit Dual-SIM-Unterstützung. Allerdings hat man im Reiseland nicht immer Zeit, Lust oder schlichtweg das notwendige Sprachwissen, um sich eine solche Karte zu beschaffen.

In der EU eigentlich nicht notwendig, die TravelSim. Warum? erklärt Vodafone im folgenden Video:

Vodafone erklärt: Was ist EU-Roaming?

Universelle SIM-Karte fürs Smartphone: Was ist eine TravelSim?

Auch für meinen Sommer-Trip nach Russland und den benachbarten Ostseestaaten zeichnete sich dieses Szenario in diesem Jahr ab. Universelle SIM-Karten, die man schon vorher daheim kauft, sind da eine Abhilfe: Sie versprechen, mit einer einzigen Prepaid-Karte verhältnismäßig kostengünstig auf der ganzen Welt unterwegs sein zu können. Meine Wahl fiel auf das Angebot von „TravelSim“. Wer es genau wissen möchte: Dahinter steht der Anbieter CSC Telecom SIA aus Lettland. Wie läuft das ganze nun ab?

Ich bestelle die Karte (TravelSim Welt) online direkt beim Anbieter – Kostenpunkt knapp 22 Euro, 15 Euro Guthaben sind schon drauf. Wer will, der bekommt die Karten auch gleich mit entsprechenden Internetpaketen für verschiedene Länder, . Ich möchte aber individuell meine Pakete aussuchen und buchen. Apropos: Für Telefonate und SMS gibt’s keine Pakte, die werden immer einzeln berechnet – beispielsweise zahlt man pro Minute von Russland nach Deutschland 39 Cent, die SMS kostet 19 Cent. Eingehende Anrufe sind kostenfrei. Bei meiner normalen, deutschen Vertragskarte (o2) kommt dies zum Vergleich viel teuerer –  2,99 Euro pro Minute, die SMS kostet 59 Cent und werde ich angerufen, so kostet mich dies mindestens 1,59 Euro pro Minute.

Beim Internet gibt’s jedoch auf Wunsch für bestimmte Zeiträume und Ländergruppen entsprechende Datenpakete. Dazu später mehr. Wer im Übrigen angerufen werden möchte beziehungsweise etwaige Rufumleitungen aktiviert, der sollte beachten, dass es sich um eine estnische SIM-Karte (Ländercode +372) handelt.

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Nach wenigen Tagen erhalte ich meine SIM-Karte per Einschreiben. Der Postmann möchte also kurz meinen Ausweis sehen, weitere Identifizierungsmaßnahmen finden aber nicht statt. Die Karte ist übrigens schon direkt aktiviert und kann ohne Umwege genutzt werden. Man kann, muss sich aber nicht, auf der Webseite des Anbieters noch registrieren. Aufgeladen wird nämlich auch so auf der Webseite von TravelSim über die Angabe der Telefonnummer.

TravelSim: So bucht man Internetpakete für verschiedene Länder

Möchte man ein Datenpaket für eine bestimmte Ländergruppe buchen, so erfolgt dies über einen USSD-Code – immer nach dem Schema: „* 146 * 941 * Code des Datenpaketes #“ Beispielsweise gebe ich in meinem Fall dann die „50“ ein. Dahinter verbirgt sich das spezielle Datenpaket für Israel, Russland, Griechenland, sowie auch für das Baltikum und Skandinavien – 1 GB Datenvolumen (gültig 14 Tage) für 5 Euro. Surfen kann ich damit die ganze Zeit in Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Israel, Lettland, Litauen, Norwegen, Russland, Schweden – ideal also für meine „Ostsee-Spritztour“. Übrigens: Mit dem USSD-Code „* 146 * 942 * Code des Datenpaketes #“ kann ich jederzeit prüfen, wie viel ich schon versurft habe. Die Buchung erfolgt bei mir problemlos, doch wie schlägt sich die Karte nun im Reiseeinsatz?

TravelSim im Erfahrungsbericht: Wie schlägt sich die Karte im Ausland?

Erster Stopp: Litauen – ein guter Start, wie ich finde. Die Karte funktioniert problemlos und selbst im Nationalpark Kurische Nehrung habe ich schnelles Internet und LTE. Natürlich könnte ich hier auch meine deutsche SIM-Karte verwenden, aber schließlich will ich testen und das Datenvolumen meiner Standardkarte schonen. Weiter geht’s nach Estland, es ruft die pittoreske Altstadt von Tallinn. Auch hier wartet schon eine gute Netzverbindung auf mich. Doch was erlebe ich in Russland?

Zunächst macht die TravelSim auch in Sankt Petersburg keine Probleme. Doch dann … nach erneuter Aktivierung der mobilen Daten herrscht erst mal Funkstille. Erwähnenswert: Die mobile Daten schalte ich immer nur dann zu, wenn ich selbige auch tatsächlich verwenden möchte – schont Akku und Datenvolumen. Was also tun? Des Rätsels Lösung: Immer mal wieder den Flugzeugmodus aktivieren und deaktivieren, danach klappt es auch in Putins Lande mit der Netzversorgung. Etwas lästig ist der Kniff schon, aber ich kann es verkraften.

Ich verlasse die russische Föderation und betrete in Helsinki wieder EU-Gebiet. Dennoch teste ich weiter. Jetzt kommt die böse Überraschung. Nachdem das Netz am Morgen zwar vorhanden, aber schleichend langsam war, kommt es zum Totalausfall – das passende Roaming-Netzwerk wird nicht mehr gefunden. Weder ein Neustart noch die manuelle Netzwahl helfen. Letztere zeigt nämlich nur Provider an, die ich mit meiner Karte nicht benutzen darf. Versöhnlicher dann der Abschluss in Schweden. Im Land von Ikea und Smørrebrød rennt das Netz wieder – voller 4G-Speed.

Vorteile:
• Einfache Handhabung.
• Unkomplizierte Bestellung und Versand.
• Internet-Paketpreise je nach Landesgruppe zufriedenstellend bis gut.

Nachteile:
• Keine Wahlfreiheit bei Roaming-Partner.
• Keine Telefon- oder SMS-Flats.

Nicht nur die TravelSim ist nützlich auf Reisen:

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Mein Fazit: Die TravelSim ist eine praktische Lösung für bequeme Zeitgenossen wie mich – sobald man fremdes Territorium betritt, ist das eigene Smartphone schon fit. Größter Nachteil: Kunden besitzen keine Wahlfreiheit beim Roaming-Partner. Meist arbeitet der Anbieter nur mit einem Partner zusammen. Fällt der aus – wie bei mir in Finnland – kann man leider kein anderes Netz wählen und ist am Ende aufgeschmissen. In meinem Fall konnte ich ja zumindest noch mit meiner normalen, deutschen SIM surfen, EU-Regulierung sei es gedankt. So oder so, allein für meinen Aufenthalt in Russland hat sich die Anschaffung der TravelSim definitiv gelohnt.

PS: Aufgepasst, wer auf Schiff oder Flugzeug die mobilen Bordnetze nutzt – ich berichtete schon vor wenigen Wochen – dem hilft auch die TravelSim nicht weiter. Die auf Satelliten basierten Lösungen werden, im Gegensatz zu landbasierten Mobilfunknetzten, natürlich nicht abgedeckt.

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