Die Grafik, der Soundtrack, der Ton des Spiels, die Ästhetik – all diese Dinge machen die Games so faszinierend spielenswert. Und doch, wurde kein Einziges davon angezockt. Der Grund dafür ist einfach – wir haben Angst.

Alle Faktoren die ein gutes Spiel braucht wurden erfüllt. Es stehen keine wichtigen Erledigungen an, die einem vom spielen abhalten können und doch, gibt es einige Games die uns in den schizophrenen Wahnsinn treiben. Spielen oder nicht spielen, das ist hier die Frage.

Bei jedem Shopping-Trip wird mit einem Auge und halb ausgestreckter Hand nach dem Objekt der Begierde gegriffen, bis die Angst einen übermannt und in Schach hält. Wie Gollum und Smeagol, Engelchen und Teufelchen wird über jedes Detail debattiert, bei dem oftmals das Negative die Überhand gewinnt: Vielleicht werden die Erwartungen nicht erfüllt, es könnte Gameplay-Mechaniken enthalten, die die Geschichte ruiniert oder es hat einen anspruchsvollen Schwierigkeitsgrad und man selbst entpuppt sich als Super-Null.

Gibt es denn wirklich keine Hoffnung? Zwingen uns diese Spiele letztendlich in die Knie und verstauben in den untersten Plätzen unserer Wunschlisten? Wir haben in unserer Redaktion nach ihren Erfahrungen gefragt.

Meinung von Alexander Gehlsdorf: „Die Spielzeit hat mich davon abgehalten“

„Ich habe extrem Lust mich auf das abgedrehte und stylische japanische Setting von Persona 5 einzulassen und als High-School-Schüler ein Doppelleben im Untergrund von Tokio zu führen, aber die Spielzeit von 100 Stunden und mehr hat mich bisher davon abgehalten es überhaupt nur anzufangen.“

Meinung von Johannes Repp: „Ich will mir ungern ein umfangreiches Spiel aufhalsen“

„Auf meinem damaligen PC habe ich Skyrim und Oblivion leider nicht zum Laufen bekommen. Jetzt ist mein Pile of Shame mittlerweile so groß, dass ich mir eher ungern ein so umfangreiches Spiel aufhalsen will. Mir fehlt schlichtweg die Zeit. Die Elder Scrolls-Welt ist sehr interessant und ich würde mich wirklich gern hinein stürzen, aber die Titel hastig durchzuarbeiten oder mit ewig langen Zwischenpausen zu spielen, würde der Reihe einfach nicht gerecht werden. Dasselbe gilt für die Witcher- und Gothic-Spiele.“

Spiele die wir, aber vielleicht nicht ihr gespielt habt:

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13 großartige Games, die du wohl nie gespielt hast

Meinung von Lisa Fleischer: „Ich habe Angst, dass ich mich darin verliere und nichts anderes mehr zocke.“

World of Warcraft reizt mich total. Ich habe sogar mal für ein paar Stunden angefangen, trotz viel gehabtem Spaß aber wieder damit aufgehört. Der Grund: ich habe Angst, dass ich mich darin verliere und nichts anderes mehr zocke – und dabei gibt es noch so viele andere tolle Spiele. Allgemein faszinieren mich riesige MMOs wie Eve Online, allerdings traue ich mich nicht einzusteigen, weil die Community schon so gefestigt ist und von Spielern sicherlich verlangt, regelmäßig abzutauchen. Dafür habe ich allerdings keine Zeit, ich habe so viele Spiele und auch zahlreiche andere Hobbys, da will ich mich einfach nicht so strikt auf ein Spiel festlegen. Ich könnte dem also gar nicht gerecht werden – und lasse deshalb komplett die Finger davon.

Und dann wären da solche Online-Beat-‚em-Ups wie Tekken 7, deren Singleplayer-Modi ich zwar gespielt habe, an deren Online-Lobby ich mir aber immer die Zähne ausbeiße. Mich fasziniert es, wie andere Spieler sich so sehr ins Gameplay einfräsen können, um auch mit Pros mithalten zu können. Ich bekomme in den Online-Modi jedoch immer so sehr aufs Maul, dass ich dermaßen demotiviert bin, dass ich das Spiel sofort weglege. Schade, denn eigentlich liebe ich Beat-‚em-Ups.

Weil ich ein Angsthase bin, gehört hier auch Slender dazu. Das Spiel hat mich aufgrund des dahinterliegenden Mythos, der es sogar in die Popkultur geschafft hat, schon immer fasziniert. Ich weiß noch, wie Freunde von mir Slender gespielt und gehassliebt haben, die zuvor kaum bis gar nicht Videospiele gezockt haben. Trotzdem habe ich mich als alter Videospielhase nie rangetraut – einfach weil meine Motorik bei Horror-Spielen vor lauter Angst komplett blockiert und ich das Erlebnis damit einfach nicht genießen kann. Zum Glück gibt es Let’s Plays.“

Meinung von Marina Hänsel„Ich habe Angst, dass ich nach zehn Minuten wieder aufhöre.“

„Irgendwann … irgendwann! Ich wollte schon immer einmal The Elder Scrolls: Daggerfall spielen, weil es a) so aussieht wie meine liebsten RPGs aus der Kindheit und b) ich ohnehin ein großer The Elder Scrolls-Fan bin, der gerne mehr über die Reihe erfahren würde. Nun haben es alte Spiele aber so an sich, eben alt zu sein – und ich hab’s deshalb bis jetzt noch nie angespielt, weil ich Angst habe, dass ich nach zehn Minuten wieder aufhören. Tja. Ein Let’s Play wäre aber eine Idee! Müsste ich nur den richtigen Let’s Player dafür finden.“

Diese Spiele hat eigentlich fast jeder gespielt:

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Meinung von Sophie Jordan: „Das langsame Gameplay bereitet mir Bauchschmerzen.“

Bisweilen kannte ich das Problem noch nicht. Spiele, die ich spielen wollte, habe ich einfach angezockt. Egal, ob ich vorher Angst hatte es könnte schlecht werden oder mir zu lange dauern. Ich bin ein Fan von Open World und langen Storys – Herrgott ich spiele manchmal drei bis vier Stunden Red Dead Redemption 2, reite nur durch die Gegend und bin noch bei Kapitel 2. Doch komischerweise bereitet mir das langsame Gameplay von Death Stranding große Bauchschmerzen. Meine Vorfreude auf das Spiel war riesig, doch umso mehr ich über Death Stranding und die Gameplay-Mechanik erfahren habe, bin ich seither am Zögern.

Laufe von Punkt A zu Punkt B, liefere die Pakete aus, nehme Pakete an, mache genügend Pausen, beruhige BB, lass dich nicht von den Geistern erwischen, schaue Norman Reedus nicht in den Schritt – okay, dass ist eigentlich ein ganz witziges Feature, aber was ich sagen will, es ist klingt ziemlich repetierend und unspektakulär. Warum ich es trotzdem spielen will? Die Story. Seit dem Trailer möchte ich herausfinden was es mit dem Baby, den Geistern und mit dem Charakter Sam Bridges auf sich hat. Die von Hideo Kojima angepriesene komplexe Story wird von vielen gelobt und soll ein mind-blowing Ende haben. Da ich die Geschichte nicht über Let’s Plays oder Komplettlösungen erleben möchte, bleibt mir wohl keine andere Wahl als das Spiel irgendwann selber anzuspielen.

Auch diese Spiele bekommt die GIGA-Redaktion nicht mehr aus dem Kopf:

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Was ist nun des Rätsels Lösung? Um ehrlich zu sein, keine Ahnung. Einerseits sollten sich Entwickler geehrt fühlen, dass versucht wird ihren Spielen gerecht zu werden und die Muße und Zeit in sie zu investieren. Doch sind es diese Games wirklich wert, wenn man sich komplett dafür verbiegen muss, damit man nur ansatzweise zum spielen kommt? Wir können nur hoffen, dass es irgendwann einen Zeitpunkt in unserem Leben gibt, wo wir uns der Herausforderung stellen. Selbst wenn wir 100 Jahre alt sind, diese Spiele müssen unbedingt beendet werden.