GIGA-Redakteure stellen sich vor: 7 Fragen an Tool-Junkie Marco

Marco Kratzenberg 4

Er ist nach wie vor der älteste GIGA-Redakteur, aber das merkt man ihm nicht an. Computer und Online-Netze hat er schon genutzt, als einige seiner Kollegen noch gar nicht geboren waren. Marco erzählt euch, warum er für die Computerwelt auf einen Doktor in Biologie verzichtete.

GIGA-Redakteure stellen sich vor: 7 Fragen an Tool-Junkie Marco

1. Wer bist Du?

Tach zusammen! 1961 wurde ich im Ruhrgebiet geboren und schaffte mir da auch meinen ersten Computer an: Einen Commodore VC 20, den Vorläufer des legendären C64. Später habe ich etwas Psychologie und Ballett studiert, um dann nach Berlin abzuhauen. Dort machte ich ein Vordiplom in Architektur und studierte schließlich Biologie. In den letzten Jahren meines Studiums schrieb ich für alle namhaften Computermagazine – mittlerweile war ich auf „DOS-Rechner“ umgestiegen – und verfasste auch ein paar Bücher. Während ich an meiner Diplomarbeit saß, nach der auch eine Doktorarbeit geplant war, dachte ich nochmal über meinen Lebensweg nach und entschied mich dann für die Abzweigung, auf der groß „COMPUTER“ stand.

2. Wie lange bist Du bei GIGA und was machst Du hier?

Erst einmal: „Hier“ mache ich gar nichts. Ich bin seit Ende 2012 „externer Mitarbeiter im Home-Office“ und sehr froh darüber, dass GIGA diese Form der Arbeit anbietet und unterstützt. Seitdem mache ich, was ich am besten kann: Ich erkläre den Lesern in verständlichen Worten, wie sie ihre Probleme mit Hard- und Software lösen können. Außerdem interessiere ich mich für Netzpolitik und kann sehr lange, langweilige Texte konzentriert lesen, um dann das Wichtigste für euch herauszufiltern – etwa über die DSGVO oder Artikel 13.

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Du bist alt, wenn du dich an diese 50 Technologien erinnerst.

3. Was ist dein Experten-Gebiet bei GIGA?

Wer sich den Teil mit meiner Uni-Laufbahn durchgelesen hat, wird eines festgestellt haben. Ich bin sehr vielseitig interessiert. Meine Leidenschaft sind Computer-Tools. Ich kenne Unmengen kleiner Programme, die clever unscheinbare Probleme lösen. Viele davon setze ich selbst ein.

Aber das ist nur eins der vielen Themen, die mich interessieren. Ich kann HTML, CSS und JavaScript frei in einem ASCII-Editor tippen, habe mich mit PHP beschäftigt und eine Zeit lang in Ruby on Rails programmiert. Über das CMS WordPress weiß ich genug, um ein oder zwei Bücher darüber zu schreiben. Ich interessiere mich für Grafikprogramme, Office-Anwendungen und Sicherheitstools sowie alles, was mit dem Thema „Online“ zusammenhängt.

Aber am liebsten sehe ich mir die Fragen hilfesuchender Leser an und finde dann die richtige Lösung für sie, um sie ihnen in klaren Worten zu beschreiben.

4. Was interessiert dich an Computern gar nicht?

Spiele. Versteht mich nicht falsch, ich habe mir schon ein paar Spiele angesehen und wenn ich telefoniere, spiele ich gerne FreeCell. Aber der Ehrgeiz, mich durch Level zu kämpfen, mit anderen zu messen, irgendwelche Bosse zu besiegen und Highscores zu kriegen, fehlt mir völlig. Ich habe mir damals so Spiele Wolfenstein 3D oder Doom angesehen und sofort in den GodMode geschaltet, um danach die Arbeit der Entwickler zu betrachten. Wie gut sind die Bewegungen, die Steuerung? Wie hoch sind die Details, die Spielidee, der Aufbau der Spielfläche?

Die mir unbekannte, simulierte Welt interessiert mich. Die Story oder das Ziel des Spiels finde ich uninteressant, weil es nicht mein Problem ist, das es da zu lösen gilt.

Übrigens hatte ich als Jugendlicher eine der ersten Spielkonsolen für den Fernseher, um Pong zu spielen und später habe ich einige Zeit vor den Space Invaders an Kneipenautomaten verbracht. Aber so richtig interessant fand ich erst die Schachcomputer.

5. OK, was war das für ein Online-Netz, das Du vor dem Internet genutzt hast?

Mein Online-Leben fing ungefähr Mitte der 80er an. Ich hatte mir einen „286er“ mit DOS 3.1 gekauft und bin irgendwie an einen Akustikkoppler gekommen. Damit, und mit einer handschriftlichen Telefon-Liste von Berliner Mailboxen, telefonierte ich abends andere Computer an.

Schnell kam ein 1.200er-Modem, dann ein 2.400er. Ich war beim 9.600er-Modem angekommen, als ich vom FidoNet hörte, einem internationalen Zusammenschluss von Computern über Modems und Telefonleitungen. Als sogenannter „Point“ habe ich angefangen: Ein Teilnehmer mit eigener „Point-Nummer“, unter der er auch per Mail erreichbar ist. Schon ziemlich schnell wurde ich „Hub“ in Berlin. Ich holte die gesamte Kommunikation des Netzes von meinem „Host“ ab und verteilte sie an meine Points.

Als Moderator der „Sharware.Ger“ habe ich viel dazu getan, Shareware und Freeware in Deutschland salonfähig zu machen. Da hatte ich meine Interessen schon miteinander verknüpft.

Parallel nutzte ich Compuserve und AOL, wodurch ich damals schon ins Internet schnuppern konnte. Meine erste eigene Domain/Webseite hatte ich etwa 1995 (Cyberwrite.de). Spätestens seitdem lebe ich im Internet.

Kleine Info am Rande: Im FidoNet bezeichnete man chronische Meckerer, Störer und allgemein dumme Menschen als „Twit“. Daran muss ich heute immer wieder denken, wenn ich so manche „Twitter“-Meldung lese.

6. In all der Zeit: Was ist für dich die größte und schlimmste IT-Entwicklung?

Ich habe das Farbfernsehen freudig begrüßt, fand Taschenrechner klasse und habe Computer vom ersten Tag an geliebt. Aber das Größte ist für mich die Satellitennavigation! Früher habe ich vor Reisen Landkarten gewälzt. Später dann Wegbeschreibungen aus Internet-Routenführern ausgedruckt. Aber jetzt das Smartphone rauszuholen und jederzeit sehen zu können, wo ich bin, wo ich lang muss und wie ich ohne Stau ans Ziel komme, das ist für mich der Hammer. Auf viele andere Dinge könnte ich verzichten. Ich muss mich nicht mit meinem Lichtschalter unterhalten und vor dem Streaming gabs Video- oder DVD-Verleihe, die haben auch funktioniert. Aber die Tatsache, dass ich mich sofort orientieren kann, wenn man mich mit meinem Handy mitten in irgendeinem Ort aussetzt, das begeistert mich immer noch.

Im krassen Gegensatz dazu steht die Möglichkeit, dass jeder seine Meinung und sein Wissen ungefiltert weltweit verbreiten kann. Das hat vermutlich das Zusammenleben auf der Erde nachhaltig geschädigt und auch zu einem politischen Rechtsruck beigetragen. Ein Twitter-Kommentar fasst das ganz gut zusammen:

7. Was würdest Du machen, wenn du eine andere Laufbahn gewählt hättest?

Wie schon erwähnt, habe ich vier sehr unterschiedliche Studiengänge verschieden weit verfolgt. Ohne die Computer wäre ich nun vermutlich forschender Doktor der Biologie – oder Pharmareferent („Tablettenvertreter“). Das ist ein Weg, den nach dem Studium leider viele beschreiten müssen.

Aber tief im Herzen würde ich gerne „etwas mit Holz“ machen. Tischler, Schreiner, Möbelbauer… sowas eben. Das macht mir Spaß, da habe ich Talent und das Ergebnis ist etwas, das man mit seinen Händen und seinem Verstand gleichermaßen gemacht hat und das länger hält als zum Beispiel dieser Artikel.

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