Warum Pokémon Schwert und Schild viele Fans unglücklich machen

Emily Schuhmann

Ein neues Pokémon-Abenteuer steht in den Startlöchern, aber Vorfreude will bei vielen Spielern nicht aufkommen. Einige schwören der Serie sogar gänzlich ab. Was ist denn plötzlich los?

Pokémon ist eine der erfolgreichsten Marken überhaupt. Seit 23 Jahren beschäftigen sich Spieler auf der ganzen Welt mit den virtuellen Taschenmonstern. Doch das Alter der Marke wird immer mehr zum Problem. Game Freak, das Entwicklerstudio hinter den Hauptspielen, steht aufgrund der breiter werdenden Demographie der Pokémon-Spieler vor einer wichtigen Frage: Wer ist die Zielgruppe und wie bedient man sie am besten?

Serien-Veteranen und Neulinge haben nun mal sehr unterschiedliche Ansprüche, das beginnt beim Schwierigkeitsgrad und endet bei der zumutbaren Handlungskomplexität. Lange Zeit ist es Game Freak tatsächlich gelungen beide Gruppen anzusprechen, aber seitdem die Serie 2012 den Sprung auf den Nintendo 3DS gewagt hat, legt das japanische Studio den Fokus immer mehr auf die jüngere Spielerschaft.

An jeder Ecke kannst du dein Team heilen, Trainingsmethoden werden einfacher, Rivalen sind jetzt Freunde und Tutorials dauern mittlerweile kleine Ewigkeiten. Zwar sind diese Änderungen nicht zwangsläufig schlecht, aber erfahrene Spieler fühlen sich zu sehr an der Hand genommen. Veränderung ist gut und wichtig, aber das Wort verschlimmbessern hat es nicht umsonst sogar in den Duden geschafft. Pokémon Schwert und Schild waren die große Hoffnung der Fans, mit Betonung auf „waren“.

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Pokémon Schwert & Schild: Alle bestätigten Pokémon - Liste und 8. Generation.

Wo bleibt die Revolution?

The Legend of Zelda: Breath of Wild und Mario Odyssey haben vorgemacht wie ein Nintendo-Switch-Debüt auszusehen hat, beide kombinierten Altbekanntes mit ansprechenden Neuerungen und verdienen ihre Beliebtheit. Bleibt noch Pokémon in der heiligen Nintendo-Dreifaltigkeit, aber Let’s Go Pikachu und Evoli enttäuschte eingefleischte Fans mit erneuten Liebeserklärungen an die erste Generation und einer großen Portion Pokémon Go. Game Freak vertröstete sie auf das nächste Projekt, aber auch das im November erscheinende Spielduo erfüllt die Erwartungen der Veteranen nicht mal ansatzweise.

Die neue Grafik wirkt beispielsweise zwar schick, aber sie ist kein massiver Sprung. Beliebte Mechaniken werden nach wie vor einfach zurückgelassen und durch noch mehr Spektakel ersetzt. Das Grundkonzept bleibt gleich und die Neuerungen wirken fast schon realitätsfremd. Statt des seit Jahren gewünschten anpassbaren Schwierigkeitsgrads bekommen die Spieler Dyna-Raids, Dynamaxing, Gigadynamaxing und wie kürzlich bekannt wurde, sogar erstmals DLCs als Vorbesteller-Boni. Es wirkt fast so, als wolle da jemand mit neuem Drama vom größten Ärgernis ablenken: der Pokémon-Streichung.

Schnapp‘ sie dir alle war einmal

Auf der diesjährigen E3 wurden viele Dinge angekündigt, aber kaum eine Überraschung wurde so negativ aufgenommen, wie das Interview mit Jun’ichi Masuda und Shigeru Ohmori über die kommenden Pokémon-Spiele. Die Entwickler gaben bekannt, dass erstmals seit der dritten Generation nicht alle Taschenmonster im Spiel vorkommen werden. Im Internet hagelte es Kritik, Dislikes und Downvotes und die Erklärungsversuche von Seiten Game Freaks gossen nur noch mehr Öl ins Feuer.

Balancing hat die Pokémon-Entwickler zuvor nie sonderlich interessiert, aber plötzlich ist es ein Hauptargument für die Streichung . Der Nintendo 3DS stemmt seit Jahren den vollständigen Pokédex, aber bei der stärkeren Nintendo Switch gibt es plötzlich Speicherprobleme. Ein Zebra in New York/Einall oder Hawai/Alola ohne Hula-Pokémon Blubella gehen in Ordnung, aber plötzlich müssen Pokémon in die Region passen. Lieblinge, mühevolle Züchtungen, schillernde Glücksfälle – sie alle müssen mit etwas Pech dieses Mal auf der Reservebank ausharren und viele Spieler sehen rot.

Zwei Schritt vorwärts, ein Schritt zurück

Das Pokémon World Tournament, Wettkämpfe, das Player Search System, Mega-Entwicklungen, folgende Pokémon, aktives Fliegen, Jahreszeiten – Was haben diese Dinge gemeinsam? Sie alle waren stark beworbene Besonderheiten, erfreuten sich großer Beliebtheit und kamen dennoch oft in nur einem Spiel vor. Jahr für Jahr heißt es neue Mechaniken büffeln und Gelerntes oder Liebgewonnenes vergessen. Potenziell Freude über Neuerungen kann kaum aufkommen, weil allen langjährigen Fans bewusst ist, dass sie wahrscheinlich eh wieder verschwinden.

Otto Normalspieler interessiert das alles nicht und für ihn werden sich Schwert und Schild vermutlich genauso toll anfühlen wie alle vorangegangenen Pokémon-Spiele. Aber der Kern-Spielerschaft fehlt die übliche Vorveröffentlichungs-Euphorie. Der Ton online ist ungewöhnlich rau und in Foren-Beiträgen schwingt häufig Ärger und eine gewisse Traurigkeit mit. Zahlreiche langjährige Fans wollen ein Studio, dass sie als Zielgruppe anscheinend ignoriert, einfach nicht länger unterstützen. Bleibt die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Die Antwort kann nur Game Freak geben.

Umfrage: Welches Starter-Pokémon werdet ihr in Schwert & Schild wählen?

Pokémon Schild & Schwert führt die 8. Generation der Taschenmonster ein. Damit einher geht auch die Wahl zwischen drei neuen Starter-Pokémon. Zur Auswahl stehen das Schimpansen-Pokémon Chimpep, das Hasen-Pokémon Hopplo und das Wasser-Pokémon Memmeon. Für wen werdet ihr euch entscheiden?

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