Laura testet: Kann man mit Apps günstiger Urlaub machen?

Laura Li Tung 1

Hallo. Mein Name ist Laura und ich bin süchtig. Süchtig nach neuen Erlebnissen, Bekanntschaften und vor allem nach neuen Tattoos. Da letztere leider furchtbar viel kosten, habe ich mir Apps und Strategien zurecht gelegt, wie ich unterwegs auf anderen Wegen sparen kann und die Erfahrungen, die ich damit gemacht habe, möchte ich hier mit euch teilen. Günstig Urlaub machen? Los gehts.

Laura testet: Kann man mit Apps günstiger Urlaub machen?

Diese Sucht wird mich nochmal mein letztes Hemd kosten – würde ich jeden Tag zwei Schachteln Zigaretten rauchen, würde ich weniger bezahlen, als wenn ich mich einmal im Monat tattoowieren lasse. Zum Glück rauche ich nicht, doch Tattoowierungen sind ein großer Teil meines Lebens geworden. Ein Tattoo hilft mir, mich selbst in meinem Körper wohl zu fühlen – es ist ein Werk eines Künstlers, das ich auf meinem Körper sammle. Wenn ich jetzt also eines kann, dann ist es günstig Urlaub zu machen.

Schritt 1: Planung

Mein Ziel? Dublin.

Ich war unglaublich spät dran den Trip zu buchen, weil ich es natürlich vor mir hergeschoben hatte. Macht nicht den selben Fehler, denn wer glaubt, Flüge werden kurz vor Abreise günstiger, der hat sich in den meisten Fällen gewaltig geschnitten.

Laut einer Flugpreisentwicklungsstudie von Momondo bietet es sich an, den Flug durchschnittlich 46 Tage im Voraus zu buchen. Der günstigste Reisetag ist Dienstag, während Reisende, die samstags fliegen in der Regel am meisten Geld blechen müssen. Als ich buchen wollte, kosteten Flüge jedoch weit über 200 Euro, die günstigste Verbindung ließ sich lediglich über einen Drittanbieter ausmachen. Kreditkartenzahlung only. Schlechte Bewertungen auf Trust Pilot.

Da ich aber so günstig wie möglich reisen wollte, biss ich in den sauren Apfel und überlegte mir, wie ich auch so an den günstigeren Preis komme, ohne über den Drittanbieter zu gehen. Meine einzige Möglichkeit war es, die Flüge direkt über die Budget-Airline zu buchen. Jeden Flug einzeln. Funktionierte auch ohne Probleme und ich sparte damit 120 Euro. Musste aber mit langen Wartezeiten und jeweils einem Zwischenstopp rechnen. Was sagt uns das? Nächstes Mal früher buchen.

Apropos buchen: Um den optimalen Überblick zu bekommen, nutze ich am liebsten Omio (ehemals GoEuro). Entscheide ich mich für das Flugzeug als Transportmittel, gleiche ich die Preise mit Momondo ab. Mit dieser Strategie habe ich schon einiges sparen können. Ebenfalls ist es wichtig die Preise auf der Seite des direkten Anbieters zu checken, um eventuellen Gebühren zu entgehen.

Omio: Bahn, Bus & Flug Tickets
Entwickler: GoEuro
Preis: Kostenlos

momondo
Entwickler: Momondo
Preis: Kostenlos
Billige Flüge & Hotels momondo
Entwickler: momondo
Preis: Kostenlos

Schritt 2: Gepäck

Günstiger Urlaub machen? Lässt sich bei Budget-Airlines bereits durch das Handgepäck. Wer bereits meinen „What’s in my Handgepäck“-Artikel gesehen hat, der weiß, wo der Hase hinläuft.

Ich wollte so flexibel und günstig wie möglich Urlaub machen: Also entschied ich mich für einen . Genau den Handgepäcksbestimmungen entsprechend, musste ich mir keine Sorgen machen, am Gate zu stehen und noch ordentlich blechen zu müssen. Ich sage euch, ich habe Leute auf meinem Trip getroffen, die entweder extreme Panik hatten mehr zu bezahlen oder die gleich einen Ausraster bekamen, weil sie sich nicht informiert hatten, dass sie ihren Koffer vorher einchecken müssen. (Ist echt passiert.) Den Stress gebe ich mir nicht mehr.

Da der Platz leider sehr beschränkt ist, musste ich genau einschätzen, wieviel ich packe. War gar nicht so einfach, aber Inspirationen bieten Apps wie zum Beispiel PackPoint, die euch automatisiert Gepäcklisten erstellen, je nachdem wo und zu welcher Jahreszeit ihr verreist.

PackPoint Reisebegleiter
Entwickler: Wawwo
Preis: Kostenlos
PackPoint Reisepackliste
Entwickler:
Preis: Kostenlos

Schritt 3: Unterkunft

„Das Leben beginnt am Ende deiner Komfortzone.“, hat ein gewisser Neale Donald Walsch gesagt. Als US-amerikanischer Autor vieler spiritueller Bücher hat er vermutlich noch nie etwas von Couch Surfing gehört. Denn auch im Sinne meiner Reisen-on-a-richtig-low-Budget-Offensive entschied ich mich dazu, diese „Hotel-Alternative“ auszuprobieren.

Aufgewachsen als ältestes Kind einer mittelständischen Familie, war ich schon immer ein verwöhntes Balg. Wir reisten wohin wir wollten, nahmen uns die Hotels, die wir wollten. Günstig Urlaub machen war für mich nie etwas, worüber ich mir Gedanken machen musste. Angekommen im Erwachsenenleben mit eigenem Einkommen stellte ich jedoch schnell fest, dass die Gepflogenheiten, die ich als Kind aufgebaut habe, schnell in Vergessenheit geraten mussten. Mit dem Fokus, Tattoos meiner Lieblingskünstler zu ergattern, musste ich Einsparungen vornehmen und dort fiel meine Wahl auf Couch Surfing. Genauso wie bei „Too Good To Go“ sollten Ersparnisse natürlich nicht im Vordergrund stehen, denn die Möglichkeit, Einheimische und neue Menschen kennenzulernen sollte im Vordergrund stehen.

„Nichts leichter als das!“, dachte ich

Ein Profil war schnell angelegt: Kreativ sollte es sein, freundlich, interessant. Über die App als auch über die Webseite kann jeder ohne Probleme nach geeigneten Hosts suchen. Stadt gewählt, Datum eingegeben, Hosts angeschrieben. Als nicht verifizierter Couch Surfer kannst du pro Woche zehn Anfragen versenden. Ich hatte Glück und bekam eine positive Rückmeldung. Meinem Aufenthalt stand also nichts im Wege. Lediglich meine eigene Verplantheit.

Ich meldete mich erst ein paar Tage vorher wieder bei meinem Host, bekam allerdings keine Antwort. Ich ging davon aus, dass nach der Bestätigung auf der Plattform alles tutti wäre, panisch suchte ich nach einem weiteren Host. Ohne Erfolg. Endlich meldete er sich. Ich war erleichtert.

Bei meiner Ankunft wurde ich freundlich begrüßt, wir plauderten und alles schien in bester Ordnung. Ich bekam einen Schlüssel zur Wohnung, hatte sogar das Glück ein eigenes Zimmer zu bewohnen. Am nächsten Tag sah ich meinen Host, bevor er zur Arbeit ging. Das war das letzte Mal, dass ich sein Gesicht erblickte.

WANTED: DEAD OR ALIVE

Da er auf meine Nachrichten nicht reagierte, war ich etwas besorgt um meinen Host. Nahm aber an, dass er vielleicht die Nacht durchgefeiert hatte, wie das in Dublin sicherlich oft der Fall ist. Leider sah ich ihn auch die darauffolgenden Tage nicht, egal zu welcher Tageszeit. Im Kopf hatte ich mir schon ein Alibi zurecht gelegt. (Okay, es mag sein, dass ich in letzter Zeit zu viele True-Crime-Podcasts höre.)

Am letzten Tag schrieb er, dass es ihm Leid täte, er wäre bei der Familie gewesen. Okay. Kein Problem. Dachte ich. Bis:

Ich kam, sah und wurde schlecht bewertet

An dem einen Abend, den wir sprachen, erwähnte ich beiläufig, dass ich jemanden über Tinder aufgegabelt hatte, der mir die Stadt zeigen könnte. Mein Host ließ mir nicht einmal die Wahl, Zeit mit ihm zu verbringen, denn er war weder anwesend noch erreichbar. Den Papiermüll, den ich in eine Tüte getan hatte, um ihn rauszubringen, habe ich tatsächlich vergessen. Es war spät nachts, ich war müde, rannte zum Flughafen. Wenn man bedenkt, dass seine Wohnung eine einzige Müllhalde war, war meine Tüte das geringste Übel.

Eine Bewertung für meinen ersten Aufenthalt zu bekommen, war wie ein übler Spiegel, der mir vorgehalten wurde und ich werde alles daran setzen, dieses Spiegelbild zu verbessern.

Couch Surfing: Ein paar Tipps

  • Sprecht mit eurem Couch Host: Macht aus, wie viel Zeit ihr miteinander verbringen wollt. Wenn er keine Zeit hat, bewertet ihn nicht schlecht. Wenn er Zeit hat, nehmt euch Zeit mit ihm.
  • Hinterlasst euer Zimmer / eure Couch immer so, wie ihr sie vorgefunden habt. Seid niemals so verplant wie ich und vergesst euren Müll.
  • Absolutes No-Go: Keine anderen Leute zu deinem Gastgeber mitbringen. Wäre allerdings bei mir wahrscheinlich eh nicht aufgefallen.
  • Bringt vielleicht ein kleines Gastgeschenk mit, das zeigt guten Willen. Ansonsten kommt es auch gut, wenn ihr eurem Host irgendwie entgegen kommt, selbst wenn es nur das Machen des Abwasches ist.

Wen jetzt die Lust gepackt hat, in die Welt des Couch Surfings einzutauchen, findet die Apps unter den folgenden Links. Viel Erfolg dabei! Ich werde nicht aufgeben, selbst ein paar Reisende hosten und mein Bestes geben, meinen Hosts in Zukunft eine astreine Seite von mir zu zeigen.

Couchsurfing Reise-App
Entwickler:
Preis: Kostenlos

Wichtiger Nachtrag: Mein zweites Mal Couch Surfing verlief etwas besser. Auch ohne die erste Referenz gelesen zu haben, denn es fand eine Woche darauf statt. Dieses Mal erhielt ich eine neutral-positive Bewertung. Angeblich war negativ, dass ich zu viel an meinem Smartphone getippt habe, während wir gemeinsam mit der Tochter meines 60-jährigen Host in Gent aßen. Vorrangig lag es daran, dass ich mit meinem Kumpel kommunizierte, dem ich den Weg zum Restaurant erklärte, aber was rechtfertige ich mich hier? Nächstes Mal wird alles sicherlich noch besser.

Schritt 4: Tourguide

Das kann ich sicherlich nicht jedem empfehlen, aber: Nutzt Tinder. Mit Tinder Gold richtete ich meinen Standort im Voraus auf „Dublin“ aus. Mit einer Notiz in meiner Tinder-Bio konnte ich klar kommunizieren, dass ich nichts weiter als einen Stadtführer für den Samstag suche.

Gesagt, getan hatte ich Glück und ein sympathischer junger Mann war gefunden. So konnte ich nicht nur Kosten sparen und habe Dinge entdeckt, die ich allein nicht entdeckt hätte, sondern habe jemanden kennengelernt, den ich sicherlich nicht das letzte Mal getroffen habe.

Tinder
Entwickler: Tinder Inc.
Preis: Kostenlos
Tinder
Entwickler: Tinder
Preis: Kostenlos

Dass Tinder oder andere Dating-Apps natürlich nur für die Singles unter euch funktionieren, ist klar. Deshalb möchte ich euch weitere Alternativen aufzeigen, wie ihr an eine kostenlose Führung in eurer Wunschstadt kommen könnt. Neben der Chance, sich die Stadt von eurem Host zeigen zu lassen, gibt es zum Beispiel freetour.com. Diese Webseite lässt sich auch durch eine App ansteuern. Sie bietet dir eine große Auswahl an kostenlosen Touren durch viele europäische Städte. Anhand von Rezensionen ist sichtbar, ob die jeweilige Tour auch lohnenswert ist. Ein gutes Trinkgeld ist natürlich gern gesehen.

Schritt 5: Transport

Ich kann mich glücklich schätzen, denn ich laufe gern. Vor allem im Urlaub. Kultur oder Party ist mir nicht so wichtig. Ich atme die Atmosphäre der Städte, fahre mich komplett runter, erkunde abgelegene Orte und mache viele Fotos. 20.000 Schritte pro Tag ist Standard. Dabei lässt sich nicht nur ordentlich Geld sparen, ich entdecke auch Orte, die ich sonst nie gefunden hätte.

Ein großer Kostenpunkt ist häufig der Transport vom Flughafen in die Innenstadt. Verkehrsmittel gibt es oft viele und vom Taxi ist generell abzuraten. Während man in Dublin bei etwa 30 Euro ist, erinnere ich mich, dass wir in Tokio einst fast 200 Euro für ein Taxi ausgegeben haben, während Busse bei etwa 30 Euro pro Fahrt lagen. Informiert euch am besten vor der Reise, wie ihr am günstigsten von A nach B kommt. Abhilfe schaffen können dort auch Apps wie Trainline, mit der du sogar unterwegs günstig Tickets buchen kannst.

TL EU
Entwickler: Capitaine Train
Preis: Kostenlos
Train line
Entwickler: Trainline SAS
Preis: Kostenlos

Schritt 6: Essen

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Verfechter von Too Good To Go bin. Zum Glück gibt es diese App nicht nur in Deutschland, sondern in vielen anderen europäischen Ländern. Während in Irland noch fleißig daran gearbeitet wird, das Repertoire der teilnehmenden Restaurants aufzustocken, sieht das in anderen Ländern schon besser aus.

Daher habe ich euch ein Beispiel aus Belgien mitgebracht, wo auch eine allseits bekannte Supermarktkette teil von TGTG ist (siehe Screenshot). Leider sind die einzelnen Teilnehmer auf der App nicht auf Englisch übersetzt. Deswegen empfiehlt sich folgender Trick: Nutzt Google Übersetzer. Der Übersetzer ist sowieso extrem hilfreich, wenn man eine Übersetzung benötigt. Einfach einen Screenshot machen und in die App laden. Tadaaaaa: Übersetzung.

Too Good To Go
Entwickler: Too Good To Go
Preis: Kostenlos
Too Good To Go – Rette gutes Essen als Takeaway

Google Übersetzer
Entwickler: Google LLC
Preis: Kostenlos
Google Übersetzer
Entwickler: Google LLC
Preis: Kostenlos

Fazit: Ist günstig Urlaub machen mit Apps möglich?

Auf jeden Fall! Jeder mag seine eigenen Taktiken haben, durch Europa zu ziehen: Die einen trampen, die anderen wandern und ich schlage mich eben so durch. Moderne Technologie hat uns in vielerlei Hinsicht das Leben vereinfacht und Smartphones sind ein unverzichtbarer Teil unseres Alltags geworden.

Die Welt ist ein wundervoller Ort, der es wert ist, erkundet zu werden. Außerhalb eurer Komfortzone. Zum Abschluss das Tattoo, was ich mir habe stechen lassen. Einer der Gründe, warum es nicht das letzte Mal gewesen ist, dass ich Dublin besuche.

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