Huaweis Smartphone-Zukunft nach dem Bann: USA weckt den roten Drachen

Sven Kaulfuss 36

Turbulente Zeiten auf dem Smartphone-Markt, die USA bringen ihre Geschütze gegen China in Stellung und machen dabei Huawei kurzerhand kalt. Die unmittelbare Konkurrenz von Apple und Samsung, und auch das gesamte amerikanische Wirtschaftssystem, sollten ihre Vorfreude über diese „Schützenhilfe“ aus dem Weißen Haus aber zurückstellen – der Bumerang ist schon unterwegs, der rote Drache geweckt.

Huaweis Smartphone-Zukunft nach dem Bann: USA weckt den roten Drachen
Bildquelle: GIGA (Sven Kaulfuss).

Selten ging es in meiner Wochenend-Kolumne so hochpolitisch her, selten ist dies aber auch so angebracht wie heute. Was ist passiert? Präsident Trump erklärt Huawei zur „Schurkenfirma“ und verbietet quasi jegliche Zusammenarbeit mit dem Feind aus dem Reich der Mitte. Dem zweitgrößten Handy-Hersteller der Welt geht so mal kurzerhand Googles Betriebssystem (Android) verloren, Zulieferer wie Qualcomm und Co. stellen die Belieferung ein und vorschnelle britische Schoßhündchen wie ARM wollen ihre Chip-Designs auch nicht mehr mit Huawei teilen. Kurzum: Kernschmelze, Endgame, aus die Maus! Huawei ist dabei aber nur das Bauernopfer, wie Trump kürzlich indirekt zugab. Bedeutet in naher Zukunft könnte der Bann von Uncle Sam auch Xiaomi und weitere chinesische Hersteller treffen. Alles potentielle Zielscheiben für „Mr. President“.

Die Huawei-Krise im Video von GIGA umfassend erklärt:

HUAWEI und HONOR bald ohne Play Store: Was du JETZT wissen musst.

Smartphone-Zukunft bei Huawei: Chinesische Alternative zu Android und zu Apples iPhone in Planung

Wir befinden uns mitten im weltweiten Wirtschaftskrieg und bei dem bringt die Gegenseite ihre Waffen schon mal in Stellung. Wer aktuell ein iPhone in China nutzt, dem schlägt der Groll der Bevölkerung entgegen. Was dies für die zukünftigen Absatzzahlen bedeutet kann man sich gut ausmalen – freuen wird sich Apple-Chef Tim Cook darüber nicht. Zurecht, immerhin ist China der größte Smartphone-Markt der Welt und Apple hat es dort jetzt schon nicht leicht.

Derweil entwickelt Huawei am eigenen Betriebssystem und wird versuchen auch die Hardware-Abhängigkeiten zu beseitigen. Notfalls kopiert man zunächst wieder „Westtechnik“, adaptiert und entwickelt weiter. Zwar nimmt dies Zeit im Anspruch, aber am Ende könnte mit einem funktionalen China-OS und mehr, eine echte Alternative und ein funktionierendes Ökosystem stehen, was dem Duopol bestehend aus Android und dem iPhone auch weltweit (USA ausgenommen) gefährlich werden kann. Die Chinesen sind erfolgshungrig und werden, wenn es knapp wird, sicherlich auch direkt von der eigenen Regierung gestützt – Chefsache versteht sich.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Trump weckt den roten Drachen und züchtet schon mal für sich und seine Nachfolger einen noch mächtigeren Feind heran. Belächeln sollte man die Chinesen in ihren Bemühungen auf keinem Fall. Nur mal zur Erinnerung: Gegenwärtig müssen amerikanische Astronauten noch immer als „Beifahrer“ bei den Russen mitfliegen. Taikonauten gleiten derweil ohne Unterstützung ins All – peinlich, traurig, aber wahr.

Gesellt sich zum heutigen Duopol bald eine chinesische Alternative? Die bisherigen „Opfer“:

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iPhone & Android: Diese 13 Leichen pflasterten ihren Weg.

Weltweiter Handel = Friedenssicherung

Abseits des großen Monopoly-Spiels ist die jetzige Situation aber weitaus noch beunruhigender, denn wie schnell könnte aus einem kalten Wirtschaftskrieg früher oder später auch ein echtes, heißes Gefecht werden. Protektionismus und Abschottung war und ist eine profunde Ursache für Krieg und Elend in der Welt. Insofern stehe ich dem Gedanken meines Kollegen Kaan Gürayer auch etwas skeptisch gegenüber, der in diesen Zeiten eine europäische Initiative à la Airbus erwartet. Klar könnte man ein „EU-Phone“ entwickeln und sich vielleicht damit auch selbst vom Rest der Welt unabhängig machen und abriegeln. Oder aber man heißt den Handel – egal aus welcher Ecke der Welt – willkommen. Wenn wir, die Europäer, doch in den letzten 70 Jahren etwas gelernt haben sollten, dann die Weisheit: Wer miteinander Handel treibt, der bringt sich auch nicht um. Offener Handel bedeutet am Ende aktive Friedenslehre und der Friede ist doch nun wirklich unbezahlbar.

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Vielleicht sollten die Herrschaften in Washington und Peking mal darüber nachdenken, damit aus dem Chinabann keine handfeste Kubakrise wird. Und auch der Leser könnte ja heute an der Wahlurne mal wieder daran denken – einen schönen und vor allem friedlichen Sonntag wünsche ich.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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