Schon früher hat Resident Evil mit Mehrspieler-Experimenten geliebäugelt und mit Project Resistance setzt Capcom abermals auf Gruppendynamik. Gelingt es vier Flüchtenden, einen unteririschen Laborkomplex zu verlassen, oder behält die Umbrella Corporation die Oberhand?

 

Resident Evil: Project Resistance

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Resident Evil: Project Resistance

Schaut euch den Trailer zum Spiel an.

Resident Evil: Project Resistance - Erster Teaser zum Spiel

Nach einer gewissen Durststrecke konnte Capcom die Resident-Evil-Reihe mit Resident Evil VII und Anfang des Jahres dann mit dem exzellenten Remake von Resident Evil 2 endlich wieder auf Kurs bringen, wie auch der Test zum letztgenannten Spiel zeigt. Da kann man dann auch mal wieder Experimente wagen. So überraschten die Horror-Experten aus Osaka kurz vor der Tokyo Game Show mit der Ankündigung eines neuen Projekts im Resident-Evil-Universum. Die Anspannung der Zombie-Fangemeinde war spürbar: Kommt da ein achter Teil? Oder das von vielen lange erhoffte Remake von Resident Evil 3: Nemesis? Weder noch – noch vor Beginn der Show verriet ein Trailer, dass es sich bei Project Resistance, so der Titel des neuen Serienablegers, um ein asymmetrisches Mehrspielerabenteuer handelt.

Vier gegen den Mastermind

Tief unter dem gebeutelten Raccoon City befindet sich ein Labor der Umbrella Corporation. Dort wachen vier höchst unterschiedliche Menschen mit dickem Kopf auf und schnell ist klar: An diesem ungastlichen Ort möchte man nun wirklich nicht bleiben. Praktischerweise ergänzen sich die Talente der vier ziemlich gut: Die Chemie-Studentin Valerie Harmon hat ein gutes Auge für Details und kann wichtige Orte und Objekte deutlich sichtbar für den Rest der Truppe markieren, außerdem kann sie sich um die Verletzungen ihrer Kameraden kümmern.

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Der Boxer Samuel Jordan setzt ganz auf Nahkampf und kann Zombies mit seinen Fäusten in Schach halten. Die Reporterin January van Sant ist eine erfahrene Hackerin. Wenn es um Sicherheitskameras oder Computerterminals geht, ist sie ganz in ihrem Element und der Feuerwehrmann Tyrone Henry ist ein ziemlich guter Einstecker und kann die Moral der Truppe steigern. Das sorgt dafür, dass die vier weniger Schaden nehmen. Mit etwas Teamwork und Kooperation sollte es doch möglich sein, aus dem hochtechnisierten Komplex zu entkommen?

Falsch! Denn Valerie, Samuel, January und Tyrone sind nicht allein - im gleichen Komplex ist nämlich auch Daniel Fabron, besser bekannt als der Mastermind. Seine Aufgabe, an der er auch noch eine ganze Menge Spaß hat: Verhindern, dass die vier Flüchtigen entkommen. Zu direkter Interaktion kommt es dabei nur in seltenen Fällen, meistens beobachtet der Mastermind die Truppe über fest installierte Sicherheitskameras und nutzt die Sicherheitssysteme der Anlage, um den vier Überlebenden das Leben schwer zu machen. Eine eigentlich offene Tür verriegeln? Kein Problem. Das Licht löschen? Aber natürlich! Eine kleine fiese Schnappfalle platzieren? Mit Freuden!

Zombie-Taktik

Aber Project Resistance ist immer noch ein Resident-Evil-Spiel - und dazu gehören natürlich auch die Zombies. Auch die platziert der Mastermind-Spieler taktisch klug in den verschlungenen Korridoren. Liegende, halbtote Zombies und normale Schlurfer sind dabei ebenso im Repertoire wie die eklig-agilen Licker und selbst den mächtigen Tyrant kann der Mastermind seinen Gegnern entgegenwerfen. Und dabei kommt es dann doch zur direkten Konfrontation: Der Mastermind kann für eine begrenzte Zeit direkt die Kontrolle über eines der Monster übernehmen - das bekommt dann glühend rote Augen, teilt härter aus und steckt auch einiges mehr ein.

Das mag zunächst so wirken, als wären die vier fliehenden Spieler kaum mehr als die Spielzeuge des sadistischen Masterminds - aber der Mastermind-Spieler kann nicht einfach nach Belieben seine Bosheiten verteilen. Der Mastermind hat stets ein vorgegebenes Deck an Aktionen im Repertoire, und jede dieser Aktionen kostet etwas Energie, die sich langsam regeneriert. So ist ein normaler Schlurf-Zombie natürlich viel günstiger als ein agiler Licker und der Einsatz einer Selbstschussanlage an einer der Kameras kommt weit teurer als eine simple verschlossene Tür.

Teamwork gegen Untote

Die vier Flüchtigen sind auch nicht schutzlos. Neben ihren individuellen Fähigkeiten vertrauen die vor allem auf den Einsatz großkalibriger Waffen - wo in regulären Episoden Munition stets ein rares, wertvolles Gut ist, da könnt ihr die in Project Resistance an vielen Terminals einfach käuflich erwerben. Auch wenn euch ein Zombie annagt ist das nicht so schlimm: Geht eure Lebensenergie zur Neige, fallt ihr verletzt zu Boden und einer eurer Kameraden kann euch recht schnell wiederbeleben. Doch da ist noch das Zeitlimit. Das tickt gnadenlos herab und jeder Zombie-Biss, jedes unerwartete Ableben zieht ein paar zusätzliche Sekunden ab, im Gegenzug bekommen die flüchtenden Spieler aber für besiege Gegner und gelöste Aufgaben wieder Zeit gutgeschrieben - das macht viele Runden von Project Resistance zu einem veritablen Tauziehen um den Timer!

Project Resistance | Gameplay Trailer | PS4

Auf der Tokyo Game Show konnten wir uns eine der heiß begehrten Anspielmöglichkeiten sichern und selbst sowohl in die Rolle der Flüchtenden, als auch die des Masterminds schlüpfen. Als Flüchtender habt ihr ein recht klassisches Resident-Evil-Erlebnis – angereichert um die Hektik, die sich automatisch einstellt, wenn sich gleich vier Spieler gegenseitig in den engen Resident-Evil-Korridoren auf die Füße treten. Da die gleiche Engine wie beim exzellenten Resident-Evil-2-Remake zu Einsatz kommt, sieht das in der frühen gezeigten Fassung richtig gut aus. Viel Spaß hatten wir aber vor allem als Mastermind: Die Spieler beobachten und fiese Fallen stellen, am besten noch als Kettenreaktion, das ist eine ziemlich unterhaltsame Sache. Setzt einen Zombie in den Raum, verriegelt die Tür und platziert eine Sprengfalle im anderen Ausgang - wenn die Spieler hier nicht aufpassen, dann wird das schmerzhaft.

Anders, aber vielversprechend!

Project Resistance ist nicht unbedingt das, was man von einem neuen Resident Evil erwartet, gut unterhalten sind wir aber trotzdem. Die Menüs lassen bereits auf freispielbare Perks und Aufwertungen schließen und auch ein Solomodus wurde bereits bestätigt. Wenn Capcom dann noch eine ordentliche Auswahl an weiteren Szenarien, spielbaren Figuren, Waffen, Fallen und Gegnern implementiert, dann könnte Project Resistance endlich mal ein richtig gutes Mehrspieler-Spektakel in der Welt von Resident Evil werden

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