Spiele sollen vermehrt sensible Themen behandeln

Olaf Fries 1

Viele Menschen assoziieren mit Videospielen weiterhin Kinderspielzeug oder Zeitverschwendung, obwohl sie so viel mehr sind! Ein Umstand bestätigt jedoch manches Vorurteil: Leider werden durch das Medium viel zu wenig sensible Themen behandelt und aufgegriffen. GIGA GAMES-Redakteur Olaf findet, das muss sich ändern.

Spiele sollen vermehrt sensible Themen behandeln

Videospiele können eine Plattform für nützliche, wertvolle wie auch überwältigende Sachverhalte und Vorkommnisse sein. Ein interaktives Medium um großartige Geschichten zu erzählen, ein Anreiz um Problemlösungen zu finden, realistische Simulationen und weitaus mehr. Filme, Serien, Musik und Bücher helfen bei der Verarbeitung von verschiedensten Wahrnehmungen, ebenso wie bei der Einordnung der gewonnenen Erfahrung. Egal, ob es sich um positive oder negative Sachverhalte und Geschichten handelt. Viele wenden sich nicht nur aus reinem Vergnügen solchen Medien zu, sondern auch um zu lernen, sich zu bilden oder sogar um sie als eine Art Therapie zu nutzen.

Videospielen mangelt es oftmals an sensiblen, ernsten wie auch sozial kritischen Themen. Wir brauchen mehr Spiele die sich mit vermeintlichen Tabu-Themen wie Rassismus, Armut, Sexismus, Fremdgehen oder dem realen Grauen eines Kriegs auseinandersetzen. Selbst Comedy-Serien wie South Park liefern im Vergleich zum Großteil der heutigen Spiele mehr Stellungnahme zu aktuellen Geschehnissen. Dies muss sich ändern!

Unser geliebtes Hobby sollte in diesem Bezug den anderen Medien nicht hinterherlaufen. Natürlich sollen weiterhin Macht- und Heldenfantasien zum Stapel hinzukommen, aber Entwickler und Publisher sollen trotzdem mehr Risikobereitschaft zeigen, damit auch die „unangenehmen Themen“ behandelt werden. Spiele können uns hervorragend in andere Welten und Perspektiven versetzen. Dieses Vermögen sollte es uns auch ermöglichen, die Höhen und Tiefen von anderen Personen und ihren Geschichten zu erfahren. Videospiele sind von Natur aus ein immersives Medium und dies sollte ausgiebiger genutzt werden.

Es ist sogar nachgewiesen, dass Spiele eine Auswirkung auf unser Gefühlswesen im realen Leben haben können. Eine Studie zeigt beispielsweise auf, dass das Begehen einer unmoralischen Handlung im Spiel, Schuldgefühle und Scham im Spieler hervorruft – insbesondere bei Spielern, die sich mehr mit den Figuren auf dem Bildschirm identifizieren. Eine weitere Studie demonstriert eine ähnliche Resonanz, geht jedoch noch einen Schritt weiter. Das Ergebnis der Studie ergibt nämlich auch, dass Spieler, die unmoralisch handeln, sich nicht nur schuldig fühlen, sondern auch für ähnliche moralische Situationen im realen Leben sensibler werden.

Das Problem sind oftmals nicht die Spiele selbst, sondern deren Entwicklung. Viele Spiele benötigen sehr viel Zeit und ein sehr hohes Budget, aber relevante Thematiken brauchen in meinen Augen nicht immer AAA-Veröffentlichungen. Wir brauchen aber große Publisher, die mutig genug sind, um auch Risiken einzugehen und sogenannte Tabuthemen oder sensible Angelegenheiten anzusprechen und zu behandeln. Publisher und Entwickler denen es nicht davor graut, eine bestimmte Haltung oder Einstellung zu vertreten.

Kleinere Entwickler und Publisher nehmen sensible Thematiken bereits in Angriff und dies sollte in meinen Augen gefördert werden. Ein Beispiel ist Firewatch, in dem der Spieler in die Rolle von Henry schlüpft. Der seine freiwillige Feuerwache in einem Nationalpark antritt, nachdem er einen familiären Schicksalsschlag erleidet. Es dreht sich nicht nur um die mysteriöse Handlung der Geschichte, sondern auch um Henrys Verarbeitungsprozess seines privaten Lebens.

Ein weiteres bemerkenswertes Spiel ist Catherine, in dem das Fremdgehen in einer Beziehung ein zentraler Punkt der Geschichte ist. Oder Gone Home, in dem Probleme von LGBT-Mitgliedern angesprochen und aufgezeigt werden. In „That Dragon, Cancer“ wird, wie der Name schon andeutet, die Thematik der Krebskrankheit behandelt. Hier erleben wir die Geschichte von Familie Green und dem Sohn Joel, bei dem im Alter von zwölf Monaten Krebs im Endstadium diagnostiziert wird.

Solche emotionalen, sensiblen oder auch brisanten Themen brauchen wir mehr in Videospielen! Erfahrungen, die uns neue Blickpunkte vermitteln und Entwickler, die nicht davor zurückscheuen, auch unerfreuliche Erfahrungen zu behandeln. Wir brauchen Spiele, die uns zum Nachdenken veranlassen. Spiele, die uns dazu anregen, dass wir uns mit uns selbst auseinandersetzen müssen. Spiele, die uns vermehrt in den „Was würde ich in der Situation tun“-Status versetzen. Spiele, die uns Erlebnisse bieten, die wir uns nicht herbeiwünschen, aber an denen wir mental wachsen können.

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Diese 10 Spiele haben Genres definiert.

Wie ist deine Meinung dazu? Würdest du dich auch über mehr Spiele mit sensiblen Themen freuen? Oder denkst du, dass dieses Medium sich von brisanten Themen fernhalten sollte? Teile uns gerne deine Erfahrung in den Kommentaren mit, sie interessiert uns!

Videospiele vorbestellen: Eure Meinung ist gefragt

Oftmals fühlt sich die Zeit von der ersten Ankündigung bis zur finalen Veröffentlichung eines Spiels wie eine Ewigkeit an. Das machen sich die Publisher natürlich längst zunutze und locken mit attraktiven Vorbestellungen. Daher fragen wir euch: Wie steht ihr zu dem Thema?

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