Vor sechs Jahren wagte sich The Elder Scrolls an das Genre der Online-Rollenspiele und hat dort heute auch einen festen und verdienten Platz eingenommen. Bis dahin war es allerdings ein holpriger Weg. Alexander Gehlsdorf blickt zurück.

 

ESO - The Elder Scrolls Online: Tamriel Unlimited

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ESO - The Elder Scrolls Online: Tamriel Unlimited

Jubelschreie in Lankwitz. Als ich noch als mittelloser Student im Berliner Randbezirk wohnte, vermochte es Bethesda mir im Januar 2014 eine besondere Freude zu bereiten. Ich durfte am Beta-Test von The Elder Scrolls Online teilnehmen. Worauf ich mich damals besonders gefreut habe, war die Rückkehr nach Morrowind, bis heute mein Lieblingsteil der Elder-Scrolls-Saga.

Kaum hatten sich die Beta-Pforten geöffnet, schloss ich mich also konsequenterweise als Dunmer dem Ebenherz-Pakt an, prügelte mich durch das Tutorial und stand endlich wieder ... in Morrowind. Wohlgemerkt, ich stand auf dem Festland von Morrowind, aber eben nicht auf der ikonischen Insel Vvardenfell, die ich zehn Jahre zuvor so sehr ins Herz geschlossen habe.

Den Rest der Beta-Phase suchte ich also die Küste ab, lief voller Vorfreude auf jedes Boot zu, nur um festzustellen, dass diese niemals ablegen würden. Weitere Recherche in die offiziellen Ankündigungen bestätigten meine Befürchtung: Vvardenfell war kein Teil von The Elder Scrolls Online. Allein dadurch wurde mir eine ganze Menge Wind aus den Segeln genommen.

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Damit endeten die Probleme allerdings nicht. Dass The Elder Scrolls Online auf ein Abo-Modell setzte, war bereits 2014 nicht mehr zeitgemäß und die technischen Probleme, mit denen nicht nur ich zu kämpfen hatte, taten ihr Übriges. Der offizielle Launch von The Elder Scrolls Online im April 2014 fand schließlich ohne mich statt.

Eine zweite Chance

Das nicht nur ich vom ursprünglichen Zustand der Online-Rollenspiel-Hoffnung enttäuscht war, wurde durch zahlreiche Verbesserungen, Überarbeitungen und Ergänzungen deutlich, die seitdem an dem Spiel vorgenommen wurde. Denn um das vorweg zu nehmen: In den letzten sechs Jahren hat sich The Elder Scrolls Online zu einem der besten Vertreter des Genres entwickelt.

The Elder Scrolls: 1994 bis heute

Das soll nicht bedeuten, dass alles an The Elder Scrolls Online von Anfang an problematisch war, im Gegenteil. In einigen Aspekten hatte das Spiel bereits 2014 einen deutlichen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz, allen voran in puncto Quest-Design und Vollvertonung. Nur fielen die Mankos im Vergleich dazu besonders stark auf.

Die wohl größte Achillesverse des Spiels wurde bereits knapp ein Jahr später entfernt: Das Abo-Modell. Fortan durften alle auch ohne monatliche Gebühren spielen. Wer hingegen größere Taschen besaß, durfte allerdings weiterhin ein Abo abschließen, was nicht nur mit Premium-Währung und Erfahrungspunkten, sondern mit größeren digitalen Taschen, also einem umfangreicheren Inventar belohnt wird. Ein toller Kompromiss, von dem sich gern auch World of Warcraft endlich mal eine Scheibe abschneiden darf.

Im Oktober 2016 erhielt das Spiel schließlich die bis heute wohl wichtigste Überarbeitung, wenn nicht sogar Generalüberholung. One Tamriel entfernte die Grenzen zwischen den Fraktionen, Gebieten und dank Level-Scaling auch den Charakter-Stufen. Fortan konnten sich also alle in genau die Abenteuer stürzen, auf die sie am meisten Lust hatten. Das Grundgerüst von The Elder Scrolls Online war also endlich auf dem Niveau, dass sich die meisten bereits zum Launch gewünscht hatten. Jetzt fehlte nur noch zusätzlicher Content. Und der kam auch.

Rückkehr nach Vvardenfell

Online-Rollenspiele haben für gewöhnlich ein Problem, was neue Inhalte angeht. Wie in World of Warcraft erweitern diese üblicherweise das Endgame, bieten also mehr Futter für etablierte Spieler. Für Gelegenheitsspieler oder Neueinsteiger rücken die zusätzlichen Inhalte damit allerdings in weite Ferne.

The Elder Scrolls Online geht mit den sogenannten Kapiteln einen anderen, zugänglicheren Weg. So können die neuen Inhalte einerseits von hochstufigen Veteranen angegangen werden, alternativ stellen diese aber auch einen Startpunkt für neue Spieler dar. Die Probe auf's Exempel war das 2017 erschienene Kapitel Morrowind, in dem genau das gesteckt hat, was ich mir von Beginn an von The Elder Scrolls Online gewünscht habe!

The Elder Scrolls Online - Morrowind - Launch Trailer

Ich konnte also endlich Balmora besuchen, per Schlickschreiter die Insel Vvardenfell überqueren und mit meinem alten Kumpel Vivec quatschen. Doch auch Abseits der Insel hatte sich einiges getan. Bis heute haben mehrere neue Klassen wie der Hüter und der Totenbeschwörer das Spiel erweitert, bekannte Gilden wie die Assassinen und die Diebe wurde nachgereicht und das erfolgreiche Kapitel-Prinzip wurde mehrfach in Form von Summerset, Elsweyr und Greymoor wiederholt.

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Wie ein Phoenix aus der Asche hat sich The Elder Scrolls Online daher in den letzten sechs Jahren zum Vorzeige-MMORPG gemausert. Das macht Hoffnung, dass auch das enttäuschende Fallout 76 auf lange Sicht eine vergleichbare Transformation durchmachen wird. Das jüngste Wastelanders-Update war ja bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Nur eine Frage muss erlaubt sein: Warum nicht gleich so?

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Alexander Gehlsdorf
Alexander Gehlsdorf, GIGA-Experte für Magic the Gathering, Tests, Star Wars und Wortspiele.

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