Roaming-Falle fürs Smartphone auf Schiff und Flugzeug: Mehr Schutz oder Eigenverantwortung für Kunden?

Sven Kaulfuss

Wer erinnert sich nicht an die Hiobsbotschaften zu den Anfangszeiten der Smartphone-Ära? Unbedarfte Nutzer surften da schon mal den Gegenwert eines Kleinwagens im Ausland mittels Roaming-Kosten auf ihren iPhones ab. Wer glaubte, diese Kuriositäten gehören der Vergangenheit an, der hat wohl nicht mit fliegenden und fahrenden „Wegelagerern“ gerechnet – mein Thema, in der aktuellen Wochenendkolumne.

Roaming-Falle fürs Smartphone auf Schiff und Flugzeug: Mehr Schutz oder Eigenverantwortung für Kunden?
Bildquelle: GIGA (Sven Kaulfuss) und Apple (iPhone).

Roaming-Kosten? Gibt’s doch gar nicht mehr in Europa und außerhalb der EU holt man sich halt eine kostengünstige SIM-Karte vor Ort. Wie sollen denn da noch exorbitante Roaming-Kosten mit dem Smartphone heutzutage zustande kommen? Wer den aktuellen Artikel der c’t (Ausgabe 12/2019) dazu liest, der wird wohl fortan anders darüber denken.

Smartphones in der Kostenfalle: Roaming auf Schiff und im Flieger

Da erhält eine Drillisch-Kundin (Simply) eine Rechnung über fast 5.000 Euro nach ihrem Thailand-Urlaub. Sie ist sich aber ganz sicher: Im Urlaubsland hatte sie ihr Gerät erst gar nicht eingeschaltet, erst nachdem sie sich eine kostengünstige SIM vor Ort holte, nutzte sie ihr Smartphone. Wie kam also dieser pervers hohe Roaming-Betrag zusammen?

Beim klassischen EU-Roaming – hier vom Anbieter Vodafone erklärt – gibt es keine direkten Kostenfallen mehr:

Vodafone erklärt: Was ist EU-Roaming?

Die Lösung des Rätsels: Der „Wegelagerer“ wartete auf sie bereits im Flieger. Immer mehr der Urlaubsbomber erlauben nämlich die Nutzung des Smartphones auch an Bord. Hierfür wird aber nicht immer nur WLAN genutzt, die Maschinen schalten in der Luft (oberhalb von mindestens 3.000 Metern) kurzerhand ihr bordeigenes Mobilfunknetz ein, welches die Daten und Telefonate per Satellit überträgt. Die Preise sind natürlich gesalzen und eigentlich untragbar. Eine Nutzung sollte nur im Ausnahmefall in Erwägung gezogen werden. Wer all dies nicht weiß, dessen Handy bucht sich dann auch schon mal unbemerkt ins Bordnetz ein und versurft so ein stattliches Vermögen. Ähnliche „Fallen“ kennen bereits auch schon Urlauber auf Kreuzfahrtschiffen, auch die schwimmenden Hotels schalten auf hoher See ihr eigenes, sauteures Mobilfunknetz ein.

Tipp: Die meistgekauften Smartphones bei Amazon *

Die hiesigen Mobilfunkanbieter behandeln das „Problem“ auf unterschiedliche Weise. Recht vorbildlich beispielsweise die Telekom oder auch Vodafone. Hier gelten absolute Kostengrenzen von knapp 60 Euro im Roaming, dann wird abgeschaltet – Mehrkosten können nicht entstehen. Bei Vodafone muss man obendrein sogar noch ein spezielles Paket buchen, bevor das Roaming in diesen Fällen überhaupt funktioniert. Anders beim Anbieter Drillisch (Marken: WinSIM, Simply, Maxxim, Smartmobil, Yourfone und Discotel). Hier ist das Flug- und Schiffs-Roaming vom Start weg freigegeben, ohne jedwede Kostenkontrolle.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Für mich und andere Nutzer stellt sich da die Frage: Sollten die Mobilfunkanbieter gesetzlich verpflichtet sein, den Kunden in diesen Fällen mehr zu schützen oder aber soll vermehrt auf die Eigenverantwortung der Anwender gepocht werden?

Für mich persönlich liegt die Lösung im Kompromiss. Einerseits wäre eine verpflichtende Obergrenze beim Roaming außerhalb der EU-regulierten Zone angebracht – nicht deine „Obergrenze“ lieber Horst, leg dich bitte wider hin. Ist die erreicht, muss eine Information an den Kunden gehen, der dann erst bewusst die Überschreitung dieser, verbunden mit weiteren Kosten, bestätigen muss. Anderseits schadet es nicht, wenn die Nutzer sich der Gefahr bewusst sind und entsprechend handeln. Derartige Kolumnen wie diese und informative Artikel sollen sensibilisieren und aufklären. Was man konkret tun kann, erkläre ich euch deshalb gerne auch noch zum Schluss, weiter unten im Artikel.

Wie „groß“ sollte ein Datenvertrag sein – die Erfahrungen der GIGA-Redaktion:

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Mobilfunk-Datenvolumen: Diese Pakete nutzt die GIGA-Redaktion (2018).

Smartphones an Bord: Was ihr wissen solltet

Befindet man sich an Bord eines Flugzeuges oder eines Kreuzfahrtschiffes gilt beim Smartphone:

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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