Smartphones aus Afrika: Ist Wakanda doch kein Traum?

Sven Kaulfuss 5

Wo kommen eigentlich unsere Smartphones her? Die meisten glauben die Antwort zu kennen – und liegen in Zukunft damit vielleicht komplett daneben. Aktuell zieht die Karawane nämlich weiter, alte Rollenbilder taugen nicht mehr. Mehr dazu jetzt in meiner Wochenend-Kolumne.

Smartphone-Produktion: Abkehr von China

Wo findet eigentlich die Entwicklung und Fertigung unserer Smartphones statt? Das Beispiel Apple veranschaulicht die derzeitige „Arbeitsteilung“ recht deutlich – „Designed by Apple in California. Assembled in China.“ So steht es auf dem iPhone und den meisten Apple-Produkten. China dient als Werkbank der Welt, denn auch andere Hersteller lassen bei Auftragsfertigern wie Foxconn im Reich der Mitte produzieren. Ob dies aufgrund der immer wieder in der Kritik stehenden Probleme hinsichtlich der Menschenrechte in China zu begrüßen ist, sei dahingestellt. Es ist schlichtweg ein Fakt, niemand hierzulande oder anderswo kann sich dem entziehen. Ein Umdenken setzt dennoch ein und dafür gibt es einen einzigen, wahren Grund: die Kosten!

China wird zu teuer – unglaublich, aber wahr. So verlegt Samsung ein Großteil seiner Produktion in andere asiatische Länder, um den steigenden Lohnkosten in China zu entgehen. Auch Apple will raus und flieht demnächst wohl vermehrt nach Indien, das Damoklesschwert der potentiellen, heimischen Strafzölle zeigt Wirkung, Produktionsalternativen werden in Zeiten der Wirtschaftskriege gebraucht. Kurz gesagt, es sind keine philanthropischen Überlegungen, die Firmen zur Abkehr bewegen.

Smartphones aus Afrika – kein Traum mehr:

Mara Z: Das Smartphone aus Afrika.

Made in Africa: Ruanda – nicht Wakanda – stellt jetzt Smartphones her

Da überrascht die Meldung vom afrikanischen Smartphone. Wie bitte? Richtig gelesen, auf dem afrikanischen Kontinent werden neuerdings Smartphones produziert. Das „Mara Phone“ stammt aus einer neuen Fabrik in Ruanda, bis zu 10.000 Stück laufen täglich vom Band. Kann man über die Webseite sogar hierzulande kaufen, kostet ab 159 Dollar. Ruanda gilt als Musterschüler Afrikas, ein Wirtschaftswachstum von derzeit über 12 Prozent sorgt für Neid, die Vorreiterrolle beim Umweltschutz ist beispielhaft. Zum Beispiel sind Plastiktüten in Ruanda nicht nur verboten, sondern stehen sogar unter Strafe. Da werden auch Touristen entsprechend kontrolliert. Dafür ist das Land so sauber wie kein zweites auf dem Kontinent.

Ruanda wird deswegen schon mal gerne als die Schweiz Afrikas bezeichnet, auch der Vergleich zu Wakanda – der afrikanischen Comic-Heimat des Marvel-Helden „Black Panther“ – lässt sich ziehen, wenn auch nur mit etwas Fantasie. Am Ende stellt sich dies aber als Übertreibung dar, denn auch wenn Ruanda sauber ist und die Wirtschaft boomt, bei Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit orientiert man sich dann doch am chinesischen Modell.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Sei es drum, im Herzen Afrikas wächst gerade etwas heran. Etwas, was auch Apple, Samsung und Co. auffallen dürfte. Kommen iPhones und andere Smartphones demnächst vielleicht auch aus Afrika? Dafür ist es vermutlich noch zu früh, aber eine Überlegung ist es wert, denn nicht zuletzt wächst auch der Absatz von Smartphones in Afrika. Wer daran verdienen will, der sollte besser auch vor Ort aktiv werden.

Doch was ist mit den Kunden der „ersten Welt“? Können wir uns vorstellen, demnächst ein Smartphone mit dem Label „Made in Africa“ zu kaufen, vielleicht auch direkt von einer afrikanischen Marke? Wer jetzt die Nase rümpft, sollte seine Vorurteile nicht zu früh bedienen. Wir erinnern uns: Vor nicht allzu langer Zeit galten diese Bedenken auch für chinesische Handys, heute gehören Huawei und Xiaomi zur internationalen Spitzenklasse. Und vor China? Erinnert sich noch jemand an Zeiten, in denen Samsung und GoldStar (LG) aus Südkorea alles andere als Premium-Marken waren und gute Technik nur aus Japan kam?

Noch befindet sich in dieser Liste kein Smartphone aus Afrika:

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Was ich damit sagen möchte: Die Wahrnehmung kann und wird sich ändern. Ein afrikanisches Smartphone mag heute noch kurios erscheinen, in einigen Jahren könnten heute noch belächelte Marken wie „Mara“ aber schon die Huaweis und Apples von Morgen sein. Wakanda ist nur eine Fantasie aus den Comics, aber das damit verbundene Selbstverständnis Afrikas ist es nicht. Behalten wir den Kontinent mal lieber im Auge.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

Sven Kaulfuss
Sven Kaulfuss, GIGA-Experte für Apple, Antiquitäten und altkluge Sprüche.

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