Die Rennspiel-Spezialisten der Slightly Mad Studios melden sich ganz überraschend mit Project Cars 3 zurück. Doch Bandai Namcos Racing-Game stellt nicht mehr anspruchsvollen Realismus, sondern spaßige Ausfahrten für jedermann in den Mittelpunkt.

 

Project Cars 3

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Project Cars 3

Erste Anzeichen für einen dritten Teil der Rennspielreihe gab es bereits im Juli 2019, als der selbstbewusste Studioboss Ian Bell das neue Project Cars als „Revolution“ ankündigte. Doch dann wurde es still. Ebenso wie um den geplanten Mobil-Ableger Project Cars Go, der zwischenzeitlich wohl eingestampft wurde. Doch aus dem Nichts enthüllte der Hersteller nun den dritten Hauptteil für PC, PS4 und Xbox One und überrascht damit viele.

Denn Project Cars 3 für PC, PS4 und Xbox One ist keine Rennsimulation, sondern setzt auf arcadigen Fahrspaß. Das dürfte vor allem Einsteigern schmecken, schließlich gibt es bereits genug sperrige Simulatoren, die viele Spieler abschrecken. Andererseits werden Serienkenner vielleicht enttäuscht. Bei der ersten Vorführung des bisher streng geheimen Spiels wird der Action-Schwerpunkt klar. Denn die computergesteuerten Kontrahenten scheuen weder Blechkontakt noch Drängeleien – macht euch selbst ein Bild im Reveal-Trailer:

Project Cars 3 - Reveal Trailer

Volles Risiko am Limit

Die vereinfachte Fahrphysik erlaubt waghalsige Manöver ohne Bestrafung. Denn die Steuerung ist (anders als in Project Cars 2) auf Controller und nicht auf Lenkrad abgestimmt. Mit nur wenig Übung könnt ihr Gegner überrumpeln, innen vorbeiziehen oder euch hindurchquetschen. Das Auto kann zwar ins Rutschen kommen, gleichzeitig fangt ihr es aber schnell wieder ein. Zumindest ist das der Eindruck, den wir aus dem offiziell gezeigten Videomaterial mitnehmen.

Typisch für ein anständiges Rennspiel sind die originalgetreuen Fahrzeuge bekannter Hersteller sowie das Aufgebot an Rennkursen wie Indianapolis, Spa, Interlagos oder Nürburgring. Für Abwechslung sorgen urbane Strecken durch Städte wie Shanghai. Und falls euch das alles bekannt vorkommt: Wirklich neu ist das alles nicht. Denn Rennspiele wie Grid oder Need for Speed Shift besaßen genau dasselbe Konzept.

Altbekannte Raserlaufbahn

Im Karriere-Modus bieten zehn aufeinander aufbauende Rennklassen die Auswahl aus Sportwagen, Hypercars sowie GT3- und GT1-Wettbewerben. Ebenso tretet ihr zu Markenpokalen an und messt euch mit identischen Gegner-Vehikeln. Bei allen Rennen sammelt ihr zudem Erfahrungspunkte durch das korrekte Durchfahren von Kurven-Markern sowie durch sauberes Fahren - ähnlich wie in der Forza-Reihe. In der Karriere müsst ihr deshalb nicht zwingend Erster werden, um weiter zu kommen.

Das Schadensmodell erscheint in der gezeigten Beta-Version bisher nicht ausgereift. Selbst fatale Frontal-Crashes resultieren nur in zerbeulter Karosse und gesplitterter Scheibe. Umgekehrt reicht ein seichter Gegnerkontakt aus, damit der Heckflügel abfällt. Unnötig: Genau wie in Grid gibt es auch hier Funksprüche, die euch zum schnelleren Fahren anstacheln, allerdings keinen echten Informationsgehalt bieten.

Mäßige Technik

Neben der Arcade-Neuausrichtung wurde auch die Optik aufgepeppt. Doch statt auf mehr Details bauen die Macher auf eine buntere Kulisse mit überdrehten Motion-Blur- und Blooming-Effekten, die die Grafik verwaschener machen und vielleicht auch Bildratenprobleme kaschieren könnten. Schön dagegen, dass es wie im Vorgänger wieder dynamische Wetterbedingungen und Tageszeiten gibt.

Kurzum scheint sich Project Cars 3 neuerdings an Racing-Einsteiger zu richten und weniger an die etablierte Sim-Community. Die Ausfahrten bieten viel Action, viel Drängelei, viel Überholmanöver. Doch reicht das, um länger Spaß damit zu haben? Jetzt entscheidet der Spielumfang, ob die Raserei wirklich ans Pad fesseln kann. Denn sonst greifen Spieler lieber zu Grid, Forza Motorsport oder dem veralteten Need for Speed Shift.

Thomas Stuchlik
Thomas Stuchlik, GIGA-Experte.

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