Spice ist billig & turnt, aber der Konsum hat hohe Risiken

Kristina Kielblock 5

Dieser Ratgeber befasst sich nicht mit Gewürzen, sondern mit der Droge Spice. Diese erfreut sich immer größerer Beliebtheit, auch wenn sie unter anderem in Deutschland schon seit 2009 verboten ist. Da ihr aber die chemischen Kräutermischungen trotzdem ganz einfach im Internet bestellen könnt, halten wir es für sinnvoll, eindringlich vor dem Konsum zu warnen, ohne ihn zu verteufeln.

Das Produkt Spice wird von einer Firma in London hergestellt: The Psyche Deli. Im deutschen Internet kursieren die kleinen Tütchen mit den poppigen Aufdrucken seit ca. 2004. Offiziell wurde der Inhalt vom Hersteller als Räucherwerk deklariert, das den Raum mit feschen Düften erfrischen soll. Stattdessen werden die Kräutermischungen allerdings hauptsächlich inhaliert - wie herkömmliche Joints in Tabak eingedreht. Die Wirkung ist der von THC ähnlich - je nach Mischung kann es aber auch Ähnlichkeiten mit der Einnahme von LSD aufweisen.

Im Gegensatz zu Hasch oder Marihuana können die sogenannten Legal Highs ganz unkompliziert und unauffällig im Internet bestellt werden und sind sogar um einiges billiger. Die Wirkung beruht dabei nicht auf den Kräutern mit den coolen Namen, sondern auf den zugefügten synthetischen Cannabinoiden. Diese chemischen Substanzen entfalten im Gehirn eine ähnliche Wirkung wie THC, da sie sich an die entsprechenden Rezeptoren im Gehirn binden. Die Chemikalien werden in Asien hergestellt. Abgesehen von den Kräutermischungen mit THC-Ähnlichkeit gibt es auch noch Badesalze und Raumerfrischer, deren Wirkung die von Amphetamin, Kokain und Ritalin imitieren.

chemische struktur der künstlichen cannabinoide

Rechtlicher Status der Legal Highs - BtMG & AMG

2009 wurden die Wirkstoffe CP-47, 497 und JWH-018 in die Anlage des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) aufgenommen und sind seither illegal. Aber JWH-018 und andere Stoffe sind inzwischen absolut oldschool und werden kaum noch verwendet. Da liegt das Problem der gesetzlichen Lage, denn verboten sind immer nur bestimmte Wirkstoffe, die auf der Liste des BtMG stehen. Das macht es leicht für die Hersteller, denn sobald ein neuer Stoff auf die Liste kommt, lässt man die Mischung auslaufen und verwendet einen anderen. Die Mühlen des Gesetzes sind um einiges zu langsam, um den Legal Highs wirklich Herr werden zu können. Dazu kommt die Grenzwertbestimmung, nach der beurteilt werden kann, ob es sich um mehr als die berühmte „geringe Menge“ handelt. Das hat das BGH letztes Jahr für vier dieser Stoffe unternommen - vier von 60. Generell kann man aber sagen:

  • Wer Kräutermischungen kauft, deren Wirkstoffe im BtMG aufgeführt sind, riskiert einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Auch wenn der Stoff gar nicht auf der Verpackung deklariert ist und ihr somit unwissentlich ein verbotenes Produkt gekauft habt.
  • Die in Spice enthaltenen Inhaltsstoffe werden entsprechend eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs 2014 nicht mehr als Arzneimittel eingestuft - daher verstoßt ihr nicht gegen das Arzneimittelgesetz.

Es wird vermehrt über rechtliche Reformen gesprochen, zum Einen wird gefordert, nicht mehr einzelne Stoffe ins BtMG einzutragen, sondern Stoffgruppen, zum Anderen wird eine Legalisierung von THC vorgeschlagen. Letzteres könnte tatsächlich viele Konsumenten vom gefährlichen Spice-Pfad abbringen.

chemische struktur der natürlichen cannabinoide

Spice: Wirkungen & Nebenwirkungen

Das Problem an den Legal Highs ist, dass sich die Wirkung je nach Mischung erheblich unterscheiden kann. Im Allgemeinen wird sie mit der von Cannabis verglichen, aber der Vergleich hinkt, denn die chemischen Inhaltsstoffe sind vier bis hundert Mal potenter als natürliches Cannabis. Oftmals werden vom Konsum die motorischen und intellektuellen Fähigkeiten stark eingeschränkt - manchmal mit Folgeerscheinungen über mehrere Tage. Es gibt auch sehr sanfte Mischungen, deren Wirkung als angenehm entspannend beschrieben wird und nur ein bis zwei Stunden anhält. Die Verschiedenheit der Kräutermischungen in Kombination mit den individuellen körperlichen Voraussetzungen macht es kaum möglich, allgemeine Aussagen über die Wirkung zu treffen. Das Netz ist voll von Erfahrungsberichten - daran solltet ihr euch orientieren. Bislang wurden schon eine Vielzahl besorgniserregender Nebenwirkungen von Spice berichtet:

  • Kreislaufbeschwerden
  • Mundtrockenheit
  • Schweißausbrüche
  • unerwünschte Halluzinationen - Horrortrips
  • Angstattacken
  • Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
  • Bewusstlosigkeit
  • Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Wahrnehmungsstörungen nach dem Konsum

Gefahren des Konsums von Spice - Überdosierung und Co.

Im Gegensatz zu Cannabis liegen bei Spice keine Langzeit-Konsumer-Erfahrungen vor. Und auch mit den Kurzzeit-Erfahrungen ist es schwer, denn die Droge verändert sich ja ständig in der Zusammensetzung. Selbst wer sich immer wieder für dieselbe Mischung entscheidet, muss damit rechnen, dass sich die Wirkstoffe und die Wirkung verändern. Prinzipiell seid ihr die permanenten Tester oder Versuchkaninchen für andere, die ihre Profitinteressen verfolgen. Die Risiken dabei:

  • Keine Erkenntnisse über Langzeit- und Spätfolgen - es ist daher noch unbekannt, wie stark euer Gehirn, die Lunge oder andere Organe geschädigt werden.
  • Versehentliche Überdosierung von Spice-Räuchermischungen, entweder durch den sogenannten Bodensatz (erhöhte Wirkstoffkonzentration im Tütenrest) oder durch Fehleinschätzung der Mischung.
  • Mischkonsum: Generell gefährlich und zu vermeiden, bei Spice Standard, da immer verschiedenen Wirkstoffe kombiniert werden, deren Wechselwirkung nicht erprobt ist.
  • Der Rauch von Kräutern ist mitunter genauso gefährlich oder noch gefährlicher als der Konsum von Tabak.
  • Das Risiko der Abhängigkeit ist höher und die Abhängigkeit heftiger als beim Konsum von THC.
  • Spice kann psychotische Zustände erzeugen, die ärztliche Behandlung erfordern.

In Großbritannien ist Spice zur Droge der Obdachlosen schlechthin geworden, weil es billig ist und abstumpft. Die Potenz von Spice wird auch daran deutlich, dass beobachtet werden konnte, dass viele Heroin-Konsumenten auf Spice umgestiegen sind. Abschließend raten wir vom Gebrauch der Kräutermischungen ab, vor allem wegen des unkalkulierbaren Risikos. Falls ihr selbst Konsumenten seid oder eure Freunde oder Kinder, setzt euch intensiv mit Spice und seinen Inhaltsstoffen auseinander und sucht gegebenenfalls Rat und Hilfe bei einer Drogenberatung. Weiterführende Informationen für Konsumenten, Angehörige und pädagogische Fachkräfte erhaltet ihr auch unter legal-high-inhaltsstoffe.de. Auf dieser Seite findet ihr auch einen großen Downloadbereich, in dem ihr aktuelle Gesetzesveränderungen übersichtlich vorfindet, wie beispielsweise den Referentenentwurf für ein neues Gesetz zu psychoaktiven Substanzen.

Schaut euch diesen Film an, der das Leben von Spice-Abhängigen in Großbritannien beleuchtet - vielleicht turnt euch das ein wenig ab.

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Bildquellen: Shutterstock.com; spice-shop24.de

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