Star Wars Jedi: Fallen Order angespielt – Macht EA endlich alles richtig?

Alexander Gehlsdorf 2

In den letzten Jahren hat Electronic Arts praktisch kein Fettnäpfchen ausgelassen, um Star Wars-Fans vor den Kopf zu stoßen. Die vier Stunden, die ich mit Jedi Fallen Order verbringen durfte, machen jedoch Hoffnung, dass Star Wars-Fans endlich das perfekte Spiel bekommen. Hat EA die Kurve bekommen?

April 2017: Ich sitze im Publikum der Star Wars Convention in Orlando, Florida. Auf der Bühne wird das brandneue Star Wars Battlefront 2 enthüllt – der Nachfolger, der alle Kritikpunkte des Vorgängers ungeschehen machen will. Eine Einzelspieler-Kampagne, Raumschlachten, Gefechte aus allen drei Filmtrilogien, ein überarbeitetes Heldensystem; auf dem Papier war Star Wars Battlefront 2 ein wahr gewordener Traum.

Sieben Monate später hat EA dank der Pay2Win-Lootboxen den größten Gaming-Skandal des Jahres am Hals, dessen Nachwirkungen noch heute zu spüren sind. Und genau dieser Schatten hängt auch über Star Wars Jedi: Fallen Order.

Star Wars Jedi: Fallen Order - "Cals Mission"-Trailer.

Star Wars mit Seele

Ich muss zugeben, dass mich der erste Gameplay-Trailer zu Jedi: Fallen Order zur E3 2019 ernüchtert hat. Irgendwie sah das zwar alles gut aus, wirkte aber seltsam linear, ein Uncharted mit Star-Wars-Anstrich. Möglicherweise haben einige Fans auf genau so etwas gewartet, nach über zehn Jahren ohne gute Star-Wars-Singelplayer-Spiele –ich jedoch habe etwas Originelleres erwartet.

Doch dann wurde ich stutzig: Im Gegensatz zur linearen Präsentation redeten einige Pressestimmen, die das Spiel hinter verschlossenen Türen begutachten durften, von Souls-Mechaniken. Ein Soulslike im Star Wars-Universum? Warum hat EA ausgerechnet diese Information vorenthalten? Hat der Publisher Angst, das Genre sei zu nischig für den Massenmarkt?

Inzwischen durfte ich selbst ganze vier Stunden ohne Einschränkungen mit Star Wars Jedi Fallen Order verbringen und mich vom Best Case überzeugen: Ja, das Spiel ist ein Soulslike. Ein gutes obendrein, aber trotzdem noch mehr als das: Neben den offensichtlichen From-Software-Einflüssen stecken in dem Spiel außerdem eine gesunde Prise Uncharted, Tomb Raider und Metroidvania.

Im Kern besteht das Gameplay aus dem bekannten Vorarbeiten zum nächsten Bonfire. Im Falle von Jedi: Fallen Order sind dies Meditationspunkte für Protagonist Cal. Dort kann der Jedi-Lehrling rasten und neue Fähigkeiten lernen, was bekanntlich dazu führt, dass alle Gegner im Gebiet respawnen.

Erkunden, Macht, Spaß

Statt einer großen, zusammenhängenden Spielwelt bereist Cal jedoch unterschiedliche Planeten. Darunter bekannte Namen wie Kashyyyk oder Dathomir – aber auch Neuzugänge wie der klippenreiche Planet Zeffo, auf dem ich den Großteil meiner bisherigen Spielzeit verbrachte, gehören zum Repertoire.

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Einige dieser Planeten lassen sich in beliebiger Reihenfolge bereisen. Dazu kommt, dass es immer wieder einen Grund geben wird, auf bereits besuchte Planeten zurückzukehren. Ganz im Stile eines Metroidvania erlernt Cal im Zuge seiner Reise stets neue Jedi-Fähigkeiten, die zuvor versperrte Wege freilegen können. Sobald er etwa den Machtstoß erlernt hat, lassen sich zuvor blockierte Gänge vom Schutt befreien und so neue Pfade erschließen. Solche Techniken sind auch in den gelungenen Rätseln von großem Nutzen, etwa wenn Call mithilfe der Macht riesige Kugeln in dafür vorgesehen Mulden bewegen muss, um die Geheimnisse einer Jedi-Ruine in den Tiefen des Planeten Zeffo zu lüften.

Allerdings haben diese Fähigkeiten nicht bloß Auswirkungen auf die Erkundung und die Rätsel. Auch in den Kämpfen stellen Cals Jedi-Kräfte ihren Dienst unter Beweis. Ein Gegnertyp, der mir im Rahmen des Anspielevents immer wieder Probleme bereitet hat, war ein Stormtrooper mit Raketenwerfer. Schließlich lassen sich die explosiven Raketen, anders als Blaster-Schüsse, nicht einfach mit dem Lichtschwert parieren. Dass ich meinem Widersacher die eigene Rakete per Machtstoß einfach zurückwerfen konnte, war daher ein großartiges Gefühl.

So schwer, wie ihr wollt

Ganz wie in den Filmen lassen sich Blaster-Schüsse nicht nur parieren, sondern mit etwas Geschick auch direkt zum Absender zurückschicken. Nötig ist dafür exaktes Timing beim Betätigen der Block-Taste, was bereits aus Spielen wie Dark Souls oder Sekiro bekannt ist. Durch stetige Angriffe lädt Cal zudem seine Machtfähigkeiten auf, außerdem verfügen einige Gegner über eine Ausdauerleiste. Besonders in Boss-Kämpfen spielt die eine große Rolle, da ein Gegner ohne Ausdauer Cals Angriffen wehrlos ausgesetzt ist. Sekiro lässt grüßen.

Damit jedoch nicht nur Souls-Veteranen ihren Spaß an Jedi Fallen Order haben, stehen im Spiel vier unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zur Auswahl. Das Besondere daran: Die Hitpoints der Gegner bleiben immer gleich. Reguläre Stormtrooper sterben also bereits nach einem Treffer, egal ob im besonders leichten Story-Modus oder als Jedi Grand Master. Unterschiede gibt es stattdessen in drei Kategorien: Cals eigener Widerstandskraft, der Aggressivität der Gegner sowie dem Zeitfenster, das Cal zum Parieren der Angriffe zur Verfügung steht.

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Im Zuge der alljährlichen Debatte, ob jedes Spiel – insbesondere ein Soulslike – mehrere Schwierigkeitsgrade anbieten muss, bietet Jedi: Fallen Order durchaus neuen Stoff für Diskussionen. Bleibt nur zu hoffen, dass Jedi: Fallen Order darüber hinaus nicht noch Anlass für weitere Diskussionen bieten muss. Wenn EA es schafft, tatsächlich einen Skandal-freien Launch des Spiels zu gewährleisten ohne Loot-Boxen, Pay2Win und was auch immer sonst für Aufregung in der Gaming-Welt sorgt, dann steht uns allen mit Jedi: Fallen Order eines der vielversprechensten Star-Wars-Spiele unserer Generation bevor. Bitte EA, bitte vermassel es nicht!

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