Mit iOS 14 bekommen auch die AirPods Pro eine faszinierende Funktion: „Räumliches Audio mit dynamischer Verfolgung von Kopfbewegungen“ – also eine Art Surround-Klang/3D-Effekt, direkt aus dem Kopfhörer. GIGA listet auf, welche Voraussetzungen für Spatial Audio gelten und welche Streaming-Angebote und Apps das Feature bereits unterstützen.

 

AirPods Pro

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AirPods Pro

Bei der Vorstellung von iOS 14 noch als „Spatial Audio“ angekündigt, ist die Funktion auf Deutsch mittlerweile unter den Bezeichnungen „Räumliches Audio“ (Apple Pressemitteilung) oder „3D-Audio“ (Bluetooth-Einstellungen, iOS 14) zu finden. Beide Begriffe sind zutreffend – wenn 3D-Audio aktiviert ist, kann man in der Tat einen Surround-Effekt mit Kopfhörern erleben, der einer echten Heimkinoanlage in Sachen Räumlichkeit nahe kommt. Allerdings müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein, damit der 3D-Sound so funktioniert, wie Apple ihn bewirbt.

Wo kann ich Spatial Audio (3D-Audio) mit den AirPods Pro nutzen?

Streaming-Dienste und Inhalte, die 3D-Audio unterstützen:

  • Apple TV+ (z. B. Greyhound, SEE etc.)
  • Bei iTunes gekaufte Filme (z. B. Contagion, Blade Runner etc.), abgespielt über die Apple TV App
  • Disney+ (z. B. The Mandalorian etc.)
  • Netflix (funktioniert laut einzelnen Nutzern, wir konnten es aber bisher nicht bestätigen)
  • Plex
  • HBO Max

Apps, die 3D-Audio unterstützen:

Eine recht überschaubare Auswahl, die hoffentlich in Zukunft noch erweitert wird. Andere beliebte Dienste wie Amazon Prime Video, Apple Music, Spotify oder YouTube unterstützen 3D-Audio aktuell nicht (Stand: 16.10.2020). Uns ist zudem aufgefallen, dass es manchmal erforderlich ist, 3D-Audio in den Bluetooth-Einstellungen erst aus- und dann wieder einzuschalten, damit es im Zusammenspiel mit einer App funktioniert.

Apple Spatial Audio (3D-Audio): Technische Voraussetzungen

Betriebssytem:

  • Mindestens iOS 14 bzw. iPadOS 14

Firmware der AirPods Pro:

  • „3A283“ oder neuer. Herausfinden geht so: AirPods Pro mit iPhone verbinden, in den Bluetooth-Einstellungen unter dem Punkt „Version“ nachschauen (Anleitung für manuelles Update).

Unterstützte Kopfhörer:

  • Nur die AirPods Pro von Apple. Die Modelle anderer Hersteller, die normalen AirPods (ohne Pro) oder die kabelgebunden EarPods werden nicht unterstützt!
Apple AirPods Pro

Apple AirPods Pro

Unterstützte iPhones (kompatibel mit 3D-Audio):

  • iPhone 7 und iPhone 7 Plus
  • iPhone 8 und iPhone 8 Plus
  • iPhone X
  • iPhone XS und iPhone XS Max
  • iPhone XR
  • Phone 11
  • iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max
  • iPhone SE (2020)

Unterstützte iPads (kompatibel mit 3D-Audio):

  • iPad Pro 12,9-Zoll (3. Generation) und neuer
  • Pad Pro 11-Zoll
  • iPad Air (3. Generation)
  • iPad (6. Generation) und neuer
  • iPad mini (5. Generation)
Apple iPad mini (64 GB)

Apple iPad mini (64 GB)

Nicht unterstützt werden aktuell sämtliche Macs (Macbook Air, iMac etc.) und die TV-Streaming-Boxen Apple TV und Apple TV 4K. Ob und wann Apple hier die Kompatibilität per Update nachrüstet, bleibt abzuwarten.

Apple 3D-Audio in iOS 14 aktivieren

Die AirPods pro müssen mit dem iPhone oder iPad verbunden sein. Dann findet man die Option „3D-Audio“ hier:
Einstellungen > Bluetooth > AirPods Pro > Info (i in Kreis)

Schon gewusst? Hier sind die wichtigsten Dinge, die man über die AirPods Pro wissen sollte:

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AirPods Pro: 12 Dinge, die jeder vor dem Kauf der Kopfhörer wissen sollte

Was bringt Spatial Audio (3D-Audio) überhaupt?

Andere machen es vor, Apple macht es perfekt – diese alte Faustregel trifft auch hier zu. Ganz neu ist der mit „Spatial Sound“ verfolgte Ansatz nämlich nicht. Die Idee wurde bereits (in anderer Ausführung) umgesetzt, etwa mit dem Audeze Mobius (Headset mit Headtracking) oder dem Beyerdynamic Headzone Pro (5.1 Surround Kopfhörer Monitoring System mit Headtracking). Apple macht das bekannte Prinzip nun einfacher zugänglich als jemals zuvor – die technischen Hürden für den Nutzer sind im Vergleich zu älteren Lösungen kaum vorhanden.

Apples 3D-Audio macht sich Gyroskop und Beschleunigungsmesser in den AirPods Pro und dem iPhone/iPad zu Nutze. So werden die Bewegungen von Kopf und Abspielgerät räumlich erfasst. Anhand der Bewegungsdaten wird das Schallfeld so positioniert, dass es auch bei Kopfbewegungen scheinbar am Gerät verankert bleibt. Der Effekt ist also letzten Endes eine virtuelle Nachahmung echter Lautsprecher, die unbeweglich im Wohnzimmer stehen. Sitzt man nämlich (ohne Kopfhörer) frontal vor Boxen und dreht während eines Filmdialogs den Kopf leicht nach links, so ist dieser Dialog auf dem rechten Ohr stärker zu vernehmen, da es sich durch die Kopfdrehung räumlich näher an den Lautsprechern befindet.

Mit einem herkömmlichen Kopfhörer würde sich bei einer Drehung dagegen am Klangeindruck nichts ändern, da er auf dem Kopf sitzen und die Drehung mitmacht. Das trägt zu einem Phänomen bei, das als „Im-Kopf-Lokalisation“ bezeichnet wird. Bei 3D-Audio mit den AirPods Pro wird aber der Klang mittels psychoakustischer Methoden so um den Nutzer „gedreht“, dass der Filmdialog scheinbar weiterhin „von vorne“ kommt – als wären dort Lautsprecher aufgestellt, wo sich das iPhone/iPad befindet. Fachsprachlich gemeint ist die „Änderung des Hörereignisorts bei Kopfdrehungen“ (der Hörereignisort wandert mit). Durch die feine Abstimmung tritt der 3D-Effekt bei Apples „Spatial Sound“ schon bei leichten Kopfbewegungen ein und sorgt für ein außergewöhnliches und räumliches Erlebnis.

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Stefan Bubeck
Stefan Bubeck, GIGA-Experte für Consumer Electronics, insbesondere Audio.

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