Auf der Wii und der Wii U hauchte die Virtual Console alten Lieblingsspielen neues Leben ein. Viele Fans waren enttäuscht, das Feature nicht auf der Nintendo Switch wiederzufinden. Manche sind es heute noch. Ich finde: Die Switch sollte niemals eine Virtual Console bekommen.

Super Mario, Zelda, Metroid, Castlevania – welche dieser Games haben eure Kindheit geprägt? Nintendos Schatztruhe ist schier bodenlos. Ihr Inhalt hat Generationen von Gamern unvergessliche Stunden beschert. Entsprechend beliebt war die Virtual Console auf der Wii und ihrem Nachfolger, der Wii U, denn hier ließen alte Lieblingsspiele sich für schmales Geld auf neuer Hardware zocken. Als die Nintendo Switch angekündigt wurde, gingen viele Fans ganz selbstverständlich davon aus, dass die Virtual Console auch auf der neuen Hybrid-Konsole ein Zuhause finden würde. Doch das ist bis heute nicht passiert – und ich für meinen Teil hoffe, dass das so bleibt.

Mit einer Virtual Console würde die Nintendo sich selbst Konkurrenz machen

Das soll nicht etwa heißen, dass ich die vielen Perlen aus Nintendos Schatztruhe nicht zu schätzen wüsste oder sie satt hätte. Tatsächlich stehen viele Spiele, die ich als Nintendo-Kid der erste Stunde gezockt habe, heute (wieder) griffbereit im Regal, direkt neben neben den Switch- und Playstation-Titeln. Das fühlt sich gut und richtig so an. Trotzdem bin ich inzwischen ganz froh, dass ich die Klassiker nicht allesamt auch auf meiner Switch zocken kann. Warum?

Stellen wir uns das mal ganz praktisch vor: Sagen wir, da bringt ein Indie-Studio ein kleines, feines Game auf den Markt, ein Spiel im Stil von Celeste, Katana Zero oder 198X. Jahrelang hat das Team daran gebastelt, viel Herzblut ist hinein geflossen, und nun ist das fertige Produkt endlich spielbar. 14,99 Euro soll es im eShop kosten. Und dann, ja, dann kommt Nintendo und haut mal eben Donkey Kong Country 1 bis 3, Hagane und Super Mario RPG für die Virtual Console raus. Jeder dieser SNES-Hits ist nun mit einem Klick im eShop zu haben. Und keiner kostet wohl mehr als 9,99 Euro. Spätestens jetzt hat unser Indie-Newcomer ein echtes Problem.

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Würdet ihr jetzt dem neuen, unbekannten Titel den Vorzug geben – oder den Spielen, die euch schon als Kind in ihren Bann gezogen haben? Ich weiß, wie ich mich entscheiden würde: Nostalgie zieht. Und das fast immer. Daran ist auch nichts Verwerfliches. Keine Frage: Alte Favoriten neu erleben zu können, ist was Tolles. Aber mit einer Virtual Console voller Klassiker und Kuriositäten hätte die Nintendo Switch wohl kaum den Werdegang hingelegt, den wir in den letzten Jahren beobachten konnten - auch dank vieler neuer, cooler Indie-Spiele.

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Wie die Switch zum Indie-Darling wurde

Die Switch hat sich mittlerweile zur regelrechten Indie-Maschine gemausert. Im Gegensatz zu den meisten AAA-Games erscheinen die meisten Indie-Titel heute ganz selbstverständlich auch auf dem Nintendo-Hybriden. Ältere Indie-Hits wie Shovel Knight oder Undertale haben hier ein ganz neues Publikum gefunden und konnten einen ausgiebigen zweiten Frühling feiern. Nintendo selbst befeuert diese Entwicklung mit regelmäßig stattfindenden Nindie Directs, die auf kommende Indie-Releases hinweisen.

Und die Klassiker? Die leben trotzdem weiter. Sie punkten einfach an anderer Stelle und in anderer Form. Viele Games aus der NES- und SNES-Ära werten jetzt Nintendos Online-Service auf, wo sie den Abonnenten exklusiv zur Verfügung gestellt werden. Manch ein Klassiker kriegt auch ein komplett neues Gewand und einen Re-Release spendiert, so wie Zelda: Link„ Awakening.

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Andere Dauerbrenner schaffen den Sprung auf den Hybriden im altbekannten Look: Im eShop finden sich etwa liebevoll zusammengestellte Kompilationen zu Mega Man, Castlevania, Street Fighter oder Secret of Mana. Mein persönlicher Favorit ist Capcoms Beat ‘em Up Bundle, das old-schoolige Arcade-Prügel-Action auf meinen Switch-Bildschirm zaubert. Hätte es solche Veröffentlichungen auch mit einer Virtual Console im Hintergrund gegeben? Das darf doch zumindest bezweifelt werden.

Und so wird das Fehlen der Virtual Console zumindest für mich zum besten Beweis, dass auch in der Gaming-Welt weniger manchmal mehr ist. Bleibt zu hoffen, dass Nintendo das genauso sieht. In Anbetracht des bisherigen Erfolgs, dürften die Chancen dafür gut stehen.

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