Kein Online-Multiplayer, keine Spielzeit jenseits der 100 Stunden und erst recht keine Service-Funktionen: Unser freier Autor Olaf Bleich wünscht sich für 2020 wieder mehr klassische Singleplayer-Spiele.

 

Star Wars Jedi: Fallen Order

Facts 
Star Wars Jedi: Fallen Order

Eigentlich habe ich gar keine Zeit, diese Zeilen zu schreiben. Denn ich stecke aktuell mitten in Star Wars Jedi: Fallen Order fest. Ich erfreue mich an den Abenteuern von Cal Kestis, ärgere mich mit Sturmtruppen herum und erkunde Planeten in einer weit, weit entfernten Galaxie.

Für mich ist Fallen Order das Highlight dieses Spielewinters. Nicht nur, weil ich Star Wars seit Kindertagen liebe, sondern vor allem weil es ein geradezu klassisches Singleplayer-Erlebnis ist. Keine versteckten Koop-Funktionen, keine Shared-World-Experience, keine kompetitiven Multiplayer-Matches – einfach nur ich, meine Konsole und das Spiel. Das vermisse ich in der heutigen Zeit.

Keine Lust auf andere

Als ich vor 35 Jahren mit dem Videospielen anfing, da gab es noch keinen Online-Multiplayer. Das höchste der Gefühle waren damals Koop-Funktionen. Doch die meisten Abenteuer – von System Shock bis Monkey Island – erlebte ich entweder allein oder gemeinsam mit Freunden vor dem Bildschirm. Auch wenn seiner Zeit immer nur einer aktiv spielen konnte, so war das gemeinsame Erleben dieser fremden Welten etwas Besonderes. Bis heute erinnere ich mich an das erste System Shock: ich als Schütze mit Maus und Tastatur, mein Kumpel als Navigator, der mich durch die Levels führte.

Klar, LAN-Partys hab ich mitgenommen und Counter-Strike oder andere Action-Spiele auch online gezockt. Doch mit den Jahren nutzte sich diese Erfahrung zunehmend ab. Hier und da mal ein Duell im FIFA Ultimate Team, dann auch gelegentlich eine Runde im Horde-Modus von Gears 5 und ich mag auch irgendwie das Wir-Gefühl in Death Stranding – aber in der Regel habe ich keinen Bock auf andere Menschen in „meiner“ Spielwelt. Deshalb habe ich auch einen Wunsch für das Jahr 2020: Mehr klassisches Solo-Abenteuer!

Nicht jedes Solo-Abenteuer ist automatisch episch. Manchmal ist es einfach nur ... verwirrend:

Bilderstrecke starten(12 Bilder)
Das sind die verwirrendsten Videospielhandlungen

Eine Geschichte nur für mich

Einher mit meinem Wunsch nach mehr Singleplayer-Spielen geht übrigens eine Abkehr von modernen Service-Spielen: ich hab genug von Item-Grinding, täglichen Herausforderungen und anderem Firlefanz. Ich möchte eine Spielwelt, ihre Geschichte und natürlich ihre Charaktere kennenlernen, erforschen und erleben. Und das möglichst emotional und herausfordernd.

Ich mag es, Rätsel und Aufgaben im Alleingang zu meistern. Nicht, weil mir Koop-Spiele keinen Spaß bereiten würden, sondern weil ich mich ganz auf mich und mein eigenes Spielerlebnis konzentrieren möchte. Wenn ich dann schließlich das Tentakelbiest aus Half-Life zum ersten Mal besiegt oder mich in Dark Souls durch eine fiese Stelle gekämpft habe, dann beschreite ich meine eigene kleine Heldenreise – vor meinem Fernseher und in meinem Wohnzimmer.

Ich muss mich nicht auf andere verlassen oder mir gar durch deren Tanzereien oder andere dämliche Aktionen den Spaß verderben lassen. Diese Momente gehören ganz mir und das genieße ich sehr!

Es geht doch!

Vor allem aber wünsche ich mir wieder mehr Spiele mit einem klaren Anfang und einem ebenso klaren Ende. Star Wars Jedi: Fallen Order kommt mir gerade recht – nicht zu lang, nicht zu kurz. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu Mammut-Projekten wie Assassin's Creed: Odyssey oder Red Dead Redemption 2. Ich liebe offene Spielwelt, möchte mich aber auch nicht die nächsten Monate an ein Spiel binden.

So gerne ich manchmal auch einfach nur einen weiteren Raid in Destiny 2 oder The Division 2 spiele, so fiebere ich dem Ende einer knackigen Geschichte und dem befriedigenden Gefühl beim Betrachten des Abspanns entgegen. Gerade bei Service-Games fehlt es mir an diesem krönenden Abschluss und stattdessen fühlen sich immer neue Inhalte dann eher wie das Abarbeiten neuer Aufgaben an.

Mit der entsprechenden Crew entstehen so zwar immer noch glorreiche Momente, aber das Spiel rückt zunehmend in den Hintergrund und ist letztlich nicht mehr (und nicht weniger) als eine Plattform für die gemeinsame Kommunikation.

2019 zeigte, dass auch klassische Singleplayer-Spiele Erfolg haben können: Star Wars Jedi: Fallen Order, Resident Evil 2 oder Control demonstrieren das Potenzial, das weiterhin in gespielten Geschichten steckt. Ich wünsche mir, dass dieser Trend genauso weitergeht. Geradlinige Singleplayer-Abenteuer dürfen nicht aussterben und werden es hoffentlich auch nicht.

Quiz: Wie gut kennst du Assassin's Creed?

Olaf Bleich
Olaf Bleich, GIGA-Experte.

Ist der Artikel hilfreich?