Neues Spiel der Pokémon-Erfinder: So viel hat Little Town Hero mit den Taschenmonstern zu tun

Emily Schuhmann

Was haben ein komplexes Kampfsystem und eine seichte Handlung gemeinsam? Die Antwort: Beides sind Hauptaspekte dieses Spiels.

Ist etwas verboten, wird dieses Ding plötzlich um ein vielfaches interessanter. Und wenn es sich bei diesem Ding dann auch noch um die gesamte Welt außerhalb eines winzigen Dorfes handelt, steigt die Neugier ins Unermessliche. Genau so geht es Axe, dem Hauptcharakter des neusten Spiels aus dem Hause Game Freak. Der Name kommt euch bekannt vor?

Das japanische Studio steckt hinter den Haupteditionen der Pokémon-Reihe. Sämtliche anderen Projekte der Entwickler stehen im Schatten der berühmten Serie, aber vielleicht ändert sich das jetzt ja mit Little Town Hero? Wenn ihr diese Frage selbst beantworten wollt, solltet ihr Japanisch oder Englisch können, eine deutsche Übersetzung gibt es nämlich nicht.

Little Town Hero - Nintendo Direct Trailer.

Protagonist Axe lebt gemeinsam mit seiner Mutter in einem klitzekleinen Häuschen ohne Bad oder Bett. Daran stört er sich aber nicht und auch der Verlust seines Vaters verblasst im Vergleich zu seinem großen Traum: Er will unbedingt die Welt außerhalb des Dorfes sehen. Was das anbelangt, geht es ihm also ganz ähnlich wie den meisten Pokémon-Protagonisten.

Der einzige Weg hinaus führt durch das Schloss. Er entscheidet sich deshalb Soldat zu werden, um ins Königshaus zu gelangen. Dafür muss er aber kämpfen lernen. Wie es der Zufall so will, gibt es einen ausgedienten Ritter, der sich bereit erklärt ihn zu unterrichten. Obwohl er es nutzlos findet, denn Monster existieren natürlich nicht … oder doch?

Kämpfen mit Köpfchen

Auch wenn es die eher kindliche Grafik nicht vermuten lässt, versteckt sich in Little Town Hero ein überraschend anspruchsvolles Kampfsystem. Was auf den ersten Blick stark an klassisches, rundenbasiertes Bekriegen erinnert, offenbart sich bei näherer Betrachtung eher als strategisches Kartenspiel. Die Karten sind dabei Axe‘ Ideen, sogenannte Izzits. Zu Beginn jeder Runde purzeln zufällige Izzits aus eurem Kopf , mit denen ihr nun die Ideen eures Gegners kontern müsst. Um die Izzits benutzen zu können, müsst ihr sie erst mit Power-Punkten in sogenannte Dazzits verwandeln.

Jede Idee hat Angriffs- und Verteidigungswerte und oft noch einen Zusatzeffekt. Schafft ihr es in einem Zug alle Ideen eures Gegners zu besiegen, könnt ihr seine eigentlichen Lebenspunkte angreifen – aber nur, wenn ihr ein aktives, rotes Dazzit besitzt. Alles verstanden? Während mancher Kämpfe fühlt es sich wirklich an, als würde sich euer Gehirn in Knoten legen. Und dem Kontrahenten immer mindestens drei Schritte voraus zu sein, wird durch die enorme Länge vieler Auseinandersetzungen auch nicht gerade einfacher.

Vielleicht hat Game Freak gerade wegen des recht hohen Schwierigkeitsgrades beschlossen, den Rest des Spiels so leicht bekömmlich zu gestalten oder wie sie es selbst beschreiben: so kompakt, dass dem vielbeschäftigten Spieler von heute nicht zu viel Zeit abverlangt wird.

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Die Welt ist ein Dorf … buchstäblich

Die Pokémon-Spiele haben in den letzten Jahren viel Kritik kassiert. Unter anderem weil sich viele Serienveteranen zu stark an die Hand genommen fühlen. Wenn ihr gut gemeinte Bevormundung nicht leiden könnt, dann ist Little Town Hero nichts für euch.

Die Handlung ist simpel und wenn euch ein NPC von A nach B schickt, dann versucht erst gar nicht falsch abzubiege. Ihr kommt nicht weit, weil euch garantiert jemand wieder auf den richtigen Weg schickt. Dazu kommt noch, dass sich das Spiel vor solchen Dialogsequenzen gern mal ein paar Momente aufhängt … keine optimale Mischung.

Insgesamt beschreibt “keine optimale Mischung“ das Spiel ziemlich gut. Das Kampfsystem ist interessant und so herausfordernd, dass sich die Frage stellt, warum Pokémon noch immer ohne einen höheren Schwierigkeitsgrad auskommen muss. Gleichzeitig fehlt der Geschichte aber Tiefgang, die Charaktere sind eindimensional und Überraschungen in der Handlung sind selten.

Game Freak scheint sich, was die Wahl der Zielgruppe angeht, öfters mal schwer zu tun: Ein buntes Abenteuer mit Kinderbuch-Charakter und bockschwere Keilereien. Passt alles nicht hundertprozentig zusammen, aber irgendwie macht es trotzdem Laune.

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