Wann gibt es in Deutschland Hitzefrei? Wann fällt die Schule oder die Arbeit aus? Kann man vom Lehrer oder dem Arbeitgeber verlangen, hitzefrei zu bekommen? Alle wichtigen Fakten zum Thema Hitzefrei, erklären wir hier auf GIGA.

 

Ratgeber

Facts 

Arbeitnehmer, egal ob im Büro oder auf der Baustelle, haben laut Arbeitsrecht keine rechtliche Grundlage für Hitzefrei. Auch für Schulen gibt es keine allgemeingültige Vorschrift für hitzefreie Tage. Allerdings gibt es Ausnahmen.

Inhalt:

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Ab wann ist Hitzefrei in der Schule?

Grundsätzlich entscheiden die Schulleiter, wann es Hitzefrei gibt. Darüber hinaus haben einige Länder auch Richtlinien zu Hitzefrei (keine Gesetze), wonach sich Schulleiter richten können. Die meisten Schulkinder wissen allerdings, dass es immer seltener Hitzefrei gibt.

Warum es kein Hitzefrei gibt

  • Es gibt keine festgelegte Temperaturgrenze, ab der Hitzefrei stattfinden muss.
  • Wenn die Kinder früher nach Hause kommen, passt das nicht in den Tagesrhythmus einiger Familien – vor allem wenn Mutter und Vater beide arbeiten müssen.
  • Der Unterricht kann in kühlere (Keller-)Räume verlagert werden.
  • Die Verantwortlichen wollen keine Verantwortung für Hitzefrei übernehmen.
  • Die Schulräume sind klimatisiert.

Hitzefrei gibt es nicht für Oberstufenschüler

Hitzefrei gibt es in der Regel nur für Grundschüler bis zur Sekundarstufe I. Für Schüler der Sekundarstufe II gibt es kein Hitzefrei. Das Kultusministerium begründet das damit, dass Schüler in dieser Altersklasse stärker belastbar sind und eigenständig darauf achten, bei Hitze genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Dennoch sollen etwa Klausuren nicht geschrieben und die verminderte Leistungsfähigkeit beachtet werden. Das bedeutet, dass die Schüler hierbei auf die Menschlich- und Freundlichkeit der Schulleiter vertrauen müssen.

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Ab wann ist Hitzefrei auf der Arbeit oder im Büro?

Im Arbeitsrecht gibt es Vorschriften, die vor übermäßiger Hitze schützen sollen. So heißt es in der Arbeitsstättenrichtlinie (ASR) A 3.5:

Die Lufttemperatur in Arbeitsräumen (...) soll +26 °C nicht überschreiten. (...)

  • Nach dieser Richtlinie ist es Pflicht des Arbeitgebers, darauf zu achten, dass die Temperatur in Arbeitsräumen grundsätzlich nicht über 26 Grad Celsius liegt.
  • Zudem sollten Arbeitgeber an besonders heißen Tagen Getränke bereit stellen.
  • In Ausnahmefällen ist aber auch ein Arbeiten unter bis zu 35 Grad Celsius zumutbar. Zu solchen Ausnahmefällen gehören auch heiße Sommertage.
  • An warmen Sommertagen müsst ihr euch im Büro ohne „Hitzefrei“ der Hitze dennoch nicht ausliefern lassen. Es liegt in der Pflicht des Arbeitgebers dafür zu sorgen, dass beispielsweise Fenster oder Glaswände mit einem Schutz vor einer direkten Sonneneinstrahlung versehen werden.
  • Sollte solch ein Schutz ausbleiben, gebt ihr am besten eurem Chef oder Betriebsrat Bescheid.
  • Falls euch die Temperaturen zu schaffen machen und ihr flexible Arbeitszeiten habt, empfiehlt es sich zudem, früher ins Büro zu kommen.
  • An tropisch heißen Tagen kann man beim Chef zudem die Auflockerung der Kleiderordnung anfragen, falls im Büro Anzugpflicht herrscht.
  • Bei auswärtigen Arbeiten muss der Arbeitgeber genügend Sonnenschutzmittel zur Verfügung stellen.
  • Bei Temperaturen über 30 Grad sind diese Maßnahmen verpflichtend.

Ist der eigene Ventilator erlaubt?

Wollt ihr euren eigenen Ventilator mitbringen, müsst ihr dies vorher mit dem Arbeitgeber aus versicherungsrechtlichen Gründen vorab abstimmen. In der Regel zählt der Ventilator allerdings bereits zu den klassischen Arbeitsschutzmaßnahmen.

Bußgeld für den Arbeitgebern

Wenn der Arbeitgeber die technischen Regeln für Arbeitsstätten nicht einhält, verstößt er gegen das das Arbeitsschutzgesetz. Dies stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die gerne mal 5000 Euro Bußgeld kosten kann (siehe auch Arbeitsschutzgesetz § 26).

  • Liegen gesundheitliche Probleme vor, bei denen das Arbeiten über 26 Grad gefährdend ist, kann eine Freistellung beantragt werden.
  • Dies gilt vor allem für Schwangere sowie stillende Mütter.

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Robert Schanze
Robert Schanze, GIGA-Experte für Windows, Android, Linux und Software.

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