Besonders wer in einem Mehrparteienhaus im Erdgeschoss wohnt, wird immer wieder als „Ablagestation“ für Pakete von Nachbarn genutzt. Wird die eigene Wohnung aber zum Paketlager für andere, ist man möglicherweise schnell genervt. Da stellt sich die Frage, ob man überhaupt Pakete von Nachbarn annehmen muss?

 
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Tatsächlich sollte man bestellwütigen Nachbarn Grenzen setzen und sich nicht ausnutzen lassen. Der nett gemeinte Nachbarschafts-Service kann sogar einige Nachteile mit sich bringen.

Bin ich verpflichtet, Pakete für Nachbarn anzunehmen?

Paketzusteller sparen sich oft Zeit und laufen in mehrstöckigen Häusern nicht nach ganz oben, wenn sich unten schon jemand gefunden hat, der ein Paket annimmt. Oft sind Anwohner im Erdgeschoss eine beliebte Anlaufstelle, schließlich kommt man dort sowieso vorbei. Seid ihr aber davon genervt, andauernd Gefälligkeitsdienste zu übernehmen, könnt ihr die Annahme des Pakets für Nachbarn auch ablehnen.

Es gibt keinerlei Pflicht, dass ihr eine nicht für euch bestimmte Sendung annehmt, nur weil ihr dem Paketboten die Tür aufgemacht habt. Falls es also zu viel wird, schickt den Boten freundlich weg.

Sollte man Pakete für Nachbarn annehmen?

Tatsächlich können sich für euch sogar Nachteile für den nett gemeinten Nachbarschaftsdienst ergeben. Mit der Unterschrift beim Boten bestätigt ihr den Erhalt. Somit gehen die Sorgfaltspflichten für die Sendung auf euch über. Ihr bestätigt so zum Beispiel, dass das Paket in ordentlichem und heilem Zustand vom Boten übergeben wurde. Verdächtige Sendungen solltet ihr also nicht annehmen, etwa, wenn das Paket beschädigt, durchnässt oder schon geöffnet ist.

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Laut Oberlandesgericht (OLG) muss der Zusteller den eigentlichen Empfänger darüber informieren, bei welchem Nachbarn die Sendung hinterlegt wurde. Der Adressat sollte die Information also haben, wo sein Paket liegt. Ihr müsst euch nicht die Mühe machen, hinterherzulaufen und dem Nachbarn sein Paket vor die Haustür zu liefern, wenn ihr das nicht wollt. Doch wie sieht es aus, wenn der entsprechende Nachbar nicht erscheint und das Paket tage- oder sogar wochenlang euren Flur versperrt?

Wie lange muss ich ein Paket für den Nachbarn aufbewahren?

Da ihr die Sorgfaltspflicht für das Paket übernommen habt, solltet ihr es dem Nachbarn nicht einfach vor seine Wohnungstür stellen. Wird das Paket dort gestohlen, müsst ihr den Verlust ersetzen. Ihr dürft das Paket auch nicht einfach so öffnen. Hier liegt sonst ein strafbarer Verstoß gegen das im Grundgesetz verankerte Postgeheimnis vor. Rechtlich dürft ihr das Paket zudem nur dem richtigen Empfänger übergeben, nicht etwa einem anderen WG-Mitbewohner oder Ähnlichem. Auch hieraus kann ein Schadensersatzanspruch entstehen, wenn der eigentliche Empfänger angibt, nichts erhalten zu haben.

Es gibt keine Vorgaben, wie lange man ein Paket von Nachbarn aufbewahren sollte. Falls der Empfänger nicht erscheint, um sein Paket abzuholen, dürft ihr es nicht einfach an den Absender zurückschicken. Nehmt zunächst Kontakt mit dem Nachbarn auf und setzt eine Frist zur Abholung. Bleibt das erfolglos, könnt ihr die Sendung im nächsten Fundbüro abgeben.

Vorsicht vor Betrug!

Wenn euch der Empfängername gar nichts sagt, solltet ihr auf die Annahme verzichten. Immer wieder nutzen Betrüger den Gefälligkeitsdienst unter Nachbarn aus.

  • Bei dieser Betrugsmasche werden Pakete an fremde Adressen mit nicht existierendem Namen bestellt, ohne die Ware zu bezahlen.
  • Anschließend präparieren die Betrüger einen Briefkasten im Haus mit dem Fake-Namen, um dort die Karte für die Nachbarschaftszustellung herauszufischen.
  • Mit der Karte holen sie die Bestellung im angeblichen Auftrag der Fake-Person bei euch ab. Dabei wird vorgegeben, man sei frisch eingezogen oder hole Pakete für jemanden ab, der krank oder verreist ist.
  • Mit eurer Unterschrift beim Paketboten seid ihr der letzte nachvollziehbare Empfänger. Betrüger ziehen so mit der unbezahlten Ware davon und ihr könnt im schlechten Fall dafür zivilrechtlich belangt werden.

Übergebt ihr einem Nachbarn sein Paket, solltet ihr die Übergabe durch seine Unterschrift auf der Abholkarte bestätigen lassen. So könnt ihr nachweisen, dass ihr die Sendung abgegeben habt und ein trickreicher Nachbar kann nicht behaupten, er hätte nie etwas von euch bekommen.

Kann man die Paketabgabe von oder an Nachbarn verhindern?

Es ist nicht möglich, vorab bei den großen Paketdiensten wie DHL oder Hermes zu verhindern, dass Boten wegen eines Nachbarschaftspakets bei euch klingeln. Da die Paketboten aber oft immer die gleichen Routen fahren, könnt ihr sie meist einfach mit dem Wunsch ansprechen, dass ihr nichts von Fremden annehmen wollt.

Auch als Empfänger gibt es keine Möglichkeit, bestimmte Nachbarn auszuschließen. Bei einem Nachbarschaftsstreit könnt ihr also nicht direkt verhindern, dass der Bote eure Bestellung beim „bösen“ Nachbarn hinterlegt. Bei den meisten Online-Bestellungen kann man aber im Adressfeld eine optionale Nachricht verfassen, bei der ihr zum Beispiel hinweisen könnt, dass Pakete bei bestimmten Personen nicht abgegeben werden sollen. Noch sicherer seid ihr, wenn ihr direkt einen Wunschnachbarn oder Ablageort bei der Bestellung angebt beziehungsweise eine Packstation oder andere Stelle in eurer Nähe für die Lieferung auswählt.

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