Verflixter 13. Monat: Glaubt ihr, wir sind komplett verblödet?

Stefan Bubeck 15

Es mag ja sein, dass ein kleiner Teil der Kundschaft auf billige Marketing-Tricks der Mobilfunk- und DSL-Provider hereinfällt. Aber alle anderen werden in ihrer Intelligenz beleidigt, findet GIGA-Redakteur Stefan und fordert ein sofortiges Ende fragwürdiger Preisangaben.

Ab dem 13. Monat mehr als das Dreifache – wie Provider uns für dumm verkaufen

Neulich bin ich an einem Vodafone-Shop vorbeigelaufen und beim Blick ins Schaufenster (mal wieder) fast ausgerastet. Beworben wurde dort auf einem Plakat der Tarif „Red Internet & Phone Cable“ mit sagenhaften 1000 Mbit/s für noch viel sagenhaftere 19,99 Euro pro Monat – so viel Geschwindigkeit für so wenig Geld, damit holt sich der Provider natürlich erstmal die Aufmerksamkeit der Passanten. Der Haken an der Sache ist in etwas kleinerer Schrift darunter zu finden. Da steht nämlich, dass die 19,99 Euro pro Monat nur in den ersten 12 Monaten gelten, danach erhöht sich die Gebühr auf 69,99 Euro pro Monat – also das Dreineinhalbfache der „Einstiegsgebühr“. Die Mindestvertragslaufzeit beträgt laut Produktinformationsblatt 24 Monate – das heißt, man kommt um die erhöhte Gebühr des zweiten Jahres nicht einfach so herum (** siehe Nachtrag ganz unten).

Ja Leute, krasser Marketing-Move – aber denkt ihr wirklich, wir könnten nicht rechnen? Das sind 12 × 19,99 Euro und dann 12 × 69,99 Euro, macht in Summe 1.079,76 Euro. Oder im Schnitt auf zwei Jahre betrachtet monatlich 44,99 Euro. Hey Vodafone, schreibt das doch bitte einfach hin. Und hey, Telekom und o2 – ihr seid auch gemeint, ihr macht den gleichen Quatsch nämlich in ähnlicher Form an anderer Stelle. Aufhören, am besten sofort.

Viel Image-Schaden, nur um paar Dummköpfe zu veräppeln

Diese Art, tatsächliche Preisstrukturen zu verschleiern, ist legal – und stammt aus der gleichen Schublade der Bauernfänger-Tricks wie „die neue Chips-Packung“. Ja, genau – die große mit weniger Inhalt. Der mündige Kunde kommt der Wahrheit im Supermarkt und auf der Webseite der Provider schnell auf die Schliche und nimmt die Gelegenheit dazu auch wahr. Selbst mit einem Abo auf die Note 5 im Matheunterricht kann man den Preisknoten mit dem kleingedruckten 13. Monat problemlos entwirren – im Zweifel per Taschenrechner-App auf dem Smartphone.

Ich kann das Kalkül der Anbieter nachvollziehen: Wenn man davon überzeugt ist, dass ein gewisser Bruchteil der (potentiellen) Kundschaft komplett verblödet ist und vor einfachsten Rechenaufgaben resigniert – dann könnten man ja diese Zielgruppe mit solchen Methoden schnell „einsacken“, bevor es der Mitbewerber tut. Eine Schande, dass das gängige Praxis ist. Womöglich wird hier auch die schwache Wechselbereitschaft hierzulande ausgenutzt, denn wen man einmal „hat“, den behält man dann auch:

Was ich hingegen überhaupt nicht verstehen kann: Denkt beim Preisschilder-Malen in den Marketingabteilungen der Provider niemand an den „Rest“ der Kundschaft? So ganz normale Menschen, die kurz nachdenken, bevor sie kaufen – ich sag mal aus dem Bauch heraus, das sind 90 Prozent. Die werden mit solchen Maschen nämlich alle auch gleich für dumm verkauft. Da ist doch ein gewisser Image-Schaden denkbar. Oder anders gesagt: Wenn ich zwei gleichwertige Angebote vorliegen habe und einer der beiden Anbieter kommt mir mit „die ersten X Monaten kosten nur ganz wenig, aber ab dem Monat Y wollen wir das Dreifache“, dann guck ich mir lieber das andere Angebot an. Weil man da vielleicht den Anstand hat, den Kunden nicht von vorn herein für einfältig zu halten. Macht doch einfach fair formulierte Angebote, das führt automatisch zu zufriedenen Kunden. Verflixt nochmal.

Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

** Nachtrag: Ein Leser machte uns darauf aufmerksam, dass beim oben genannten Tarif „Red Internet & Phone 1000 Cable“ ein Wechsel auf einen günstigeren Tarif (z.B. Red Internet & Phone 500 Cable für 49,99 Euro/Monat mit halber Geschwindigkeit) nach 12 Monaten möglich ist. Nachzulesen ist das im Kleingedruckten auf einer Angebotsseite von Vodafone. An der hier dargelegten grundlegenden Forderung des Autors ändert das jedoch nichts.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung