Von Pokémon Masters kann Game Freak noch was lernen

Emily Schuhmann 2

Spin-offs einer bekannten Serie sind manchmal ein richtiger Reinfall, aber die neuste App rund um die berühmten Taschenmonster kann sich sehen lassen.

Von Pokémon Masters kann Game Freak noch was lernen

Die Pokémon-Hauptedition, damit sind alle von Game Freak entwickelten Spiele gemeint, haben schon viel Kritik erfahren, aber Pokémon Schwert und Schild sind bisher die mit Abstand kontroversesten Exemplare und das obwohl sie erst am 15. November erscheinen. Fans prangern an, dass die Entwickler einfach stur ihr Ding durchziehen, scheinbar ohne Rücksicht auf die Wünsche der Spielerschaft. Nun, wenn das japanische Studio nicht auf ihre Kunden hören will, vielleicht könnten sie sich von einem Serien-Spin-off inspirieren lassen: Pokémon Masters.

Die am 29. August für iOS und Android erschienene Freemium-App stammt aus dem Hause DeNA, das bereits mit Fire Emblem Heroes ein sehr erfolgreiches Mobile Game veröffentlicht hat. Pokémon Masters bricht mit zahlreichen Traditionen der über zwanzig Jahre alten Videospielserie. Einige Dinge, darunter das Gacha-System und die Mikrotransaktionen, wären für einen Vollpreistitel eher unpassend, aber von vielen anderen Aspekten könnten die Hauptspiele wirklich profitieren.

Aller guten Dinge sind drei

Der offensichtlichste Unterschied zu Pokémon Gelb, Platin, X, Sonne und Co. ist das Kampfsystem. Auf der künstlichen Insel Pasio, dem Schauplatz des Spiels, schickst du nämlich nicht wie gewohnt ein Team von bis zu sechs Taschenmonstern in den Kampf, stattdessen stellst du dir eine Dreiergruppe aus sogenannten Gefährtenpaaren zusammen, die wiederum immer aus einem bekannten Charakter der Serie und dessen Ass-Pokémon bestehen. Im Kampf jonglierst du die Fähigkeiten dieses Trios dann in Echtzeit.

So spielst du Pokémon Masters.

Pokémon Masters - How to Play | Game Overview.

Die Hauptspiele haben schon einige innovative Kampfformen eingeführt, aber abgesehen vom Doppelkampf werden diese von Game Freak eher stiefmütterlich behandelt und kommen nur selten vor. In Pokémon Schwert und Schild darfst du jetzt erstmals in kooperativen Dynaraids antreten, bei denen sich mehrere Trainer einem starken Pokémon stellen. Vielleicht wäre es jetzt auch an der Zeit den Reihumkampf und den Dreierkampf aus der Mottenkiste zu holen?

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht

Als wir die App vor einigen Wochen anspielten, fiel uns nicht nur das andersartige Kampfsystem positiv auf, sondern auch der ungewohnt hohe Schwierigkeitsgrad. Seit Jahren wünschen sich Spieler herausfordernde Pokémon-Abenteuer und ausgerechnet eine App erfüllt jetzt diesen Wunsch. Zyniker würden das vielleicht darauf zurückführen, dass die Entwickler zum Kauf von Levelsteigerungsgegenständen mit Echtgeld anregen wollen. Aber da dieser Aspekt des Spiels eigentlich recht fair gestaltet ist, entscheiden wir mal im Zweifel für den Angeklagten.

Gerade die als hart deklarierten Kämpfe haben es wirklich in sich. Überlevelte Paare des falschen Typs bringen hier nichts und sogar die Haudrauf-Methode mit Typ-Vorteil funktioniert eher selten. Erst der strategische Einsatz deiner Ressourcen führt zum Sieg. Das klappt oft nicht auf Anhieb und ich weiß ja nicht wie es dir geht, aber ich kann mich an kaum einen Kampf in den Hauptspielen erinnern, für den ich mehrere Anläufe gebraucht hätte.

Raus aus der Versenkung

Die Tatsache, dass selbst Arenaleiter in den Hauptspielen oft schon beim ersten Versuch besiegbar sind, führt dazu, dass viele dieser vermeintlich wichtigen Figuren nur sehr wenig Bildschirmzeit genießen. Ich habe sämtliche Pokémon-Editionen gespielt, aber ein paar mal habe ich in der App ein neues Gefährtenpaar freigeschaltet und mir gedacht: „Dieses Pokémon/diese Figur gab’s ja auch noch!“ Diese Überraschungsmomente sind absolut positiv, denn sie zeigen, dass die Entwickler der App auch den unbekannten Gesichtern der Serie eine Chance geben.

Warst du über diese Entwicklungen auch so enttäuscht?

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Diese finalen Pokémon-Entwicklungen sind einfach nur enttäuschend.

Game Freak musste schon viel Kritik einstecken, weil sie die erste Generation immer und immer wieder mal mehr, mal weniger offensichtlich in ihre Spiele einfließen lassen. Pikachu bekommt ja grundsätzlich eine Extrawurst spendiert, aber die Tatsache, dass Delion, der Champ der neuen Galar-Region, ausgerechnet mit einem Glurak gezeigt wurde, erntete in der Fangemeinde einiges an Spott und Hohn. An die Nostalgie der Spieler zu appellieren mag manchmal funktionieren, aber die bunte Mischung an Gefährtenpaaren aus allen Generationen ist einfach erfrischend.

Emotionen braucht der Mensch

Die App brilliert aber nicht nur bei der Auswahl der Charaktere, sondern auch bei deren Darstellung. Seit dem Sprung auf den Nintendo 3DS und damit auch dem Schritt zu einer detaillierteren 3D-Grafik, amüsieren und ärgern sich Spieler über die Mimik der Spielfigur, beziehungsweise deren Nichtvorhandensein. In Sonne und Mond öffnete sich beispielsweise ein Wurmloch und der Protagonist lächelt einfach weiter vor sich hin. Sämtliche Figuren der App sind im Vergleich dazu Ausgeburten an Emotionalität.

Die Feuer-Arenaleiterin Flavia brennt vor Leidenschaft und bibbert im Eisgebiet, Grinsebacke Lilia aus Einall strahlt eine fast schon unangenehme Fröhlichkeit aus und Major Bob ist die arrogante Coolness in Person. Die Handlung von Pokémon Masters ist nichts Weltbewegendes, aber die lebendigen Charaktere gleichen das wieder aus. Zur Geschichte von Pokémon Schwert und Schild ist noch kaum etwas bekannt, aber die Trailer zeigen, dass die Spielfigur dieses Mal immerhin ein bisschen ausdrucksstärker ist. Game Freak kann also dazulernen und wer weiß, vielleicht lassen sie sich in Zukunft ja wirklich ein wenig von Pokémon Masters inspirieren.

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