Sea of Solitude ist kein gutes Spiel, aber ein wichtiges

Alexander Gehlsdorf

Spiele über Depression und andere psychische Erkrankungen zu entwickeln ist keine neue Idee. Insbesondere im Independent-Bereich hat sich das Thema in den vergangene Jahren zum beliebten Sujet entwickelt. Mit Sea of Solitude sorgt aktuell eine deutsche Produktion für viel Aufsehen. Was ist dran am Hype?

Sea of Solitude ist kein gutes Spiel, aber ein wichtiges

Mit Spielen wie Hellblade: Senua’s Sacrifice, GRIS oder auch Celeste hat die Indie-Szene in den letzten Jahren immer wieder bewiesen, dass Spiele über psychische Erkrankungen gut mit dem Medium Videospiele vereinbar sind. Selbst für den modernen Klassiker Dark Souls gibt es populäre Lesarten, die das Action-Rollenspiel als eine Metapher für Depression interpretieren.

Für ein Spiel dieser Art regnet es derzeit jedoch ganz besonders viel Lob – was im ersten Moment sehr verwundert. Schließich ist Sea of Solitude kein gutes Spiel. Streng genommen ist es bestenfalls Mittelmaß, wenn es ausschließlich auf sein Gameplay reduziert wird. Aber schließlich bestehen Spiele aus deutlich mehr als nur reiner Interaktivität. Je nach Projekt spielen Writing, Atmosphäre, Thema, Musik, Handlung und viele weitere Aspekte eine mindestens genauso große Rolle.

Dass Sea of Solitude in den vergangen Wochen nicht nur im Spiel Wellen geschlagen hat, verdankt es nicht zuletzt den genannten Faktoren. Auch in unserem Test hat das Spiel gut abgeschnitten – nicht zuletzt aufgrund des wichtigen Szenarios. Denn unabhängig davon, ob es Sea of Solitude gelungen ist, genau dieses Szenario gut umzusetzen - und darüber darf man durchaus geteilter Meinung sein - hat es doch wenigstens dazu geführt, dass psychische Erkrankungen, insbesondere Depression in einem Mainstream-Medium behandelt und in Folge auch diskutiert werden.

RUSH – Der Gaming-Podcast: Games & Depressionen.

Auch Christian Eichler von detektor.fm und ich haben uns dieser Diskussion angeschlossen und sprechen in der aktuellen Episode des Gaming-Podcasts RUSH nicht nur über Sea of Solitude, sondern Psychotherapeuten Daniel Illy zu Wort kommen, der unter anderem Jugendliche behandelt, die an Videospielsucht leiden und einen Ratgeber über Depressionen verfasst hat.

Was uns in dem Gespräch besonders aufgefallen ist: Auf jeden Spieler wirkt Sea of Solitude anders. Während manche das Spiel sogar abbrechen mussten, da es sie emotional zur sehr mitnimmt, ließ andere die Erfahrung völlig kalt – unabhängig davon, welche Erfahrungen die Spieler*Innen zuvor selbst mit psychischen Erkrankungen hatten. Ob Sea of Solitude also das richtige Spiel für dich ist, kannst du nur herausfinden, wenn du es selbst ausprobierst.

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